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Sunday, January 13, 2013

Verantwortung und Schuld – Das einfache Bild eines komplexen Kontinents: Afrika

Wenn man über ethischeBilder spricht, können die Begriffe Verantwortung und Schuld nur übergangen werden, wenn eine tiefe Auseinandersetzung nicht beabsichtigt ist. Insbesondere wenn es um den „dunklen Kontinent“ geht, sehen unsere Bilder ziemlich einseitig aus. Wild muss es sein, wenn wir die Tier-, Pflanzen- aber auch Menschenwelt im Sinn haben. Eingeborene, die nur geringe Stellen ihres Körpers notdürftig bedecken, dürfen nicht auf den Fotos eines Afrikareisenden fehlen. Oder es herrschen zerrüttete bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, die akribisch dokumentiert sein wollen. Egal, was am Ende auf den Fotografien zu sehen ist, es zeigt immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Verantwortung dafür zu übernehmen, dass wir eventuell mit einem bestimmten Bild gewisse Vorurteile schüren, sollte daher im Bewusstsein eines jeden und einer jeden verankert sein. Das trifft umso mehr zu, als Touristen in fremden Kulturen in der Regel nur das fotografieren, was in ihr Bild der anderen Kultur passt. Hochhäuser in Luanda sind weniger interessant als die Eingeborenen, die vielleicht nur durch Schauspieler in einem eigens für Touristen angefertigten Park posieren. Zugespitzt gesagt: Ethisch ist, was ins Bild passt. Verantwortung übernehmen? Wofür genau? Dass das Individuum ihm von den Medien eingetrichterte Stereotypen reproduziert und letztlich multipliziert? Das würde das Empfinden von Schuld voraussetzen! Aber wofür sollte diese Schuld empfunden werden? Dafür, dass ein Bild übernommen wird, dass augenscheinlich falsch ist. Das kann nur auf eine aktive und intensive Selbstreflexion und Dekonstruierung der eigenen Identität aufbauen. Welcher Safaritourist möchte sich unter der erschöpfenden Sonne Afrikas aber mit der eigenen Identität auseinandersetzen, wenn das zu schießende (hoffentlich nur mit der Kamera) Wild direkt vor einem faulenzt? Es wäre auch zu schön. Stattdessen kursieren weiter Bilder, wie sie unter dem Eintrag für Porträtfotografie zu finden sind. Ganz egal ob nun in der angolischen Hauptstadt die höchsten Grundstückpreise der Welt zu finden sind und ob Südsudan 2013 eine der höchsten Wachstumsraten weltweit aufweisen wird. Interessant ist nur, was ins Bild passt.

Saturday, January 12, 2013

Ethik und Schönheit als Maßstab in der Fotografie. Was der Mensch für Verlangen hat

Ethik in der Fotografie?

Wie schon mehrfach deutlich wurde, begibt sich ein Fotograf oft auf eine Gratwanderung, wenn er oder sie Fotos von „heiklen Objekten“ aufnimmt. Insbesondere bei Bildern aus Krisenregionen, die menschliches Leid darstellen, kommt schnell die Frage auf, inwieweit die Bilder ethisch vertretbar sind. Auch wenn Ethik nicht das Kriterium ist, das bei der Aufnahme des Bildes im Vordergrund steht, so schwingt es (oder sollte es zumindest) doch ständig beim Fotografen mit. In aller Regel sind sie sich bewusst, dass etwa Frontjournalismus schwierige Fotos beinhaltet und auch weiterhin produzieren wird. Ethik und Krieg schließen sich zwar auf dem ersten Blick gegenseitig aus, aber obszön oder ekelig muss es auch nicht gleich sein. Ethisch vertretbar wird die Kombination aus beidem aber in erster Linie durch den Zweck. Nicht dass der die Mittel heiligt, aber wenn er darin besteht, aufzuklären, ist die Bereitstellung auch der grausamsten Bilder zwar immer noch erschreckend und abstoßend, aber doch wichtig. Solchen Fotografien kann dokumentarischer Wert beigemessen werden und uns somit die Schrecken und Gräuel von Krieg, Vertreibung und Naturkatastrophen vor Augen führen bzw. sie für die Nachwelt festhalten. Eine Ethik der Aufklärung verpflichtet also fast auch zu den abschreckendsten Bildern.

Schönheit als Maßstab?

Auf dem Markt muss nicht unbedingt der Schock das sein, was Betrachter anzieht. Schönheit kann genauso zum Publikumsmagneten werden. Menschen umgeben sich gerne mit ihr. Ob dadurch nun tiefste Bedürfnisse befriedigt werden und um was es sich im konkreten Fall handelt, wenn man meint, etwas sei schön, kann kaum eindeutig geklärt werden. Aber neben dem Effekt, einfach nur Aufmerksamkeit zu bekommen, was durchaus mit Hässlichkeit zu erreichen ist (siehe das Beispiel der Ugly Models), geht es darum, den Menschen zu einer angenehmen Gefühlsassoziation zu bewegen. Das Verlangen nach Schönheit wird daher viel öfter in Werbespots bedient als andere Bedürfnisse. Auch in zunächst profan erscheinenden Sequenzen wie etwa Autoreklame oder Hygieneartikel treffen wir fast ausnahmsweise auf schöne Menschen, die im Alltag eine Rarität sind, in schönen und sauberen Umgebungen oder Landschaften.

Ästhetisch wünscht sich der Mensch seine Umgebung

Egal, ob nun ethisch vertretbar oder nicht, einwandfrei schön oder nicht. Ästhetisch muss ein Bild, eine Skulptur, ein Film etc. sein, damit es, sie oder er uns anspricht. Entscheidend sind hier Proportionen, die natürlich je nach Geschmack abweichen, um als ansprechend empfunden zu werden. Wer jedoch mehr als nur oberflächlicher Betrachter oder Konsument vorgefertigter Waren sein bzw. selbst produzieren möchte, der sollte sich in diesen Aspekt hineinfühlen. Erst durch die Ästhetisierung bekommen Werke doch ihren Reiz und können uns Menschen ansprechen.

