Showing posts with label Reisen. Show all posts
Showing posts with label Reisen. Show all posts

Friday, October 12, 2012

Fotografieren um zu überleben – die kurze Geschichte eines Hobbyfotografen


Kürzlich ging es wieder einmal mit Couchsurfing auf Tour. Und es trat wieder ein, was bisher immer geschah, wenn ich mich bei einem wildfremden Menschen zu Hause einquartierte: Wir kamen nicht nur ins Gespräch sondern lernten viel von einander und unseren kulturellen Hintergründen. In diesem Falle fand ich mich bei einem Künstler wieder. Fotografieren ist seine große Leidenschaft, die beim ersten Blick durch seine Wohnung schon deutlich wird. Überall verdeckten Portraits, Landschaftsbilder und Kollagen die Wand. Eine der Kollagen zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich: „Der Schrei“ von Edvard Munch zusammengesetzt aus vielen kleinen Aufnahmen von schreienden Personen. Nicht nur ein besonders schönes Bild. In erster Linie eines, das zum Denken anregt, insbesondere da man einigen Personen ansieht, dass sie nicht wirklich geschrien haben.

Fotografieren, um zu leben

Wer selbst fotografiert, weiß auch, dass es zum Leben normalerweise nicht ausreicht, nur Fotos zu schießen. In der Regel ist es mehr ein Hobby, das von einem regulären Job begleitet wird. Bei meinem Gastgeber ist es irgendwie ein bisschen anders: Das Fotografieren hilft ihm, sich über Wasser zu halten. Er arbeitet hauptsächlich als Privatlehrer, was ihm einen Satz von unter zehn Wochenstunden einbringt und daher nur unzureichend seine Lebenskosten decken kann. Er verbindet quasi seine Leidenschaft mit der Linderung seiner Not. Aber natürlich kostet ihn sein Hobby auch viel, weswegen ich mit einer akribischen Kosten-Nutzen-Rechnung eher vorsichtig wäre. Für ihn ist die Sache aber klar: Ohne Fotografieren kein Überleben.

Überleben – mehr als am Leben bleiben?

Die Frage, was denn eigentlich Überleben meine und worin es sich vom Leben unterscheide, drängte sich beim Gespräch mit diesem Mann auf. Ist es ein Leben, wenn man sein Hobby dazu missbrauchen muss, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Oder lebt der Mann seinen Traum, weil er sich dem widmen kann, was ihm liegt und was ihm Spaß macht? Würde ich das wollen oder doch eher die Trennung zwischen Spaß und Arbeit beibehalten? Gute Fragen, die sich wahrscheinlich so manch einer in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren stellt. Dass Überleben für andere Menschen etwas anderes bedeutet, verliert man da schnell aus den Augen. Und wie schnell es von alltagsphilosophischen Fragen an die pure Existenz gehen kann, sieht man an vielen Familiengeschichten zum Beispiel aus Griechenland. Hoffen wir, dass es uns nicht bald ähnlich gehen wird!

Saturday, October 6, 2012

Tourismus trifft auf Freiwilligenarbeit – von der (Un-)Vereinbarkeit beider Wege zu Reisen


Tourismus – die herkömmliche Art zu Reisen

Wer verreisen will, entscheidet sich normalerweise dafür, zu einem Reisebüro zu gehen, dort Flug, Hotel etc. zu buchen und dann an dem gebuchten Tag pünktlich mit dem Flugzeug abzuheben, um am Bestimmungsort freundlich von einem Mitarbeiter des ausgesuchten Hotels empfangen zu werden. Vor Ort begibt man sich dann in geführten Gruppen zu den Attraktionen, für die das Land/ der Ort etc. berühmt sind, schießt ein paar Bilder, um den Enkelkindern einmal beweisen zu können, dass man wirklich dort war, und verbringt so ein oder zwei Wochen des jährlichen Urlaubs. Das ist Tourismus in seiner reinsten Form, wie wir ihn heute kennen.
Das es in diesem Bereich mittlerweile starke Differenzierungen gibt, ist klar. So hat zum Beispiel der Billigflugverkehr schon lange die Herzen der Deutscher erobert, die auch in Zeiten der Finanzkrise auf ihren Urlaub im Ausland nicht verzichten wollen.
Darüber hinaus wurden und werden ebenso andere Trends aufgegriffen. Darunter zählt mittlerweile die große Sparte Nachhaltigkeit. Der ökologische Tourismus (kurz: Öko-Tourismus) bietet da ein Paradebeispiel. Da heißt es dann: Zug statt Flugzeug und Holzhütte mit Selbstversorgung aus nachhaltigem Anbau über offenen Flamme statt Fünf-Sterne Hotel mit Frühstücksbuffet. Nachhaltigkeit äußert sich außerdem in den Reisezielen. So ist Bhutan mittlerweile zum beliebten Reiseziel geworden.
Dann gibt es auch noch die Leute, die gerne verreisen, dabei etwas Gutes tun wollen und wenn möglich auch noch gratis bis an die entlegensten Ecken der Welt vordringen möchten.

Freiwilligenarbeit – aus humanitären Gründen um die Welt reisen

Mit vielen Projekten der Freiwilligenarbeit kann man manchmal komplett gratis um die Welt reisen. Das Projekt Female R-Existence, von dem schon einmal die Rede war, ermöglichte es den Teilnehmer_innen zum Beispiel bei Erstattung der Reisekosten bis zu einem bestimmten Limit, das man durchaus einhalten konnte, solange man rechtzeitig buchte, nach Rom, Athen und nochmal Rom zu reisen. Wenn dann das Glück noch mitspielt und sich ein günstiger Flug ein paar Tage vor oder nach dem Projekt finden lässt, ist der Urlaub perfekt!
Mit dem Europäischen Freiwilligendienst oder weltwärts funktioniert das sogar noch besser. Dort bekommt man für lau die Chance für bis zu einem Jahr in einem anderen Land zu leben. Wer möchte nicht gerne einmal zum Beispiel nach Südostasien, Lateinamerika oder auch Afrika ohne einen Cent zu bezahlen. Und das Gute an der Freiwilligenarbeit: Man steht nie alleine da. Man wird ebenso vom Flughafen abgeholt, hat normalerweise jemanden, der/ die sich um einen kümmert und bekommt überlichweise einen besseren Einblick in die örtlichen Gesellschaften als ein normaler Tourist. Man kommt rum, braucht nichts zu bezahlen und beruhigt gleichzeitig das Gewissen, weil man ja in einem Projekt mitarbeitet, dass die Entwicklung des Landes vorantreibt.
Das mag vielleicht nach reinen Opportunismus klingen, solch ein Angebot wahrzunehmen, ist es aber nicht. Die Intention bei der Förderung solcher Projekte ist es ja, durch den Kontakt mit anderen Kulturen, den eigenen Horizont zu erweitern und etwas wieder zurück nach Hause zu bringen. Freiwilligenarbeit ist daher mehr als reiner Tourismus!

Voluntourismus – ein neuer Trend

Und dennoch gibt es einige Spezialisten, die einer neuen Wortschöpfung würdig sind. Voluntourismus bezeichnet wohl am besten, die diese Leute leben. Sie jetten von einem Projekt zum nächsten, sind multipräsent und wissen immer sofort, wenn es gratis wieder irgendwo etwas gibt. Je entlegener die Orte, desto besser und reizvoller. Auch diese Freiwilligen sind Ausprägungen eines ganz neuen Lebensgefühls. Sie verdienten vielleicht den Namen „Botschafter der Freiwilligenarbeit“. Sie verkörpern einen Geist, der globalisierter kaum sein könnte.

Einen Artikel aus dem New Internationalist von Michelle Dubrovolny über dieses Problem gibt es hier.

Tuesday, September 18, 2012

Busverbindungen nun auch im Fernverkehr – Reisen mit weniger CO2 Emission

Busverbindungen nach über 80 Jahren freigegeben!

Eine Preisrevolution ist ausgebrochen! Die Busverbindungen, so berichtete die Tagesschau, sollen nun endlich auch im nationalen Fernverkehr ausgebaut werden. Grund dafür ist eine anvisierte Gesetzesänderung, die noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Damit geht eine Ära zu Ende, in der die Bahn und ihr Monopol gesetzlich geschützt wurden. Das Schutzgesetz stammt aus dem Jahr 1931 und hielt dem Zugverkehr bis in die Gegenwart jede unliebsame Konkurrenz durch Busverbindungen effektiv vom Halse, was natürlich den Wettbewerb minderte und letztlich Innovationen zugunsten des Verbrauchers beeinträchtigte. Aber solche Zeiten sind jetzt vorbei!
Oder doch noch nicht ganz? Überraschenderweise weigert sich die SPD gegen eine komplette Freigabe aller Strecken, da sie befürchtet, dass die Bahn Investitionen im Regionalverkehr abbauen könnte und letztlich das Streckennetz der DB Regio schnell auf die rentablen Strecken zusammenschrumpfen würde. Preisgünstigere Busverbindungen könnten die Rentabilität vorhandener Strecken durch „Dumping-Preise“ zusätzlich drücken.

CO2 Emission sei Dank gibt es den Bus

Dabei hat es gleich mehrere Vorteile, wenn der Busverkehr ausgebaut wird. Zunächst wird Reisen günstiger. Neue Arbeitsplätze werden durch die Gründung neuer Fernverkehrsunternehmen geschaffen. Die CO2 Emission sinkt, da Busse weniger Treibhausgase produzieren als Bahnen, wenn man die Bilanz pro Passagier berechnet. Und Reisen wird komfortabler, da neue Direktverbindungen angeboten werden können. Nur immer nur von Großstadt A nach Großstadt B sondern auch gerne mal von Ort X nach Kleinstadt Q über Großstadt A oder B.
Mit der Reduzierung der CO2 Emission hat man letztlich aber auch noch jeden überzeugen können und so muss auch hier eine beiläufige Tatsache als Begründung herhalten. Dabei kann wohl kaum einem Busunternehmen unterstellt werden, dass sie es betreiben, weil es umweltfreundlicher ist. Es entspricht einfach der Verbraucherfreundlichkeit, da die Züge nicht alle Orte anfahren, Busse dies aber eben doch tun können, zumindest solange eine Straße zu diesem Ort hinführt, die auch befahrbar ist. Außerdem spielen Preisüberlegungen eine wichtige Rolle, wie auch in der Debatte über kostenlosen Nahverkehr hervorsticht.

Der Fernbus in andere Länder als Vorbild

Wie einfach es ist, mit dem Fernbus ins Ausland zu fahren, habe ich zum Beispiel bei meiner Reise in die Ukraine berichtet. Und auch innerhalb der ehemaligen Ostblock-Länder ist es oft leichter mit dem Bus als mit der Bahn zu reisen. Die Busse fahren öfter, regelmäßiger, decken die Länder besser ab und haben bessere Anschlüsse. Mir kam das anfangs sehr suspekt vor und wurde oft verlacht, wenn ich vorschlug mit der Bahn zu fahren. „Das sei viel zu teuer“, hieß es da oft. Um so besser, zu wissen, dass Deutschland nun endlich seinen östlichen Vorbildern folgt und einen günstigen Fernverkehr anbietet. Endlich mal ein Gesetz, wovon wieder alle etwas haben.
Übrigens handelt es sich bei diesem Vorhaben um das Umsetzen einer EU-Richtlinie! Wer weiß also, wann es den ersten Fernbus gegeben hätte, wenn sich die EU nicht immer so rigoros um die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger bemühen würde. Danke, liebe EU!

Sunday, August 5, 2012

Feuerland erleben – mit dem Segelschiff von Griechenland bis nach Kap Hoorn

Feuerland – der Ort, um den sich alles dreht

Es ist schon eine Liebesgeschichte, wie sie im Bilderbuche steht. Auf Feuerland haben sich Jutta und Osvaldo kennengelernt. Dort haben sie geheiratet und nun sollte es auch wieder dorthin gehen. Ihr ganzes Leben scheint sich um diesen magischen Ort zu drehen. Nur diesmal sollte das ganze noch einmal etwas extravaganter werden, indem nicht einfach dorthin geflogen wird, sondern die Strecke von Griechenland mit dem Segelboot zurückgelegt wird. Dass Feuerland geografisch gesehen nicht um die Ecke liegt, ist jeden klar, aber erst wenn man einen Blick auf Juttas und Osvaldos Blog geworfen hat, wird einem wirklich deutlich, wie weit diese Reise ist.

Kap Hoorn – schnell hin, aber wie?

Wer sich auf den Spuren des Niederländers Hoorn bewegen möchte, braucht viele Dinge, um das Überleben zu sichern. Kap Hoorn, bis dort hat es jener Kapitän geschafft, der ansonsten aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden ist, kann zwar vieles bieten, aber die Reise bis zu ihm birgt Gefahren. Ich habe da weniger die Übellaunigkeit der See im Kopf als vielmehr die der Crewmitglieder. Wer in einer normalen Partnerschaft lebt, weiß, wie schwierig es manchmal sein kann, den anderen nicht an den Kragen gehen zu wollen. Das Leben auf einem Segelboot erscheint da noch hundertmal komplizierter, da man ständig aufeinander hockt und sich nicht wirklich vor dem anderen verstecken kann. Wie viel Mut gehört wohl dazu, sich auf solch ein Abenteuer einzulassen? Und wie organisiert man so etwas?

Sponsoren finden für die eigene Weltumsegelung

Wer einen Blick auf den Blog wirft, wird schnell mitbekommen, wie die beiden ihr Unterfangen finanzieren. Naturgemäß können sie keiner normalen Beschäftigung nachgehen, solange sie sich auf dem Boot befinden. Daher haben sie Sponsoren angeworben, für die sie im Gegenzug auf dem Blog fleißig Werbung machen. Sponsoren finden kann übrigens jeder, der nur lange genug und zielgerichtet genug sucht. Ob nun Mountainbiking im Amazonas oder mit den Skiern durch den Himalaya, es gibt für jede Idee einen, der sie unterstützt, Globalisierung sei Dank!

Friday, July 20, 2012

Arabische Spezialitäten – Mit Mansaf die zukünftigen Schwiegereltern schocken?

Nach meinen kulinarischen Erlebnissen in der Ukraine hier nun eine weitere Episode für Liebhaber des exotischen Essens:
Arabien ist wirklich ein Landstrich für Gourmets! Ich muss gestehen, dass ich dort die besten Süßigkeiten und auch die deftigsten Mahlzeiten zu mir genommen habe (besonders wenn man Deftigkeit an dem Anteil des Fleisches an der Gesamtmenge des Mahl misst!). Arabische Spezialitäten haben mein Herz höher schlagen lassen, so dass ich auch Jahre später noch regelmäßig die ägyptische Bäckerei ein paar Straßen weiter aufsuche, um ein paar frisch gebackene Spezeleien zu bekommen, die mich an das heiße Wüstenklima und die Gastfreundlichkeit der Menschen erinnert.
Einer meiner jordanischen Freunde lud mich vor einiger Zeit zum Essen ein. Er meinte, dass er das jordanische Nationalgericht zubereiten wollte. Ich sollte so etwas wie der Vorkoster sein, denn was Kochen angeht, ist er nicht wirklich begabt. Das Gericht wollte er dann, falls es mir gefallen würde, den Eltern seiner deutschen Freundin kochen, die ihn, so war wahrscheinlich seine Rechnung, dafür in Herz schließen sollten. Nun ja, ich hatte wohl kaum etwas zu verlieren und so ergab ich mich meinem Schicksal. Mansaf, so nannte er das zubereitete Lammfleisch in einer Art Joghurt-Sauce serviert mit Reis, schmeckte vorzüglich. Von arabischen Spazialitäten hatte ich auch nichts anderes erwartet. Und wie er, ein stolzer Jordanier, mir natürlich auch die Hintergründe dieses Gerichtes näher bringen wollte, erklärte er mir zunächst äußerst ausführlich den Entstehungsprozess. Leider war ich so mit dem Schlemmen beschäftigt, dass ich nur mit einem Ohr zugehört hatte und das Rezept daher auch ziemlich schnell wieder vergessen hatte. Bei dem Wort Schafskopf horchte ich jedoch wieder auf. Er hatte mich tatsächlich gefragt, ob ich wüsste, wo man einen kompletten Schafskopf herbekommt. Ich verschluckte mich beinahe am Reis und starrte ihn fragend an. „Mansaf werde traditionell nun einmal mit ganzem Kopf zubereitet“, verteidigte er sich. Schließlich sollte das Essen mit den Eltern seiner Freundin ja etwas besonderes werden und kein Null-Acht-Fünfzehn-Menü wie beim jordanischen Restaurant um die Ecke.
Irgendwie hab ich es dann geschafft, ihn davon zu überzeugen, dass das mit dem Kopf keine so tolle Idee wäre (ganz abgesehen von den Problemen der Zubereitung, denn in welchen Topf passt schon so ohne weiteres ein Schafskopf?). Er hört auf mich und hatte letzten Endes einen wunderschönen Abend mit den vielleicht zukünftigen Schwiegereltern, die nebenbei gesagt von seinen Kochkünsten begeistert waren.
Wer Mansaf einmal selber nachkochen möchte, sollte sich an die Instruktionen eines Jordanier oder einer Jordanierin halten, die es erfahrungsgemäß etwas anders zubereiten, als es online zu lesen ist. Um aber einen Eindruck davon zu bekommen, was Mansaf ist, hier kurz drei Kochanleitungen, die ich kk4you.de entnommen habe:

Rezept 1
500 g Jameed (Joghurt, der durch Trocknen haltbar gemacht ist) in heißes Wasser geben und 4 Stunden einweichen. Ersatzweise kann man Molke verwenden (Einweichzeit: 1 Stunde); frischer Joghurt klumpt und ist keine Alternative. Das Jameed ausdrücken und mit einem Rührgerät glatt kneten. 1 Ei in etwas Joghurt verquirlen, erhitzen und zum Jameed geben.
Die Masse durch ein feines Sieb streichen. Etwas Salz und Pfeffer dazugeben und unter ständigem Rühren ca. 30 Min. auf niedriger Stufe erhitzen. Falls die Masse zu dick ist, etwas Wasser, falls sie zu flüssig ist, etwas durchgeknetetes Jameed dazugeben.
1 kg Lammkeule (in groben Stücken; man kann Mansaf auch mit Hähnchen zubereiten) zusammen mit 1 großen Zwiebel (in Vierteln) und ein paar Kardamomsamen gar kochen. Das Fleisch aus der Brühe nehmen, in die kochende Joghurtmasse geben und 1-2mal aufkochen lassen. Wenn die Joghurtmasse zu dick ist, etwas von der Brühe dazugeben.
Auf eine große Servierplatte erst ein Shrak-Brot (ein hauchdünnes, in einer gewölbten Pfanne über offenem Feuer gebackenes Fladenbrot aus Weizenvollkornmehl), darauf gekochten ägyptischen oder asiatischen Reis (aus 500 g rohem Reis), darauf das Fleisch geben. Mit gerösteten Mandeln und Pinienkernen bestreuen.
Mansaf wird mit den Fingern von einer gemeinschaftlichen Platte gegessen. Man benutzt nur die rechte Hand, formt den Bissen zu einer kleinen Kugel und schiebt diese mit dem Daumen in den Mund. Obwohl Jordanien ein islamisches Land ist, wird Alkohol, z. B. als Araq (Anisbranntwein) oder lokaler Wein, gern getrunken.

Rezept 2
500 g Lammkoteletts
1 Döschen Safranpulver
1 Prise Zucker
1 Glas Lammfond (400 ml)
100 ml Wasser
250 g Basmati-Reis
1 EL Butter
100 g geschälte Mandeln
50 g Pistazien
2 EL Rosinen
Salz
Butterschmalz zum Braten
Arabische Gewürzmischung “Baharat”

Den Lammfond mit Wasser und etwas Salz in einem Topf zum Kochen bringen. Den Reis und den Safran hineingeben, Hitze reduzieren und 15 18 Minuten ausquellen lassen.
In einer Pfanne die Butter erhitzen, die Hälfte der Mandeln darin kurz anrösten. Aus der Pfanne nehmen und zum Garnieren beiseite stellen.
Restliche Mandeln und die Pistazien grob hacken. Ebenfalls in der Pfanne anrösten, auch die Rosinen und Gewürzmischung dazugeben. Vom Herd nehmen.
Lammkoteletts mit der Gewürzmischung einreiben. Butterschmalz in einer Pfanne sehr heiß werden lassen und die Lammkoteletts von beiden Seiten scharf anbraten, die Hitze reduzieren und noch weiterbraten, Bratzeit insgesamt 6 8 Minuten.
Die Nuss-Rosinen-Mischung unter den Reis heben. Eventuell salzen.
Den Reis auf einer großen Platte anrichten, darauf die Lammkoteletts verteilen und mit den ganzen Mandeln garnieren.

Rezept 3
600 gr. Lammfleisch mit Knochen in Stücke geschnitten (Huhn, Pute oder Kalb ist auch möglich)
1 Be. Joghurt 150 ml.
500 gr. Magerquark
150ml. Wasser
1 EL Mehl
1 El Gelbwurz (Kurkuma auch -Indischer Safran genannt)
250 gr. Reis (Basmati)
100 gr. Mandeln (geschält)
50 gr. Pinienkerne
Butterschmalz, Salz, Pfeffer
Jogurt, Quark, Mehl, Wasser und Salz gut verrühren, etwas Kurkuma zugeben und langsam zum Kochen bringen.
Das gewürzte Fleisch oder Hühnchen einlegen und vorsichtig gar kochen. (Man muss es immer wieder gut durchrühren da es leicht anbrennt)
Mandeln schälen und mit Pinienkerne wegen unterschiedlich langer Röstzeit separat in geklärter Butter vorsichtig rösten (dazu Butter erwärmen und Schaum abschöpfen oder Butterschmalz verwenden)
Reis nach Vorschrift garen. TIPP: Butterschmalz, Reis Kurkuma, Löffel Salz und Pfeffer in Topf und 2 cm Wasser darüber geben
Den Reis auf einer großen Platte anrichten, die Nüsse darüber geben und das Fleisch in der Sauce extra dazu reichen.

Also, viel Spaß beim Kochen!

Sunday, July 15, 2012

Larp – Das Leben im Mittelalter selbst erleben. Ein Spaß für die ganze Familie?

Es gibt manchmal wirklich merkwürdige Moden. Eine der neuesten ist der Familienausflug ins finstere Mittelalter. Larp nennt sich diese Freizeitbeschäftigung der anderen Art, von der bisher nur wenige etwas wissen. Daher hier ein kleiner Steckbrief:

1. Was heißt Larp?
Der Begriff kommt aus dem Englischen und steht für „Live Action Role Playing“, also etwa: reelles Rollenspiel (im Gegensatz zum virtuellen).

2. Was ist Larp?
Beim Larpen handelt es sich um ein mittelalterliches Rollenspiel. Die Teilnehmenden werfen sich hierfür zum Beispiel für ein Wochenende in zeitgenössische Kleidung, geben sich alten Berufen und „Rollen“ hin, um zusammen mit anderen Larpern das Ambiente einer mittelalterlichen Gemeinschaft herzustellen und ein paar Tage so zu leben, wie es damals Sitte war. Um Aktion in das Leben zu bringen, wird die Situation durch Plots aufgelockert. Plots sind Handlunsgstränge, die von einzelnen Teilnehmern durchgeführt werden. So kann die Hexe jemanden vergiften, wofür sich der Bruder des Vergifteten bei der Hexe rächen will. Wer nur „Zuschauer“ sein möchte, kann einen Nicht-Spielercharakter bekommen.

3. Seit wann gibt es Larpen?
Beim Larpen handelt es sich keinesfalls um eine neue Erscheinung. Ursprünglich soll diese Art der Freizeitbeschäftigung aus England stammen und seit etwa 20 Jahren auch Anhänger in Deutschland haben. Sicher gibt es aber auch eine Verbindung zu Mittelaltermärkten und Schaustellern wie sie es schon immer auf Volksfesten und ähnlichem gegeben hat. Das Besondere beim Larpen ist jedoch, dass Interessierte sich oft in kürzeren Abständen ihrem Hobby hingeben können.

4. Wer organisiert das Larpen?
In Deutschland wird die Organisation von Larp-Veranstaltungen in erster Linie von Vereinen und privaten Initiatoren vorgenommen. Wann und wo die nächsten Events stattfinden kann auf www.larpkalender.de einfach herausgefunden werden. Die Gebühr variiert zwischen 35 und 150€ pro Person für ein Wochenende. Viele der Veranstaltungen dauern aber auch länger.

Die Frage, die den Leser nun quälen mag, ist, warum hier, in einem Kant-Blog über Freizeitbeschäftigungen im Mittelalter-Ambiente berichtet wird. Die Antwort ist eher simpel: Wie schon mit dem Exkurs in die Clovis-Kultur gezeigt, ist Globalisierung nichts neues. Das Mittelater war sogar eine Glanzzeit der Transnationalität, konnten doch „Grenzen“ leicht überwunden werden. Über das Leben im Mittelalter gäbe es an dieser Stelle viel zu sagen. Aber wo sollte man anfangen? Das wesentliche ist, um bei Kant zu bleiben, der relative Kosmopolitismus, der für den Freien galt. Überall konnte man hingehen, alles konnte gesehen werden, solange man als frei galt. Sicherlich war das für die Masse der Bauernschaft eher ein Wunsch als Realität, aber doch gab es jene Möglichkeiten insbesondere für die geistliche und Gelehrtenelite. Aber das Leben im Mittelalter ist so verschieden, wie das Mittelalter es selber war. Die tausend Jahre, die unter jenem Begriff zusammengefasst werden, reichen von einem „dunklen Zeitalter“ der Völkerwanderung bis zum Beginn der Renaissance. Diese Zeit brachte monumentale Bauwerke ebenso hervor wie die Kreuzzüge mit ihren unendlichen Gräueltaten. Wer sich also auf die Zeitreise begeben möchte sollte sich dessen klar sein. Das Mittelalter war eine Zeit der Widersprüche, nicht ganz unähnlich der unseren Zeit. Viel kann man lernen bei so einem Rollenspiel. Das wichtigste stellt vielleicht die Empathie dar, die nötig ist, um sich seiner Rolle hinzugeben. Und diese Empathie kann uns auch helfen, Menschen aus der heutigen Zeit in anderen Situationen zu verstehen.