Thursday, December 20, 2012

Armut ist kein Hindernis für die Gleichberechtigung von Mann und Frau!


Die Frauenquote, in die sich die Deutschen so verbohrt haben, kommt. Das Beispiel Argentiniens, das zwar eher ironisch gemeint war, bekommt nun ein weiteres aus der Region an die Seite gestellt, dass dieses Mal ernster zu nehmen ist. Es geht um Nicaragua. Trotz Armut (im Vergleich zu den westeuropäischen und nordischen Ländern) hat es das Land geschafft, im Global Gender Gap Report 2012 vor Deutschland zu landen. Die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Mann und Frau hängt also nicht unbedingt von den herrschenden ökonomischen Verhältnissen ab.

Armut – der große Gleichmacher?


Das Video hat gezeigt: Wer auf Frauen als Humankapital verzichtet, vergibt damit 50% seiner verfügbaren Ressourcen. Das leuchtet ein. Paradox erscheint da, dass die ärmeren Länder dennoch eher zur Ungleichbehandlung neigen als reiche. Dabei sollte doch die Armut den Anreiz schaffen, auch Frauen die Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen, damit so den einzelnen Familien mehr Geld zur Verfügung steht. Dieser Gedanke scheint aber nur in wenigen Ländern, die es wirklich nötig haben, aufgekommen zu sein. Eines davon ist eben Nicaragua, dass in dem Report hinter den Philippinen auf Platz neun gelandet ist (Deutschland liegt auf Platz 13!). Damit ist es das einzige amerikanische Land, das es unter die Top Ten geschafft hat. Selbst die USA oder Kanada konnte diese Positionen nicht ergattern. Die Frage wäre nun: Hat es das Land trotz der Armut oder eben genau wegen ihr geschafft, eine Politik der Gleichbehandlung durchzusetzen? Oder ist es einfach eine spezifische Mentalität der Einwohner des Landes?

Gleichberechtigung ist nicht gleich Gleichberechtigung

Freilich muss man bei vielen Ländern schon einmal genauer hinschauen. Gleichberechtigung heißt ja im Prinzip, dass Mann und Frau die gleichen Rechte einfordern können. Dass dies zum Beispiel in Deutschland durchaus der Fall ist und auch für andere westliche Länder wie Frankreich oder Großbritannien nicht angezweifelt werden braucht, bestreitet wohl kaum jemand. Aber wenn es um die Umsetzung dieses Gleichheitspostulats geht, sehen die Realitäten durchaus differenzierter aus. Daher bezieht der Global Gender Gap Report auch noch weitere Indikatoren mit ein, die ein möglichst komplettes Bild der Situation der Frauen im Vergleich zu den Männern in den jeweiligen Ländern aufzuzeigen helfen sollen. So fängt Gleichberechtigung nicht bei gleichen Gehältern für gleiche Arbeit an und hört nicht bei Frauenquoten auf. Es gibt viele Facetten, die bereits mit der frühkindlichen Bildung beginnen.

Das World Economic Forum als globale Aufsichtsbehörde?

Der Report wurde auch in diesem Jahr vom World Economic Forum herausgebracht, das sich so bereits zum sechsten Mal mit einer fundierten Datenbasis für die Förderung der Frauenrechte einsetzt. Nachlesen kann man den gesamten Report auf Deutsch hier. Die Homepage des Forums bietet darüber hinaus aber auch noch weitere wissenswerte Infos. Ein Blick darauf lohnt sich!

Wednesday, December 19, 2012

Die Lüneburger Heide – für Erdöl und Salz wurde seit Jahrhunderten Raubbau betrieben

Die Lüneburger Heide – ein Case Study

Eines der bekanntesten deutschen Ausflugsziele findet man dort. Es besticht durch seine Natürlichkeit, nicht zu sagen: Naturbelassenheit, und einzigartige Schönheit. Es ist schon ein wunderschönes Schauspiel, das sich Mutter Natur da einfallen lassen hat. Mutter Natur? Wenn man von der Lüneburger Heide spricht, spielen bestimmt viele Faktoren eine wichtige Rolle, die zur Entstehung dieser einmaligen Landschaft geführt haben, aber das meiste davon ist menschengemacht. Einst wichtige Salzlagerstätte fielen die meisten der vorhandenen Bäume der brennstoffintensiven „Industrie“ zum Opfer. Das Salz ging über Lübeck überwiegend in den Ostseehandel. Die waldreiche Lüneburger Heide wurde so erst zur Heide! Und als sie das dann war und der Salzhandel eh nicht mehr ertragreich war, ging man zur Schafshaltung über. Falls also die Landschaft jetzt eine Pause von der Abholzung erwarten hätte können, so wurde dem durch die intensive Weidewirtschaft nun ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Vegetation büßte weiter an Vielfältigkeit ein. Es entstand über Jahrzehnte und Jahrhunderte dann was wir heute als die typische Lüneburger Heide kennen.

Erdöl – das schwarze Gold der Jahrhundertwende

Als wenn das aber nicht genug gewesen wäre, trat um 1900 eine weitere wirtschaftliche Nutzung der Heide in den Fokus der Unternehmer. Es wurde Erdöl gefunden und schließlich auch gefördert. Das Bild der Heide änderte sich. Das Deutsche Erdölmuseum erzählt die Geschichte des schwarzes Goldes, die wie die Geschichte der Förderung so vieler anderer Rohstoffe stark mit politischen Entwicklungen und der Technikgeschichte verquickt sind. Etwa 80% des Erdöls, das das Deutsche Reich vor dem Ersten Weltkrieg jährlich benötigte, stammten so aus der Lüneburger Heide. Der Vorteil dort sei es gewesen, dass der Rohstoff oberflächennahe aufzufinden sei und die Förderung nicht wie an anderen Lagerstätten aufwendig und teuer sei. Die 1920er waren dann der Höhepunkt der Förderung, die sich danach langsam abschwächte und schließlich versickerte. Heute werden die Altlagerstätten mit neuen Technologien wiederentdeckt. Es wird geforscht und ausgelotet, ob sich die Wiederaufnahme der Förderung lohnt. Das Erdölzeitalter ist eben noch nicht vorbei!