Thursday, July 12, 2012

Poznan – nur Universitätsstadt zwischen Warschau und Berlin, oder doch mehr?

Seit der Fussball-EM ist die Autobahnverbindung Berlin-Warschau durchgängig befahrbar. Selbst bin ich die Strecke mittlerweile unzählige Male mit dem Bus gefahren, wenn es für mich auf gen Osten hieß. Auch wenn „durchgängig“ eher relativ zu verstehen ist, so rühmen sich doch beide Hauptstädte, dass eine historische Verbindung endlich wieder hergestellt sei. Auf halber Strecke befindet sich eine andere Stadt, die beiden Metropolen nicht unähnlich und unwürdig erscheint

Poznan – zwischen Deutschland und Polen

Poznan lässt sich dort auf der Karte verorten. Einst stolzes Bollwerk der Preußen gegen das Polentum. Dort wurde das letzte preußische Schloss vor dem Ersten Weltkrieg gebaut, das nicht ohne Grund äußerst wehrhaft wirkt. Um ihm herum hat sich das neue Zentrum gebildet, das vom Bahnhof leicht zu erreichen ist. Das historische Zentrum Poznans befindet sich aber ein ganzes Stück vom Schloss entfernt. Was den Besucher dort erwartet ist kaum mit dem Schloss zu messen: alte Kirchen, der historische Marktplatz, der alte Fürstensitz und hunderte schöner Kleinodien, die ihrer Entdeckung harren.
All das wird jedoch anfänglich durch den Uni-Turm verdeckt. Der sozialistische Bau, der fast allein die Skyline Poznans prägt, vermittelt dem unbefangenen Erstankömmling ein Bild der Stadt, das gar nicht existiert. Natürlich kann sich die Stadt nicht gegen ihr Erbe aus dem 20. Jahrhundert wehren, aber wenn man erst einmal die realsozialistischen Straßenzüge verlassen hat, kann kaum noch eine Ecke an die architektonischen Sünden der Vergangenheit erinnern. Die weiter zurückliegende Vergangenheit sticht schnell hervor und bringt den Besucher leider auch schnell dazu, Irrwege der jüngeren Geschichte zu vergessen.
Ein Besuch der Stadt auf dem Weg weiter nach Osten gibt den Reisenden die Möglichkeit, einen Übergang von der deutschen in die polnische Stadt zu erleben.

Foto: Martkplatz in Poznan
Foto: Theater in Poznan


Warschau – unverstandene Stadt?

In Warschau ist die Transformation dann vollkommen! Man findet sich in einer scheinbar anderen Welt wieder. Einen Eindruck davon gibt der Polenfahrer Besarin auf seinem Blog. Hier der Link. Warum also viele Wort über etwas verlieren, was andere besser beschreiben können? Und die Fotos allein sprechen schon Bände. Hier zwei ausgewählte:

Foto: Warschau mit Kulturpalast
Foto. Typische Straßenszene in Warschau?

Thursday, May 31, 2012

Internationale Projekte gegen Rechtsextremismus: die Rolle der Frau unterm Faschismus

Internationale Projekte gegen Rechtsextremismus – Warum?

In Erwartung auf die EM in Polen und der Ukraine habe ich mich schon mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Das zeigt, dass Rechtsextremismus keine Phänomen ist, das an den Grenzen halt macht, ganz zu schweigen von Einstellungen wie Intoleranz oder Rassismus. Internationale Projekte gegen Rechtsextremismus sind daher umso wichtiger! Neben Aufklärung und Aufarbeitung der Geschichte können außerdem neue Freundschaften zustande kommen, die das beste Mittel gegen Vorurteile und Stereotypen sind. Man möchte meinen, dass es bereits eine riesige Menge solcher Projekte gibt, aber weit gefehlt. Es gibt zwar Schwerpunkt, die finanziell gut ausgestattet sind und daher Jugendbegegnungen und dergleichen organisieren, wie etwa das deutsch-polnische Jugendwerk, aber flächendeckend gibt es diesen Ansatz nicht. Internationale Projekte gegen Rechtsextremismus sind zwar kostspieliger als nationale, aber die Rendite, die sie abwerfen ist wesentlich höher!

Die Rolle der Frau als Projektthema

Eines dieser Projekte wird von vier Zweigen des SCI (Ungarn, Deutschland, Italien und Griechenland) organisiert. Unter Konzentration auf die Rolle der Frau wird sich in noch drei anstehenden Teilprojekten mit der Zeit des Faschismus auseinandergesetzt. Das Projekt trägt den Namen Female R-existence, was einmal auf die Frage, wie sich die Existenz der Frau unter den europäischen faschistischen Regimen gestaltete und zum anderen auf die Bedeutung der Frau in der Widerstandsbewegung hindeutet. Der zweite Aspekt wird zunächst Ende Juni für eine Woche im Fokus der in Athen zusammentreffenden internationalen Gruppe stehen. Im August wird ersterer in Deutschland durch das Studium von Schicksalen im ehemaligen Frau-KZ Ravensbrück näher betrachtet. Abgeschlossen wird das Projekt zur Rolle der Frau durch die Auswertung und Gestaltung einer Broschüre mit DVD im September in Rom. Noch gibt es freie Plätze für dieses außergewöhnliche Projekt, das kaum etwas kostet.
Für weitere Infos einfach an femalerexistence[at]gmail.com schreiben! Oder auf die jedoch noch im Aufbau befindliche Homepage von Female R-existence.



Bild: Logo Female R-existence (femalerexistence.com)

Wednesday, May 23, 2012

Freiwilligenarbeit mit dem SCI auf allen Ebenen – von lokal bis international

Wie wichtig gesellschaftliches Engagement ist, habe ich bereits mehrmals deutlich gemacht. Ein Großteil absolviere ich innerhalb des SCI (Service Civil International), der bereits seit vielen Jahrzehnten weltweit tätig ist. Die verschiedenen Ebenen der Freiwilligenarbeit habe ich bei ihm kennengelernt und wurde so auf immer neue Weisen involviert. Ich habe für mich drei verschiedene herausgefiltert, die sich jedoch auch immer überlappen und sich gegenseitig ergänzen:

1. Freiwilligenarbeit auf lokaler Ebene

Hierbei setzt man sich vor Ort für ein bestimmtes Projekt ein, das meistens mit nachhaltiger Entwicklung, der Beseitigung von Ungleichbehandlungen von Menschen, geschichtlicher Aufarbeitung uvm. Zu tun hat. Um auf lokaler Ebene tätig zu werden, braucht sich der oder die Freiwillige nicht einmal organisieren. Einfach mit anpacken und schon ist man dabei.

2. Freiwilligenarbeit auf nationaler Ebene

Diese Ebene beziehe ich konkret auf meine Arbeit im SCI Deutschland, der landesweit in verschiedenen Lokal- und Arbeitsgruppen organisiert ist. Zu den oben genannten Elementen des Engagements taucht man nun tiefer in die Strukturen ein, kann nicht nur an praktischen Umsetzungen sondern auch an Konzeptionen für Projekte mitwirken und ein großen Netzwerk aufbauen.

3. Freiwilligenarbeit auf internationaler Ebene

Wenn man erst einmal ein einer Organisation drin steckt, findet sich bald ein Themenschwerpunkt, der interessanter als andere ist. Es wird sich eingearbeitet und irgendwann bekommt man eine Einladung für ein internationales Treffen zu diesem Thema. Dann ist der große Schritt getan und die Welt schrumpft schlagartig zusammen. Plötzlich trudeln Call for Participants von allen Seiten ein und die Teilnahme an einem Projekt in Südspanien muss zugunsten der an einem Seminars in Schweden abgesagt werden.

Der SCI bietet auch diesen Sommer wieder viele Projekte, Seminare und Workcamps. Mehr Infos gibt es hier.

Sunday, May 13, 2012

Transnistrien – ein Land, das es nicht gibt oder Schmelztiegel der Kulturen?