Raubbau als wirtschaftlicher Habitus

Immer wieder geht es hier um Ökologie. Warum eigentlich? Ein Blick auf die Ergebnisse des kürzlichen beendeten Klimagipfels in Doha illustriert gut, warum man eigentlich nicht genug über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sprechen kann. Energiewende hin oder her. Wir Deutschen waren in der Vergangenheit nicht gerade ein Musterbeispiel ökologischen Handelns, was das oben gezeigte Beispiel beweist. Ohne Raubbau schien es auch bei uns nicht zu gehen. Das dieser lange und massiv schon vor dem 19. Jahrundert begann, ist da umso bezeichnender. Aber anstatt großzügig über diese Episoden hinweg zu sehen und es mit dem Verweis auf das damals noch nicht ausgebildete Umweltbewusstsein zu entschuldigen, bringt wenig. Stattdessen wäre vielleicht eine intensive Aufarbeitung und eine Beschäftigung in der Öffentlichkeit sinnvoller, um auch den heute aufstrebenden Nationen der Welt zu zeigen, dass Raubbau keine Option ist.

Außengelände des Deutschen Erdölmuseums in Wietze (Quelle: erdoelmuseum.de)

Tuesday, December 11, 2012

Was ist Kunst? Was ist sie wert, wenn sie nur noch besucht aber nicht betrachtet wird?


Kunst als Massenware - was ist sie dann noch wert? (Quelle: atelier-cornelia.de)

Kunst – was ist das eigentlich. Heutzutage ist das schwieriger zu beantworten als jemals zuvor. Einige Mutige wollen es dennoch manchmal genauer wissen und begeben sich daher in einschlägige Ausstellungen. Die dOCUMENTA dieses Jahr war sein ein. Im Nachklang hat Jörg Heiser am 12. September diesen Jahres für die Süddeutsche Zeitung einen durchaus kritischen Artikel über die Ausstellungskultur unserer Zeit geschrieben (zu finden auf Seite 13). Schon die Überschrift „Nur Besucher, nicht Betrachter“ gibt einen Eindruck davon, in welche Richtung das ganze geht. In erste Linie wären für erfolgreiche Ausstellungen die Besucherzahlen und das Medienspektakel drumherum entscheidend. Die Frage, die sich mir da stellt: Was ist dann heute der Wert, den Kunst allgemein oder auch spezielle Ausstellungen besitzen bzw. ihr von den Betrachtern entgegen gebracht wird?
Die Frage ist knifflig und doch wieder nicht. Der Unterhaltungswert ist das, was für die Betrachter entscheidend ist. Sobald sie etwas langweilt, wenden sie sich vom Kunstwerk ab und haschen nach der nächsten Sensation. Dabei handelt es sich ganz logisch um die Auswirkungen eines unendlichen Angebots an Unterhaltung in TV und im Internet. Fast vergeblich sucht man daher nach Neugierigen, die innig und gedankenversunken ein Bild betrachten können, sich in die Lage des Porträtieren zum Beispiel hinein zu denken versuchen und Emotionen zum Ausdruck bringen sich nicht schämen. Das würde jedoch voraussetzen, dass die Besucher von Museen, Galerien etc. mit einer anderen Einstellung in die Ausstellungsräume gehen. Es sollte dann nicht mehr darum gehen, alle Ausstellungsstücke zu sehen. Vielmehr müsste der Ansporn des Besuchers selber sein, lieber ein Bild von all seinen Facetten her betrachtet und verstanden zu haben als von alles Bildern jeweils nicht mehr als einen Flüchtigen Moment mit zu nehmen. Aber Kunst ist heute Massenware. Eine an Konsum gewöhnte Gesellschaft kann diese Einstellung aber kaum flächendeckend aufbringen, so dass am Ende auch noch die Kunst als Massenvergnügen gepriesen wird. Es zählen dann nicht mehr Qualität sondern Quantität. Der Wert eines Kunstwerkes wird dann in erster Linie durch die Anzahl der Besucher (nicht: Betrachter) ermittelt.
Eine Alternative kann unter anderem mit Hilfe des Internets geschaffen werden. Beim Blog Award konnten sich so die Abstimmenden so viel Zeit lassen, wie sie wollten, um den zu wählenden Blog zu ermitteln. Sie konnten Pausen machen, wenn sie ein oder zwei Blogs gesehen hatten und erschöpft waren, mussten sich nicht an Öffnungszeiten halten und ihnen stand niemand im Wege, der/ die sogar in einem Gespräch die Meinung der betrachtenden Person hätte „korrigieren“ können. Ein Vorbild also?


Monday, December 10, 2012

Die Energiewende kommt? Nach Niko Paech nur, wenn wir unseren Konsum reduzieren


Energiewende – das geflügelte Wort

Es klingt schon fast etwas wie höhnisch, wenn man hier vom geflügelten Wort spricht. Schließlich soll die Energiewende ja unter anderem genau damit, eben mit Flügeln, gelingen. Und sowieso ist der Slogan so griffig, dass er schnell von etlichen Politikern und Befürwortern aufgegriffen wurde, um so die Massen mobilisieren zu können. Dabei fällt nur selten auf, dass eigentlich jeder etwas anderes darunter versteht. Für viele besteht die Energiewende daraus, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt den größten Anteil des in Deutschland benötigten Stroms durch regenerative Resourcen zu gewinnen. Auf diese allgemeine Formel können sich die meisten noch einigen. Aber jetzt kommt der kritische Punkt, wo die Insider sagen, dass die Wende, wie sie von den Politikern gedacht ist, nicht einmal im Ansatz eine wirkliche Energiewende darstellt. Denn Energie ist erstes nicht nur Elektrizität. Es gehören auch nicht nur Wärme und Kraftstoff dazu, da Energie in allen Dingen des Alltages, egal ob Kleidung, Nahrung, Haushaltsgeräte oder Transport, gebunden ist. Außerdem geht das Verständnis von regenerativer Energiegewinnung stark auseinander.

Konsum reduzieren ist die einzige Chance

Der Konsum sei das wirkliche Problem, meinte Niko Paech in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung am 6. September diesen Jahres (Seite 21). Seiner Meinung nach sind die Pläne für die bevorstehende Wende nur Verlangerungen des Problems. Anstatt durch CO2-Emmissionen zerstört man dann eben direkt natürliche Lebensräume, indem Offshore-Windparkt gebaut werden etc. Durch diese Politik solle der Konsum auf dem jetzigen Level weiterhin ermöglicht werden bzw. sogar weiterhin steigerungsfähig bleiben, was eine Illusion sei, so Paech. Der einzige Weg in eine ökologisch verträglichere Zukunft sei daher die Reduzierung des Konsums, da nur so letztlich Energie eingespart werden kann. Ein Schlüsselgedanke ist hierbei die Idee von der Transformation der Wegwerfgesellschaft in eine Repariergesellschaft. Kleidung könnte durch Nähen oft ganz einfach wieder instand gesetzt werden. Plastikfreies Leben ist dann schon etwas für Fortgeschrittene. Wer dann noch auf öffentlichen Transport verzichten möchte, der wandelt dann schon auf abenteuerlichen Pfaden. Am Ende würde dann eine deglobalisierte Welt entstehen, in der das Individuum Nutzungsgemeinschaften für fast alle Gerätschaften eingeht und so zwar wie heute alles, was man braucht, zur Nutzung parat hat, es aber mit anderen teilen muss, wodurch der Konsum drastisch reduziert werden würde. Eine Utopie?

Kommt die Energiewende? (Quelle: biomasse-nutzung.de)

Wednesday, December 5, 2012

Der Strand bringt Spaß und setzt ein Zeichen – Patriotismus ist gut fürs Business!


Der Strand – eine Welt für sich

Es gibt Orte, die sind mehr als nur Punkte auf der Landkarte. Sie sind Ausdruck eines bestimmten Lebensgefühls, einer gewissen Zeit im Leben oder einer ganz spezifischen Einstellung. Der Strand ist einer dieser Orte. Auch wenn es zur Zeit etwas zu kalt ist, um an deutsche Strände zu gehen, so freuen wir uns doch auf den nächsten Urlaub, an dem es dann mal wieder heißt: Ab an den Strand. Dass sich dort aber nicht nur diese Einstellung des Alles-locker-sehens sondern auch ein gewissen Marktpotenzial auffinden lässt, ist einigen Hamburgern deutlich vor Augen getreten. Nicht um sonst haben sich einige Marken und lokale Produzenten auf die Zielgruppe der Strandgänger spezialisiert. Daher gibt es am Strand folgende Produkte made in Hamburg:
  • Strandstuhl
Das hat nicht jeder, könnte aber jeder gebrauchen! Daher spätestens bis zum nächsten Sommer anzuschaffen. Infos unter: gilges.eu
  • Stranddecke
Bei michas-stoffdecke.de können trendige Decken als Hingucker für den nächsten Strandurlaub gefunden werden.
  • Wäschesack
Irgendwie müssen ja die Sachen, die man am Strand braucht, auch mit. Daher hier etwas für Lokalpatrioten: maegdeundknechte.com
  • Trinken
Das darf natürlich nicht fehlen! Auch wenn es kein Tee ist, so erfrischt Lemonaid im Sommer vielleicht sogar besser. Fair gehandelt macht das Trinken gleich nochmal so viel Spaß. Infos unter: lemon-aid.de
  • Kissen
Selbst gehäkelt, selbst ausgedacht. Lokaldesign.de verspricht pure Gemütlichkeit am Strand.
Es gibt noch vieles mehr, das man hier erwähnen könnte. Eines zeigen die vier Beispiele aber schon deutlich: Der Trend geht hin zum regionalen. Patriotismus könnte man es nennen, wenn es eigentlich nicht völlig eigennützig wäre, was da vor sich geht. Obwohl doch eine kleine Portion davon immer mitschwingt. Besonders im norddeutschen Fall hört man oft, dass die Menschen dort viel stärker verwurzelt seien. Daher auch auf dem Wäschesack der Schriftzug „Verankert in Hamburg“? Der Slogan kommt jedenfalls an und bedient einen Markt, der bereits existiert. Hambuger Patriotismus könnte man dieses Phänomen nennen, wobei es auch das nicht richtig treffen würde. Um einen Eindruck zu bekommen, was es heißt, Hamburger zu sein, muss man wohl einmal einige Jahre dort wohnen. Die Lokalwirtschaft ihrerseits profitiert in jedem Fall davon und bildet so eine Gegentendenz zur Globalisierung. Außerdem bietet es ein Modell für viele junge Leute, die schon lange vom eigenen Geschäft träumen. Wer kreativ ist, kann mit der richtigen Idee schnell Erfolg haben, auch ökologisch nachhaltig, wie die Beispiele zeigen. Und Nähen lernen und andere alten handwerklichen Arbeiten scheinen dadurch auch wieder zukunftsfähig zu sein.
Egal ob Sommer oder Winter. Hamburger lieben ihren Strand! (Quelle: static.zoonar.de)

Tuesday, November 27, 2012

Tee ist mehr als ein Getränk! Es ist Inbegriff einer Kultur, die nicht nur europäisch ist


Die Kuriositäten des Lebens begegnen einem überall. Das hat mein Erlebnis mit der Bratwurst eindeutig gezeigt. Auch wenn das folgende weniger kurios als faszinierend ist, bin ich ihm doch unerwartet begegnet. Es geht um Tee, eine Flüssigkeit, die für viele mehr ist als nur ein Genussmittel oder ein Erfrischungsgetränk. Und begegnet bin ich ihm in einem Artikel über eine Ausstellung in einer englischsprachigen Zeitschrift mit dem Titel China Daily. „The Art of drinking“ war er überschrieben.