Es gibt schon merkwürdige Länder auf der Erde. Eines davon, das für viele nicht einmal ein Land im engeren Sinne darstellt, befindet sich zwischen Moldova und der Ukraine. Denjenigen, die noch wissen wo Moldova liegt, mag jetzt in den Sinn kommen, dass da doch gar kein Land zwischen liegt. Doch! Transnistrien. Alle Daten und Fakten können natürlich problemlos auf wikipedia gefunden und nachgelesen werden.
Warum schreibe ich nun, über dieses Land, das keines ist? Ich war selbst einmal da. Das erste was mir in den Sinn kam, als ich durch Tiraspol, der Hauptstadt, ging, war: „So sieht Post-Kommunismus aus!“ Die stereotypen Vorstellungen von grauen Straßenzügen mit einheitlicher Bepflanzung bevölkert von Menschen, die nie lachen und in teilweise viel zu alten Klamotten umherlaufen trifft hier exakt zu. Es klingt traurig, entspricht aber der Realität, wie einige Fotos belegen können. Ein Ausflug nach Transnistrien kommt außerdem einem kleinen Abenteuer gleich. Ich stieß vor kurzem zufällig auf diesen Blog, der mich an meine Reise erinnerte. Die war zwar nur halb so abenteuerlich, aber dennoch hoch aufschlussreich. Viel konnte ich lernen über die Bürokratie in dem Land (denn ich musste mich für meinen etwa 30-stündigen Aufenthalt registrieren lassen), über die Lebensweisen der Leute und über die Omnipräsenz des Regimes.
Ich habe aber noch etwas gelernt: Schmelztiegel der Kulturen gibt es überall. Dadurch, dass Transnistrien zwischen der Ukraine und Moldova liegt, Menschen beider Nationalitäten problemlos einreisen und sich gegebenenfalls dort niederlassen können, leben alle friedlich in dem kleinen armen Land zusammen. Viele wohnen dort und arbeiten in Moldova. Für andere ist es eine Art Nahtstelle, ein Ort des Übergang von einem Leben zu einem anderen. Und eine große Zahl Transnistrier streben an, nach Russland zu ziehen, mit dem sie oft familiäre Banden verbinden.
Der Schmelztiegel der Kulturen hat also viel aufzuweisen. Was wir alle wohl am leichtesten lernen können, ist die Einfachheit, mit der Menschen verschiedener Nationalitäten auch unter widrigen Bedingungen zusammenleben können. Aber die Tour durch Osteuropa ist ja auch noch nicht zuende...

Bild: Parlamentsplatz in Tiraspol

Bild: Tiraspol




Saturday, May 5, 2012

WWOOF – Gutes tun und nebenbei auch noch Sprachen lernen oder verbessern


Foto: WWOOF (www.wwoof.de)

WWOOF – so einfach ist es, Gutes zu tun

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, wie bisherige Blogeinträge zeigen. WWOOF ist ein weiteres Beispiel, wie man einfach Gutes tun kann. Das Kürzel steht für World-wide Opportunities on organic Farms. Die Idee: Freiwillige können auf den Höfen mithelfen und bekommen dafür Kost und Unterkunft gestellt. Geld auch für An- und Abreise gibt es nicht. Und um die Kontaktinfos von den teilnehmenden Höfen zu bekommen, muss man dem jeweiligen Zweig sogar eine Gebühr entrichten, die aber aufgrund der Gemeinnützigkeit der Organisation durchaus gerechtfertigt ist. Schließlich fallen Verarbeitungskosten an, die irgendwie beglichen werden müssen. WWOOF wehrt sich somit vehement gegen Vorwürfe der Abzocke und ähnlichen!

Sprachen lernen kann so einfach sein

Nun fragt sich der Leser, warum man sich da auf irgendwelchen Höfen abrackern soll, ohne wirklich Geld zu verdienen bzw. sogar noch zu investieren, um an die Liste zu kommen und dorthin zu gelangen. Ganz einfach: Viele WWOOFer/innen machen das einerseits, um die ökologische Landwirtschaft zu unterstützen. Gleichzeitig verbinden das viele junge Leute mit einem Aufenthalt im Ausland. Sprachen lernen oder auch das Aufbessern sind somit willkommene Nebeneffekte des WWOOFens. Nötige Sprachpraxis kann also leicht erworben werden und es ist wesentlich billiger als teure Sprachreisen zu organisieren. Im Gegenzug wird aber eben erwartet, dass die Freiwilligen auch ordentlich mit anpacken können. Um an Listen in anderen Ländern zu kommen, muss man sich an die WWOOF-Zweige dort wenden. Beim deutschen Zweig kann nur die Liste für Deutschland bekommen werden.
Neben dem Sprachen lernen kann aber noch mehr für das Studium oder den Beruf getan werden. Nach Rücksprache mit den Höfen kann die Arbeitszeit dort eventuell als Praktikum angerechnet werden. Das Arbeiten auf verschiedenen Höfen kann dabei besonders nützlich sein, bekommt man so doch einen besseren Einblick in verschiedene Organisationen, Anbaumethoden etc.

Nachhaltige Landwirtschaft als Zukunftsprojekt

Die Unterstützung nachhaltiger Landwirtschaft ist das erklärte Ziel des ganzen Projektes. Dabei soll Abstand genommen werden von Massentierhaltungen, Düngung mit Chemikalien, Verwendung von Antibiotika, um Tiere vor Krankheiten zu bewahren etc. Der umweltverträgliche Anbau von Nahrungsmitteln sowie artgerechte Tierhaltung zum Wohle für Mensch und Tier stehen im Zentrum, da nur so eine Entwicklung zustande kommen kann, die Mensch und Boden in eine furchtbare Zukunft führen kann. Nachhaltige Landwirtschaft ist der Schlüssel nicht nur für eine gesunde Ernährung sondern für eine ausreichende Ernährung der gesamten Menschheit.

Saturday, April 28, 2012

Das Fotoarchiv der Stadt New York stellt 870.000 Bilder online, die die Stadtgeschichte dokumentieren


Es gibt viele große und aufstrebende Metropolen auf der Welt. Um so schwerer ist es, die Faszination zu behalten, die eine Stadt einst innegehabt hat. New York poliert das alte Image wieder auf. Dazu wurden aus den mehr als zwei Millionen Bildern, die irgendwo in den Kellnern der Stadtverwaltung vor sich hin modern, 870.000 katalogiersiert und online gestellt. Das Material, das größtenteils aus Fotografien besteht, bietet einen facettenreichen Einblick in das Großstadtleben seit dem Ende des 19. Jahrhundert. Das Fotoarchiv der Stadt New York hat dabei weder Kosten noch Mühen gescheut und die letzten vier Jahre damit zugebracht, diese verschollen Schätze der weltweiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Worum es sich bei den Bildern handelt, ist schwer zu beschreiben. Eines wird jedoch schnell deutlich: die meisten Bilder stammen aus den Händen von Angestellten der Stadt. Darunter auch Polizisten, die die Fotografie zum Beispiel zum Festhalten von Beweismittel bei Ermittlungen nutzten. Aber auch Stadtplaner bedienten sich diesem Mittel gerne, um sich zum Beispiel eine genaue Vorstellung von Plaungumgebungen zu machen. Die Stadtgeschichte New Yorks ist auf diese Weise eindrucksvoll dokumentiert und nun endlich allen Interessierten zugänglich. Nicht nur dass die Entwicklung, wie etwa der Ausgestaltung der Skyline wie wie sie heute kennen, Schritt für Schritt aufgezeigt wird, es handelt sich teilweise ebenfalls um eindrucksvolle Zeugnisse fotografischer Kunst. New York  hat eben immer schon mehr zu bieten gehabt als nur das Industrielle, den Fortschritt und den Kapitalismus. Im gleichen Atemzug müssen künstlerische Atmosphäre, Ateliers, Gallerien und Museen sowie unendliche Inspiration genannt werden. So wundert es denn auch nicht, dass so manch ein Hobby- oder angestellter Berufsfotograph zu künstlerischen Motiven neigte. Bestes Beispiel ist das unten beigefügte Bild.
Das Fotoarchiv der Stadt New York ist unter folgendem Link zu erreichen. Zur Zeit grenzt es jedoch fast an der Unmäglichkeit, einen Zugang zu den Bildern zu bekommen, da es eine „überwältigende Nachfrage“ gibt und der Server das wohl nicht aushält. Kein Wunder bei dieser Menge an Material. Für die Stadtgeschichte New Yorks und seiner Erforschung handelt es sich hier wirklich um einen Schatz unvorstellbaren Wertes. Ich bin mir außerdem sicher, dass Architekten und Stadtgestalter beim Studium der Fotos so manche Eingebung bekommen werden, die letztlich zum Wiederaufleben längst vergangener Formen führen wird. Das bis dahin wird es wohl noch ein bißchen dauern.