Tee – der verbindende Trunk

Es gibt sicherlich viel über dieses Getränk zu wissen. Warum ist Tee das Nationalgetränk der Briten? Oder wieso gobt es im wesentlichen nur zwei Bezeichnungen für Tee (Variationen von Tee, thé, tea etc. und chai, čaj etc.). Und viele mehr. Auf alle gibt es einfallsreiche und an Anekdoten nicht entbehrende Antworten. So zum Beispiel auf die erste Frage: Irgendwann um 1800 wurde das Bier in England für die einfachen Arbeiter, die zunehmend in der Industrie beschäftigt waren zu teuer, so dass sie auf den in Massen importierten schwarzen Tee umstiegen, der ebenfalls eine aufputschende Wirkung besaß. Wahr oder nicht, der Tee erfreute sich starker Beliebtheit, die bald den ganzen Globus umspannte. Je nachdem, von wo er ursprünglich kam, erhielt er die Bezeichnung, die sich an die ursprüngliche der Herkunftsregion anlehnte (chai aus Indien und te aus China). Also ein Paradebeispiel für die gelungene Globalisierung und entgegen der gängigen Meinung des eurozentrischen Weltbildes auch für den Import von Wissen und Kultur nach Europa!

Kultur ist das, was daraus gemacht wird

Dabei finde ich an dieser ganzen Betrachtung und auch an der Ausstellung am spannendsten, dass es eigentlich um Identitäten geht. Die eigene Kultur wird im Wesentlichen durch Riten ausgedrückt, von denen das Tee trinken einer der augenscheinlichsten ist. Und doch haben sich die Traditionen weit auseinander entwickelt. Von dem chinesischen Ritual ist auf dem europäischen Festland wohl nicht mehr viel zu erkennen. Dort wird Tee oft als Alternative zum Kaffee aufgefasst. Dessen Genuss ist dann stark an den des Kaffees gekoppelt. Oder er wird gar als Aufputschmittel verwendet, wenn es sich um eine Teesorte handelt, die besonders viel Teein beinhaltet. So oder so, der Tee hat sich an die Kultur angepasst, die in der jeweiligen Region vorherrscht. Umso aufschlussreicher kann so eine Ausstellung sein, insbesondere wenn sie in London, einem Ort mit eigener Tradition und Begegnungspunkt verschiedener Kulturen zwischen Europa, Asien und Amerika veranstaltet wird.

Tee trinken, aber wie? Das heißt Kultur! (Quelle: europe.chinadaily.com.cn)

Friday, November 23, 2012

Eine Berliner Bratwurst und die Lehre von Okinawa: Eine Anleitung für ein besseres Leben


Vor einiger Zeit war ich in Berlin unterwegs. Wie es dann so ist, überkommt einen irgendwann der Hunger und da habe ich mich zu einem dieser Bratwurstverkäufer begeben, die überall in der Berliner Innenstadt anzutreffen sind. Eine richtige Berliner Bratwurst findet man nicht oft, aber die schmeckte, die ich da grillfrisch bekam. Aufgegessen nutzte ich eine der beiden Servietten, die ich bekommen hatte, um meinen Mund abzuwischen. Die andere steckte ich erst einmal in die Tasche. Später in der S-Bahn holte ich, verwundert, was das in meiner Tasche sein könnte, wieder hervor und erblickte eine Werbung des Economists. Ich hatte eh nichts zu tun und las deshalb die Anzeige durch. Es geht um die Menschen von Okinawa, die im Durchschnitt länger leben als irgendwo anders auf der Welt. Dies wird auf die Ernährung der Einwohner zurückgeführt, die sich im Wesentlichen aus Fisch und Sojabohnen zusammensetzt.
Weiter wird in dem Text darauf eingegangen, wie schwer es trotz der offensichtlichen Vorteile dieser Art der Ernährung sei, sie populär zu machen. Im Gegenteil vertreten viele sogar die Meinung, dass eine Konzentration auf Fisch und Soja zu einer einseitigen Ernährung und damit zu Mangelerscheinungen führen würde. Okinawa also Vorbild oder doch nur ein Kuriosum unserer Zeit? Die Frage ist schwer zu beantworten. Letztlich muss jeder und jede für sich entscheiden, was gut für ihn oder sie ist. Aber die Fakten einer soja- und fischreichen Ernährung bestechen: Der Blutdruck sinkt, die Gefahr für viele Krankheiten, die das Herz betreffen sinken etc.
Was mich jedoch am meisten irritierte, ist der Punkt, dass ich diese Werbung, die mich explizit vom Fleischverzehr abhalten wollte, ausgerechnet als Packungsmaterial für mein Fast Food bekam. Meine Berliner Bratwurst, deren Geschmack ich auch nach der Lektüre dieses kurzen Aufrufs noch im Mund hatte, kam mir natürlich augenblicklich geschmählert vor. Vielen Dank, lieber Bratwurstverkäufer!
Ich für meine Teil habe aus dieser Erfahrung zwei Schlüsse gezogen: 1. Auch beim Essen ist man nicht vor den Folgen der Globalisierung sicher und 2. wäre mir das ganze sicher nicht passiert, wenn ich mich der hausgemachten Gerichte wie Mansaf oder der ukrainischen Küche zugewandt hätte, anstatt mich schnell auf die erstbeste Bratwurst zu stürzen.

Von genau so einen kam die Berliner Bratwurst (Quelle: uinnberlinhostel.com)

Tuesday, November 20, 2012

Eine gute Präsentation. Die Geschichte Südamerikas in 20 Minuten – ein neuer Weltrekord?


Eine gute Präsentation muss gekonnt sein!