Hier ein paar Impressionen, die aus einer Fotostrecke von spiegel online stammen.











Tuesday, April 24, 2012

Der SCI Italia hat sein Zuhause in der citta dell’utopia gefunden. Auch Garibaldi war schon dort!


Ich bin gerade erst wieder aus Rom zurückgekommen, um meinem erwähnten gesellschaftlichen Engagement Rechnung zu tragen. Der SCI Italia hatte zu einem Auftakttreffen zur Vorbereitung eines mehrstufigen Projektes mit Teilveranstaltungen in Deutschland, Ungarn, Griechenland und natürlcih Italien eingeladen. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und machte mich frohen Mutes, gespannt auf die Stadt und das Projekt, auf nach Italien.
Der italienische Zweig des SCI, einer internationalen Friedensorganisation, präsentierte sich mir in einem zwar noch eher provisorisch eingerichtetem, aber doch bereits stark restauriertem Haus, wie man von den Bildern, die im Inneren aufhangen wurden, um die Geschichte des Gebäudes aufzuzeigen, erkennen kann. Selbst Garibaldi war einst dort, was wahrscheinlich das Glück des Hauses ist, denn sonst wäre es längst abgerissen und der Ort mit einem Neubaublock zubetoniert worden, wie es auch mit den umliegenden Gegenden passiert war. Die citta dell’utopia, wie sich dieser Ort nennt, ist dabei Programm, denn fast täglich treffen sich dort gemeinnützige Organisationen, um die Gesellschaft nach ihren Wünschen mitzuformen. SCI Italia ist dabei nur eine von vielen, aber doch eine bedeutende, da dieser Zweig auf ein weltweites Netzwerk zurückgreifen kann, was das Ausstatten von Projekten wie dem erwähnten erst ermöglicht. Ich hoffe, dass ich dazu bald mehr sagen kann, außer dass das Thema die Rolle der Frauen zur Zeit des Faschismus behandelt. Eine Website ist in Planung.
Was Garibaldi angeht, so wäre dieser für die Unabhängigkeit und für die Einheit Italiens Kämpfende des 19. Jahrunderts sicher stolz zu sehen, was aus dem Gebäude geworden ist, wo er einst einige Nächte verbracht hatte. Und in gewisser Weise lebt seine Idee dort fort, jedoch mit dem wesentlichen Unterschied, dass Gewalt absolut abgelehnt wird. Stattdessen stehen gewaltfreie Konfliklösung und Toleranz auf dem Banner der Hauseigentümer. Und jeder Rombesucher kann sicher sein, dort freundlich empfangen zu werden, denn hier wird fortgeführt, was an den typischen Touristenorten anfängt. Die internationale Begegnung entwickelt sich zum interkulturellen Austausch.



Foto: Citta dell'Utopia (www.donnasapiens.it)
Foto: Giuseppe Garibaldi (http://3.bp.blogspot.com)

Tuesday, April 17, 2012

Mafia und Rassismus machen der Ukraine die Vorbereitungen auf die Fussballeuropameisterschaft schwer


Die Mafia in Kiew

Kein anderes Thema beherrscht den öffentlichen Diskurs in der Ukraine so sehr wie die anstehende Ausstattung der Euro 2012. Und natürlich werden da zunächst auch immer all die Dinge genannt, die bisher erfolgreich zustande gebracht wurden: Stadionneubauten, erfolgreiche Infrastrukturprojekte und neue teure Hotels, die gut fürs internationale Ansehen sind, denn schließlich möchte die ukrainische Hauptstadt der russischen in Nichts nachstehen. Nun ist endlich die Chance gekommen, einen gewaltigen Schritt näher an die Metrolpole des großen Nachbarn heranzurücken. Doch der Aufschwung hat auch Schattenseiten. Die Mafia zieht ihre Runden in Kiew und hat sich auch in die Geschäfte, die mit der Europameisterschaft zusammenhängen, eingeklinkt. Laut einem Artikel von Spiegel online (das Handelsblatt hat ebenfalls darüber berichtet) haben sich Verbrechersyndikate in den Profit versprechenden Verteilungskampf um die Hotelzimmer eingemischt, um sich ihrerseits einen Teil des Kuchens zu sichern. Dass es dabei wenig mit dem bewährten Mittel der Spekulation zugeht, muss wohl kaum erklärt werden. Die Mafia hat schon handfestere Methoden und wendet diese rigoros an, wenn es darum geht, sich zu vermietende Räumlichkeiten zu sichern oder von den Reiseveranstaltern wie TUI mehr als die zuvor vereinbarte Summe für die Zusicherung von bestimmten Kontigenten an Übernachtungen zu erpressen. Doch das ist nicht das einzige Problem!

Der Rassismus in Lviv

Zuvor habe ich Lviv als wahre Perle des ukrainischen Westens dargestellt. Was ich verschwiegen habe, wurde kürzlich in den Mittelpunkt einer Ausgabe des Sportplatzes gerückt. Der Rassismus hat sich über die Stadt verbreitet und wird dabei kaum als Problem wahrgenommen. Da es ohnehin nicht viele Ausländer gibt, handelt es sich nicht in erster Linie um eine Einstellung, die sich durch Gewalt äußert. Stattdessen schwingt sie latent überall mit. In den Straßen, an den Häuserwänden, oft auch an öffentlichen Plätzen gehören gesprayte Hakenkreuze fast schon zum Stadtbild. Personell haben die Reporter so manche Übereinstimmung in den Angehörigen des örtlichen Fussballclubs und der rechtsextremen Partei aufgedeckt und den Bürgermeister der Stadt zur Rede gestellt. Rassismus wäre in Lviv kein Problem meinte dieser. Grafittis gäge es ja schließlich in jeder Stadt und seien lediglich ein Problem der Sauberkeit, nicht aber Ausdruck einer gegen andere Menschen gerichtete Einstellung.

EM 2012 – quo vadis?

Wohin bewegt sich die EM 2012 unter den beschriebenen düsteren Vorzeichen? Zusammen mit diesen unerfreulichen Nachrichten traf noch eine weitere Meldung ein, die zu verstehen gab, dass das Stadion in Warschau nicht rechtzeitig fertig werden könnte. An anderer Stelle wurden deutsche Firmen für einen Verzug bei den Baumaßnahmen verantworlich gemacht. Viel wird geredet und schnell erinnert man sich an die Debatte, ob Polen und die Ukraine überhaupt in der Lage seien, die EM 2012 auszurichten. Auch wenn es gerade nicht rosig aussieht. Für mich ist es ein großes Zeichen, das Europa Richtung Osten aussendet: „Ihr gehört auch zu uns und zusammen machen wir die EM zu einem riesigen Event!“ Der Westen sollte dem Osten da mehr unter die Arme greifen. Insbesondere Deutschland, das schon wieder fette Beute wittert, sollten einige Spiele dorthin verlegt werden, wenn die Polen und Ukrainer es nicht rechtzeit schaffen, alle Stadien fertigzustellen, könnte doch stattdessen, den Nachbarn helfen. Viel zu wenig Kooperation fand bisher statt. Zu selten wollten sich die östlichen Nachbarn von den Erfahrenen zeigen lassen, wie man mit Problemen umgehen kann. Nicht oft genug haben es die alten Hasen aber auch angeboten. Der Segen hängt schief im Haus Europa. Bleibt zu hoffen, dass der Zeitdruck alle an einem Strang ziehen lässt!