Das akademische Leben in Deutschland gefällt mir doch sehr. Universitäten haben ein völlig anderes Selbstverständnis als zum Beispiel in der Ukraine, wo es Eingangskontrollen gibt und niemand, der dort nicht arbeitet oder studiert, eintreten darf. Hier ist das glücklicherweise anders. Und so kann jeder, der Lust und Laune hat, sich in Vorlesungen reinsetzen und einfach mal ein bisschen lernen. Und man kommt manchmal aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Eine gute Präsentation folgt da auf die andere. Und je mehr man hört, desto erfürchtiger wird man auch vor dem, was die Studenten da leisten müssen. Eine Präsentation wird nämlich nicht dadurch gut, dass sie informativ ist. Nein, sie muss darüber hinaus spannend, prägnant und, was ganz wichtig ist, kurz sein. Wer über die festgesetzte Zeit hinaus will, braucht schon triftige Gründe, wie etwa die Technik, die nicht laufen will. Beim Zuhören hat mich das irgendwie an meinen letzten Artikel erinnert. Fast wie beim Frontjournalismus muss es schlag auf schlag gehen. Keine Metapher oder Umschreibungen. Einfach nur Fakten, Meinungen und schnell zum Schluss kommen.

Ein neuer Weltrekord – zumindest meiner Meinung nach

Ad absurdum wurde das ganze beim dem letzten Vortrag geführt, den ich angehört habe. Dort wurde die Eroberung Südamerikas durch die Spanier in 20 Minuten runtergerasselt. Was ist ein Weltrekord, wenn nicht, dass Unmögliche möglich zu machen, denn der Student hat sich wacker geschlagen. Natürlich ist es tatsächlich unmöglich, sich auch nur ein bisschen intensiver mit der Thematik auseinanderzusetzen, wenn einem nur 20 Minuten bleiben, während der auch noch Visualisierungen stattfinden und die Zuhörerschaft sich mitgenommen fühlen soll. Ein Weltrekord? Ja. Aber Vorbild? Eher nicht. Denn in einer Gesellschaft, die so zielorientiert und zeiteffizient sein möchte, gibt es immer Werte, die auf der Strecke bleiben. Wenn man sich nicht die Zeit für eine gute Präsentation nehmen kann und Zusammenhänge zu erklären, so dass sie jeder verstehen kann, befindet man sich schnell auf dem Weg, auf dem Demokratie und Transparenz auf der Strecke bleiben; zumindest besteht die Gefahr.

Tuesday, November 6, 2012

Journalismus von der Front. Ein Wettbewerb für die Kriegsberichterstatter?

Ich muss zugeben, dass ich meinen Augen nicht ganz traute, als ich diesen Artikel auf Zeit.de gelesen habe: „Schreiben von der Front. Warum tötet der Mensch? Und wie berichten wir darüber? Notizen von einem Kriegsreportertreffen in einer französischen Kleinstadt.“ Das Thema hörte sich zunächst interessant an, was mich dazu brachte, den Artikel dann zu lesen. Der Inhalt war dann aber doch sehr überraschend: In einer Kleinstadt in der Normandie findet ein Wettbewerb für Bilder aus Krisengebieten statt. Nicht der alltägliche Journalismus wird hier ausgestellt und nominiert bzw. gekürt, sondern Bilder aus Krisenherden, Kriegsgebieten und den notleidenden Gegenden unserer Erde. Dabei werden die Bilder in Plakatgröße überall in der Stadt aufgehangen, so dass die Einwohner sich nur schwer dagegen zu schützen vermögen. Aber ist das ethisch, was da passiert? Sind Bilder von der Front (besonders, wenn sie öffentlich ausgestellt werden) etwas, was prämiert werden sollte?
Das Problem für uns Deutsche, dass auch in dem Artikel angesprochen wird, besteht in der Tatsache, dass wir Bilder aus Krisenregionen oft gar nicht von unseren eigenen Agenturen beziehen. Stattdessen ist es Gang und Gäbe im deutschen Journalismus, die Fotos günstig von den großen internationalen Sendeanstalten wie CNN, Agenturen vor Ort oder von Privatleuten einzukaufen. Nicht nur, dass dadurch die hohen Aufwendungen für Reisen wegfallen, man erspart den deutschen Reportern außerdem die Gefahren, die mit einem Besuch eines der krisengeschüttelten Ländern der Welt verbunden sind. Das klingt zunächst gemein und erinnert irgendwie an die Devise „Sollen die doch den Job machen!“. Vielleicht ist besonders deswegen der Fotowettbewerb in Bayeux, so heißt die französische Kleinstadt, wichtiger als man zunächst annehmen mag. Es geht darum, den Besuchern vor Augen zu führen, was Kriegsberichterstattung heißt. Dazu passt auch das Ehrenmal, das im Einsatz getöteten Journalisten gewidmet ist. Jeder einzelne wird dort namentlich erwähnt.
Die Bilder geben einen merkwürdigen Eindruck. Es ist ein Balanceakt zwischen Ästhetik, Information, Schockieren und Unterhaltung, was die Bilder zu erreichen hoffen. Jene von der Front, von denen es ja viele gibt, wie das Conflict Barometer eindrucksvoll zeigt, erfreuen sich nicht nur während des Wettbewerbs erhöhter Beliebtheit. Dabei gibt es „saisonale Schwankungen“. Je nach dem, welcher Krieg gerade „in“ ist, fallen Bilder aus anderen Regionen einfach aus dem Rahmen des Interesses der Öffentlichkeit. Und genau hier kommt wieder einmal die Verantwortung ins Spiel, die Fotografen zu tragen haben. Sie haben die Aufgabe, ins Bewusstsein zu rücken, was ihm zu entfliehen versucht. Guter Journalismus ist daher nicht nur die Wiedergabe dessen, was passiert ist, sondern muss sich bewusst sein, dass nur ihm möglich ist, den Leuten die Probleme der Welt vor Augen zu führen und sie zu motivieren, etwas dagegen zu unternehmen. Die Kampanie Kony 2012, über die ich hier auch schon geschrieben habe, bietet dazu vielleicht ein ganz gutes Beispiel.