Tuesday, March 20, 2012

Was Masochismus, die beste Schokolade und Kaffee gemeinsam haben kann in Lviv herausgefunden werden


Es klingt schon etwas skuril, wenn man Masochismus, Schokolade und Kaffe in einem Satz hört. Dabei ist die Gemeinsamkeit gar nicht so abwegig: Die beste Schokolade der Ukraine hat ihre Heimat genau dort, wo Leopold von Sacher-Masoch, der Namensgeber des Sadismus und des Masochismus, geboren wurde. Beide stammen aus Lviv, dass nebenbei mit einer Unzahl an Kaffehäusern aufwarten kann, unter denen sich viele bestimmten Themen verschrieben haben.
Foto:  Leopold von Sacher-Masoch (www.wikipedia.de)
Für eines dieser Cafés musste denn auch der Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch selbst herhalten. Draußen wartet eine lebensgroße Statue auf den Besucher, der mutig in die offene Hosentasche des Ritters greifen kann, wo dieser sich nicht scheut, sein bestes Stück preiszugeben. Das Interieur ist nach derselben Devise gestaltet: An den Wänden befinden sich Abdrücke weiblicher Brüste und männlicher Geschlechtsteile, die dem Aufenthalt einen besonderen Eindruck verleihen sollen. Merkwürdig? Auf jeden Fall! Aber es scheint ja zu funktionieren. Das Café ist gut besucht und bietet für Touristen ein besonderes Highlight.
Das Gerücht, das die beste Schokolade aus Lviv stammen soll, hat mich jedoch mehr gereizt. So ging es für mich in einen der stadtbekannten Schokoladenläden, wo Blockschokoldade zum kg-Preis angeboten wird. Im hauseigenen Café kann man sich auch gerne 90g der weißen, dunklen oder Milchschokolade schmelzen lassen, um diese dann genüsslich mit dem Löffen zu schlürfen. Ein wahrer Hochgenuss und absolut empfehlenswert für alle Lviv-Besucher!
Die ganze Innenstadt wird von einer Kette von ca. 12 Cafés erfüllt. Das „Dim Legend“ (Haus der Legende) mit seinem Trabbi auf dem Dach habe ich schon angesprochen. Außerdem gibt es, neben dem Haus des Masochismus, die Kaffeemine, wo man in Kellergewölben mit Bergwerkflair dem Angebot an diversen Kaffees fröhnen kann. Die passende Bergmannslampe, die fachmännisch am Helm befestigt ist und die Orientierung im Dunkeln ermöglicht, gibt es gratis dazu.
Foto: Dim Legend (http://bestirntehimmel.wordpress.com)
Wenn man alle Cafés besuchen möchte, sollte wenigstens ein Aufenthalt von einer Woche eingeplant werden. Ich war dieses Mal nur kurz da und wollte das schöne Wetter genießen. Außerdem hat Lviv noch mehr zu bieten als Kaffee und Schokolade. Eine Exkursion auf den Friedhof durfte denn auch nicht fehlen! Nicht nur, dass dieser riesig ist, die Mausoleen und kunstvoll gefertigten Grabsteine beeindrucken auf jeden Fall. Auch wenn es selbst mit Ausschilderungen schwierig ist, die Gräber angeblicher Berühmtheiten zu finden, so bietet spätestens der Blick auf ein kürzlich errichtetes Monument in Gedenken an die Kämpfer für die Unabhängigkeit der Ukraine einen unvergesslichen Anblick. Bei schönem Wetter ist auch ein Ausflug auf die Höhenburg ratsam, wobei jedoch der Ausblick auf das Stadtzentrum leider durch Bäume verdeckt wird. Dafür kann ein Aufstieg auf den Rathausturm jedoch entschädigen.
Mann kann letztlich so viel unternehmen in dieser Stadt, dass es schwer fällt, sich zu entscheiden, wo man anfangen soll. Da kann ich nur eines raten: Den ersten Tag einfach mal durchs Zentrum schlendern und sich vom Blick leiten lassen. Man bekommt so einen Überblick über die Stadt und kommt automatisch in Kirchen und historische Stadtteile. Und selbst, wenn man eine Sehenswürdigkeit mal nicht sieht, so kann doch keine Reue aufkommen, weil dafür mindestens zehn andere ins Blickfeld rückten.
Eine tolle Stadt, die jeden Besuch wert ist!

Saturday, March 10, 2012

Spannendes Lviv im Westen der Ukraine – ein einmaliges Reiseziel für alle, die Couchsurfing lieben


Foto: Spannendes Lviv (http://en.ukrainecityguide.com)

Spannendes Lviv – eine multikulturelle Stadt in Mitteleuropa

Lviv, oder im Deutschen: Lemberg, ist eine Großstadt im Westen der Ukraine. Das interessante an ihr ist ihre Geschichte, die sich bis heute im Stadtbild widerspiegelt. So befand sich die heute unter Lviv bekannte Stadt seit ihrer Entstehung zeitweise auf russischem, österreichisch-ungarischem, polnischem, deutschem, sowjetischem und ukrainischem Territorium. Während dieser Zeit entwickelte die jüdische Gemeinde dort ein reges Leben, das sich auch auf die Bautätigkeit niederschlug. Die Touristenführer bieten denn heutzutage auch Ausflüge ins jüdische Lviv ebenso wie ins deutsche oder polnische an. Dem aufmerksamen Reisenden fällt auch gleich auf, dass es diese Prägung von verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die wechselvolle Geschichte ist, die die ukrainische Metropole in eine Reihe mit anderen mitteleuropäischen Städten stellt. Und so wie woanders auch, könnten die Gebäude der Stadt so einiges über Heil und Unheil der Geschichte berichten, wenn sie denn dazu in der Lage wären. Merkwürdig scheint dem geschichtsbewussten Deutschen nur zu sein, dass man bei der Deutschen Bahn für die Reiseplaung Lemberg als Haltestelle angeben kann. Das mag sich für den ein oder anderen etwas revisionistisch anhören, aber ist wahrscheinlich der Tatsache zu schulden, dass diese alte deutsche Bezeichnung vielen, insbesondere älteren Reisenden geläufiger ist als die ukrainische.

Couchsurfing bringt den Kontakt mit der Kultur

Foto: Trabbi auf dem Dach (www.audioguides.com.ua)
Um nun dieses Facettenreichtum als einfacher Reisender kennenlernen und auskosten zu können, bedarf es schon einigen besonderen Fertigkeiten. Couchsurfing kann es da insbesonderen den Backpackern einfacher machen. Nicht nur, dass man günstig eine Unterkunft finden kann, es bietet sich außerdem die hervorragene Gelegenheit, ohne Probleme mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Diese können den ein oder anderen Geheimtipp geben, wo es sich lohnt, hinzugehen. Wer möchte nicht schon mal gerne in eine Kneipe gehen, in die man nur mit der richtigen Parole Einlass erhält? Dazu gibt es ein durchaus breit präsentiertes Spektrum an alternativen Lifestyles. Eines meiner Highlights ist immer noch das „Dim Legend“, ein vielgeschössiges Gebäude, das vom Museum über ein Café sogar einen Trabbi auf dem Dach beherbergt. Skuril? Ja! Aber auf jeden Fall sehenswert und das ein oder andere Gespräch über den deutschen Import entwickelt sich da bestimmt auch.
Ohne Couchsurfing ist das alles zwar auch möglich, aber sehr viel schwerer zu erreichen. Die Turistenführer leiten die ahnungs- und orientierungslosen Besucher lieber in teure Restaurants und überlaufene Cafés, die man zuhause genauso finden kann. Wie sich das im Laufe diesen Jahres, in dem die Ukraine als Gastgeben zusammen mit Polen die Europameisterschaft im Fussball austrägt, entwickeln wird, ist fraglich. Ich habe gehört, in Lviv hat sich noch nicht so viel getan. Zeit, sich selbst ein Bild zu machen. Nach meinen bisherigen Reisen in der Ukraine heißt es nun also: auf nach Lviv!

Monday, February 20, 2012

Ohne Geld bis ans Ende der Welt? Eine Reisedoku, die bis in die Antarktis führt


 
Video: Ohne Geld bis ans Ende der Welt (www.youtube.com)

Ohne Geld bis ans Ende der Welt – von Berlin in die Antarktis!

Der Plan schien in seiner Einfachheit äußerst schwierig. Ohne Geld bis ans Ende der Welt kann man nicht einfach so. Dazu gehört schon ein wenig Planungstalent und eine gehörige Portion Glück. Michael Wigge hat es gewagt und geschafft. Wer ihm auf seinem Weg alles begegnet ist und wie er es geschafft hat, sich von Berlin über Nord- und Südamerika bis in die Antarktis durchzuschlagen, kann man in einer mehrteiligen Dokumentations sehen. Ohne Geld bis ans Ende der Welt ist dabei Programm. Verbunden mit dieser Reise ist die Absicht, herauszufinden, wie andere Menschen in anderen Kulturen über Geld denken. Dabei stößt er teilweise auf sehr interessante Einsichten. So etwa, als es ihm gelingt, gratis einen Abstecher nach Hawaii zu unternehmen, wo er einen Sonderling kennenlernt, der sich einem Leben ohne Geld verschworen hat. Ein Hauch von Kapitalismuskritik schwingt machmal mit, kann in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise jedoch nicht überraschen.
Auch wenn die Reise bis in die Antarktis bereits vor einigen Jahren unternommen wurde – ausgestrahlt wurde die Doku bereits im Frühjahr 2010 – so ist dennoch nichts davon veraltet. Die Einsichten in andere Lebensweisen und deren Verhältnis zur kapitalistischen Einstellung sind nahezu zeitlos und relativieren die Beziehung von Glück und Geld. Dass Wigge das ganze jedoch nicht ganz ohne gewinnbringende Absichten unternahm, lässt sich an seinem Buch sehen, das unter dem gleichen Titel wie die Doku 2010 herausgekommen ist.
Zum Nachahmen empfiehlt sich sein Vorhaben übrigens nicht. Denn eines, was Michael Wigge hatte, dürfte den meisten Hobby-Abenteurern fehlen: Die permanente Kamerapräsenz und ein Brief, der bestätigt, dass er im offiziellen Auftrag des deutschen Fernsehens unterwegs wäre. Um herauszufinden, welchen Einfluss das auf den Verlauf der Reise hatte, müsste sich Herr Wigge noch einmal auf den Weg machen. Dieses Mal aber ohne Kamera!
Mehr zum Thema Reisen kann man hier lesen.