Journalismus aus Krisengebieten in Bayeux (Quelle: Zeit.de)

Tuesday, October 30, 2012

Zurück in die Zukunft – der Blick ins Heute. Wie 3D Drucker die Welt verändern!


Zurück in die Zukunft: Das Jahr 2015

Science-Fiction-Fans werden sich an diese Trilogie aus den 80er Jahren erinnern. Der junge Martin McFly und sein Freund Doc Brown verschlägt es mal in die Vergangenheit, mal in die Zukunft. Aber Zurück in die Zukunft bietet mehr als nur spannende Unterhaltung. Bei näherem Blick offenbart sich dem aufmerksamen Beobachter eine ganz eigene Welt von Vorstellungen, wie sich die Zeitgenossen der 80er die Zukunft vorgestellt haben. Konkret handelt es sich um das Jahr 2015, das nun langsam näher rückt. Was würde uns dem Film entsprechend dann erwarten?
  • Fliegende Autos und Air-Highway
Im Film ist man der Belastung der Straßen durch ein höheres Verkehrsaufkommen dadurch entgangen, dass man den Verkehr einfach über die Städte gelegt hat. Kein Problem, wenn man fliegende Autos hat.
  • Genaue Wettervorhersage
Gemäß dem Film werden uns im Jahre 2015 kurze heftige Schauer heimsuchen, die jedoch exakt vorhersagbar sein werden. Ein Wetterbericht, der endlich einmal stimmt? Oder Doc Brown hatte einfach schon alles vorher ausspioniert. Dann wird es auch für den Wetterbericht der Zukunft keine Hoffnung geben.
  • Vollautomatische Häuser
Der Traum eines jeden Technikfreaks: Ein Haus, das mitdenkt, einen willkommen heißt und eigentlich alles selbst erledigt, was so im Haushalt anfällt.
  • Astronautenessen
Laut Film werden wir dehydrierte Nahrung kaufen, die dann in einer Art Mikrowelle wieder hydriert wird. Kling sehr nach Astronautenfutter. Aber was für die gut ist, kann für uns Erdlinge doch wohl nicht schlecht sein, oder?
  • Hologramme
Und natürlich das wichtigste: die Hologramme, die die Werbung beherrschen werden.
Zurück in die Zukunft ist also voll von Visionen, wie sie in den Köpfen unserer Eltern herumspukten. Sie werden bestimmt enttäuscht sein, sehen zu müssen, dass all das wirklich nur Vision war und kaum etwas von diesen Dingen den Einzug in den Alltag bisher geschafft hat. Aber immerhin haben wir Smartphones und andere technische Errungenschaften, die man sich kaum vorstellen konnte.

3D Drucker revolutionieren die Welt

Dazu gehören auch 3D Drucker, die unsere schon fast immer globalisierte Welt vielleicht etwas entglobalisieren könnte. Die Idee dahinter ist gut in einem Zeitartikel beschrieben. Die Auswirkungen? Wohl noch ungewiss. Ich möchte jedoch optimistisch sein und stelle daher einige erhoffte positive Effekte vor:
  • Deglobalisierung
Durch 3D Drucker wird wieder zurückgekehrt zu regionalen Wirtschaftsproduktion. Die internationalen Warenverkehrsströme werden dadurch auf das nötigste beschränkt und sparen somit enorm viel Zeit, Geld und schaden der Umwelt weniger.
  • Stärkung lokaler Wirtschaftsräume
Lokale Wirtschaftsräume werden wieder stärker mit einander interagieren, da der Mensch als Ressource wiederentdeckt wird.
Nicht nur durch die Einsprung unnützer Warentransporte wird Energie gespart werden. Es kann gezielter und effizienter unter Einsparung von Überschüssen und ressourceneffizienter produziert werden. Außerdem sollte doch dann auch wieder eine hundertprozentige Recycelbarkeit möglich werden, indem man die Produkte einfach wieder in ihre Bestandteile zerlegt und neu zusammenbaut.
  • Drucken statt Beamen?
3D Drucker sind eigentlich genau wie Beamer: Alles ist überall zu haben, so lange wir ein Gerät und den Bauplan besitzen. Die Frage ist nun, was besser ist: An einem Ort produzieren und dorthin beamen, wo es benötigt wird, oder überall Drucker haben, zu denen die nötigen Rohstoffe gebracht werden müssen, und vor Ort das Produkt drucken. Zukunftsfragen, die für uns nicht wichtig sind? Weit gefehlt. Die Zukunft hat bereits begonnen. Der Artikel der Zeit und etwas Internetrecherche machen das deutlich!

Saturday, October 20, 2012

Die evangelische Kirche organisierte eine Diskussion zum Thema Sudan. Dabei: Hilde Johnson


Die evangelische Kirche als Organisatorin

Vergangenen Montag lud die evangelische Kirche zu einer Diskussion zu folgenden Thema ein: „Fragiler Frieden: Ein Jahr nach der Unabhängigkeit des Südsudan“. Zunächst sollte man sich fragen, warum ausgerechnet sie die Veranstaltung organisierte, worauf die Antwort anfangs nicht ganz leicht zu finden ist, da schließlich alle Gastrednerinnen (es handelte sich neben dem Gastgeber und Diskussionsleiter ausschließlich um Frauen, womit einmal mehr die Frage nach der Gleichstellung von Mann und Frau aufzuwerfen wäre) staatliche Strukturen repräsentierten. Die evangelische Kirche hingegen kann sich schwerlich als solcher verstehen noch im Namen eines oder mehrerer Länder sprechen. Das will sie auch nicht und versteht gerade darin ihre Stärke, da sie sich in politischen Gefechten und offenen Konflikten als apolitisch darstellen kann. Und so kam es auch bei diesem Treffen, dass die Gastgeberin als ehrliche Vermittlerin auftreten konnte, die beherzt vor nichts zurückschreckte und trotz verschiedener Auffassungen den Ton stets beruhigen konnte. Dass sich die evangelische Kirche außerdem sehr stark in Afrika engagiert, mag zeigen, dass sie sich zwar politisch nicht so leicht vor den Wagen spannen lässt, aber doch ein Interesse an einer Befriedung herrschender Konflikte besitzt.