Saturday, January 7, 2012

Ecolines lädt ein: Berlin – Kiew. Einmal mit dem Bus schlaflos durch Mitteleuropa und zurück

Foto: Kloster Lavra in Kiew (www.lensart.ru)
Ecolines bietet Busreisen für den kleinen Geldbeutel

Die Sache war beschlossen: Über die Feiertage sollte es in die Ukraine gehen. Ecolines bietet die perfekte Gelegenheit. Nicht nur, dass man dort günstige Busreisen buchen kann, die Firma deckt auch noch ganz Ost- und Mitteleuropa ab. Außerdem kann man Tickets ganz unkompliziert online kaufen. Der Bequmlichkeitsfaktor ist also zunächst recht hoch. Doch was eine Busreise ist, bleibt auch eine, trotz guter Verbindungen. Es kann da schon mal vorkommen, dass man 15 bis 20 Stunden neben einem Koloss von Mann sitzt, der in der trockenen Heißluft, die die Busbelüftung ununterbrochen auf einen herabbläst, ebenfalls pausenlos transpiriert. Das ist nicht sonderlich angenehm. Wenn man dann einfach versucht, der Situation durch Schlafen zu entrinnen, kann es auch sein, dass man dazu gar nicht kommt, weil vom Fernseher her eine russische Seifenoper herabschmettert, die selbst mit dem besten Kopfhörern und der Lieblingsmusik im Ohr nicht unüberhörbar bleibt. Dennoch: Die Preise sind gut. Ecolines kann sich vielleicht nicht mit dem besten Komfort rühmen, aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Mitteleuropa – Auf der Suche nach der weißen Weihnacht

Mit dem Bus ging es von Berlin aus über Warschau in die Ukraine. Breits nach wenigen Stunden in der tiefen Nacht machten sich erste Flocken bemerkbar. Der Weg durch ganz Mitteleuropa stand bevor and die Chancen stiegen enorm, dass es eine weiße Weihnacht geben würde. Auf dem Busbahnhof in Warschau hatte sich eine durchgehende weiße Decke auf das Land gelegt. Nach schnellem Umsteigen ging es mit dem nächsten Bus weiter. An der polnisch-ukrainischen Grenze lag schließlich eine mindestens zehn Zentimeter dicke Schneeschicht. Die weiße Weihnacht schien gesichert. Doch auch in Mitteleuropa ist das Wetter launisch, so dass ab Kiew kein weißer Flecken mehr auftauchen wollte. Doch ein Gutes hat es ja in der Ukraine: Weihnachten ist hier erst am 6. Januar. Bis dahin hat sich Väterchen Frost bestimmt mit Frau Holle abgesprochen und die alljähliche Weihnachtschlittenfahrt wird auch dieses Mal stattfinden können.

Wednesday, January 4, 2012

Die Ukraine – der Ort für eine perfekte Silvesterparty, wie du sie noch nie erlebt hast


Foto: Weihnachtsbaum in Harkov

In der Ukraine ein Weihnachtsfest mit Freunden erleben

Ich habe mich nun edgültig entschlossen. Über die Feiertage geht es für mich ins Ausland. Die Ukraine ruft. Die Tickets sind bereits gebucht (es geht mit dem Bus über Warschau dorthin) und eine Unterkunft organisiert. Auf dem Programm steht zunächst: ein Weihnachtsfest mit Freunden, denn was könnte schöner sein? Zum Glück habe ich ein paar Freunde dort, denn von meinen deutschen lässt sich immer noch niemand überreden mitzukommen. Warum, kann ich eigentlich nicht verstehen. Die Ukraine ist ein so schönes Land, dass einem wirklich etwas entgeht, wenn man nicht wenigstens einmal dort war. Im Normalfall kommt man sogar immer wieder dorthin zurück. Es ist wie mit allen schönen Orten auf der Welt. Aber im Gegensatz zu irgendwelchen, nur schwer zu erreichende Tropenparadiese wartet die Ukraine praktisch mit einer Schneegarantie auf. Das Weihnachtsfest mit Freunden und mir Schnee ist also sicher!

Perfekte Silvesterparty mit anschließendem günstigen Urlaub

Noch ein Vorteil bietet die Ukraine: Es ist relativ preiswert dort. Ob nur Silvesterparty oder noch ein paar Tage zum Entspannen dananch, der günstige Urlaub ist hier gesichert. Besonders schön kann es werden, wenn man mit der oder dem Liebsten unterwegs ist. Zuerst schön Essen gehen und danach auf eine der vielen eleganten Feiern. Der einsame Backpacker kommt natürlich auch auf seine Kosten: Schnell verschlägt es einen in Silvesterpartys, die zuhause nicht schöner sein könnten. Es wird gelacht, gefeiert und gerne auch mal über die Stränge geschlagen. Alles jedoch zum Flatrate-Tarif. Nach den stressigen Tagen muss eine Ruhepause auch noch drin sein. Kein Problem: Ein Kurztrip ans schwarze Meer, wo man ein bisschen Frühlingsluft schnuppern kann, oder noch schnell zum Skiurlaub in die Karpathen. Alles einfach, unkompliziert und auf jeden Fall preiswert. Der perfekte günstige Urlaub, der besonders zur Spontaneität einlädt.

Also, ich freue mich schon riesig drauf!

Friday, December 9, 2011

Mit dem Europäischen Freiwilligendienst gratis ins Ausland? Geht das wirklich?

Foto: Europa bei Nacht (www.wikipedia.org)
Der Europäische Freiwilligendienst brachte mich an die Grenzen Europas

Vor einem Jahr habe etwas getan, das vielleicht als nichts Besonderes erscheint, weil es bereits in fast jedem guten Lebenslauf zu finden ist: Ich bin für ein Jahr an die östliche Grenze Europas gezogen. Der Europäische Freiwilligendienst machte das möglich. Hunderte von jungen Deutschen und Europäern begeben sich mittlerweile auf dieselben Wege und Pfade und vermessen dabei unseren Kontinent. Von Lissabon bis Perm im Ural, von Island bis nach Zypern! Kein Ort in Europa, der sicher wäre vor engagieren Freiwilligen. So war auch ich einer unter vielen, zumindest solange ich mich in Deutschland aufhielt und an diversen Vorbereitungsseminaren teilnahm. Aber spätestens als ich an meinem Bestimmungsort ankam, wurde mir klar, dass es eine einmalige Erfahrung sein wird. Der Europäische Freiwilligendienst hat mein Leben verändert! Mehr als ich vielleicht die  Grenzen Europas erkunden konnte, habe ich meine eigenen Grenzen erfahren.

Gratis ins Ausland? Was sind die Kosten für ein Auslandsjahr?

Das beste am Europäische Freiwilligendienst ist, dass es kostenlos ist. Die Idee dahinter: alle jungen Europäer und Europäerinnen sollen unabhängig von ihrer finanziellen Situation die Möglichkeit haben, Europa kennenzulernen. Dadurch soll die Entstehung eines europäischen Bewusstseins gefördert werden. Die EU finanziert das ganze dann. Da stellt sich aber doch schnell die Frage: Wer will nicht gratis ins Ausland? Gibt es nicht endlos lange Schlangen von Bewerbern und unzählige Auswahlgespräche? Oder anders: Was sind die wahren Kosten für ein Auslandsjahr? Da von den Freiwilligen in der Regel nicht gezahlt werden muss (es gibt Ausnahmen: einige Organisationen verpflichten den Freiwilligen, einen Spenderkreis aufzubauen), wird natürlich erwartet, dass sie sich voll und ganz einbringen. Dazu gehören Vor- und Nachbereitung des Europäischen Freiwilligendienst, sowie aktive Teilnahme am Dienst selber. Das hört sich nicht viel an, kann aber mitunter sehr strapazierend sein. Dennoch, wen es in den Füßen juckt, der kümmert sich nicht darum. Was sind schon die Kosten für ein Auslandsjahr, wenn man sieht, was man dafür bekommt!

Und hier noch ein kleiner Tipp: Wen es über die Grenzen Europas hinauszieht, der kann es auch gerne mal mit weltwärts probieren!