Der Sudan als Hoffnungsträger

Der alte Sudan als bestehend aus dem heutigen Sudan und dem Südsudan, der sich vor etwas über einem Jahr vom Sudan abgespalten hat, verstanden, bezeichnet mehr eine Region als ein oder zwei Länder. Historisch gesehen gehört das Land zu den ältesten Afrikas und kann doch kaum mehr Erfolg im Erzielen moderner Staatlichkeit aufweisen als andere Länder Mittelafrikas. Dennoch, die Gastrednerin Hilde Johnson vermochte es aufzuzeigen, dass sich beide Länder auf einem guten Weg befinden. Der nördliche Sudan, der seit der Unabhängigkeit des Südens von den wichtigen Erdöllieferungen abgeschnitten ist, wird seit einigen Monaten durch Geldleistungen für den Verlust entschädigt, die nach Einschätzung der Rednerin sehr großzügig ausfallen. Am Beispiel der Streitigkeiten um das Öl erklärte Frau Johnson, wie sich beide Länder immer wieder in Situationen bringen, in denen die Nerven blank zu liegen und jeden Augenblick zu reißen scheinen, aber letztlich doch wieder den Weg der Deeskalation einschlagen und somit zwar das Konfliktpotential nicht abbauen, es aber auch nicht zu einem offenen Krieg kommen lassen. Stattdessen werden die bewährten Mittel der Unterstützung von Rebellengruppen im jeweils anderen Land angewandt. Das mag unschön sein, aber die staatlichen Autoritäten nicht komplett untergraben. Außerdem hätten so beiden Länder des ehemaligen Sudans verstanden, dass sie nur miteinander zu einem stabilen Frieden und Wohlstand gelangen könnten. Das ist doch schon mal ein Anfang!

Thursday, October 18, 2012

Portraitfotografie und Verantwortung. Wie sieht unser Bild von Afrika aus?


Eigentlich widerstrebt es mir gerade, nach meinem Blog über die Medienpräsenz von Arm und Reich über dieses Thema zu schreiben, aber ich bin gerade auf zwei interessante Bilder gestoßen, die das arme Afrika in den Mittelpunkt stellen. Als Vertreter der Portraitfotografie hat Albert Watson in Benin Bilder aufgenommen, die die Menschen für uns in einer wohl einzigartigen Weise darstellen. In ihren Blicken denken wir, das Wilde, das Ungebändigte zu erkennen. Oft vor dunklen Hintergründen werden die Aufnahmen für uns nur noch mystischer. Ein anderes Bild dokumentiert ebenfalls das Leben einer Person, aber einer ganz anderen. Das Bild zeigte ein kleines Mädchen, das entkräftet in sich zusammengesunken ist. Hinter ihr lauert ein Geier, der an sich größer ist als das bisschen menschliches Leben. (Die Schilderung dieser Story gibt es hier zu lesen.)
Nachdem ich mir beide Bilder zu Gemüt geführt hatte, stellte sich in mir unweigerlich die Frage nach der Verantwortung. Soziale Verantwortung hat immer wieder in meinen Artikeln eine Rolle gespielt, z.B. als es um Griechenland ging. Aber bei so vermeidlich unpolitischen Bereichen wie der Portraitfotografie vermutet man zunächst nicht, wie viel Verantwortung hinter einem Bild stehen muss. Jedes Bild kann instrumentalisiert werden und so schweren Schaden hervorrufen. Wie schwer es dabei auch die Fotografen haben können zeigt das Beispiel von Kevin Carter, der das Bild mit dem Geier und dem Mädchen aufgenommen hat. Er nahm sich schließlich das Leben.
Was die heutige Portraitfotografie so gefährlich macht, liegt in der Bedeutung der Medien begründet. Ein Bild kann heute schneller um die Welt gehen als der Fotograf, der es geschossen hat fliegen. Dabei bietet es besondere Brisanz, dass bei einer Portraitaufnahme das Umfeld nicht im Mittelpunkt steht. Manchmal kann es wie bei Watson eine Rolle spielen, aber meistens wird es ausgeblendet und lässt so die abgebildete Person ohne Bezug zu seiner Umwelt auf uns wirken. Das mag die Kunst an diesem Genre der Fotografie sein, aber auch das Problem. Mit Verantwortung fotografieren hieße, darüber aufklären, was die Umstände des Bildes sind, den Betrachter nicht im Ungewissen zu lassen. Die Trennung von Erklärung und Bild sollte unterbunden werden, so dass auch Instrumentalisierungen in Zukunft weniger Schaden anrichten können.
Portraitfotografie von Albert Watson (Quelle: Zeit.de)

Das Bild, das um die Welt ging: Vulture stalking a Child (Quelle: iconicphotos.wordpress.com)

Friday, October 12, 2012

Fotografieren um zu überleben – die kurze Geschichte eines Hobbyfotografen


Kürzlich ging es wieder einmal mit Couchsurfing auf Tour. Und es trat wieder ein, was bisher immer geschah, wenn ich mich bei einem wildfremden Menschen zu Hause einquartierte: Wir kamen nicht nur ins Gespräch sondern lernten viel von einander und unseren kulturellen Hintergründen. In diesem Falle fand ich mich bei einem Künstler wieder. Fotografieren ist seine große Leidenschaft, die beim ersten Blick durch seine Wohnung schon deutlich wird. Überall verdeckten Portraits, Landschaftsbilder und Kollagen die Wand. Eine der Kollagen zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich: „Der Schrei“ von Edvard Munch zusammengesetzt aus vielen kleinen Aufnahmen von schreienden Personen. Nicht nur ein besonders schönes Bild. In erster Linie eines, das zum Denken anregt, insbesondere da man einigen Personen ansieht, dass sie nicht wirklich geschrien haben.

Fotografieren, um zu leben

Wer selbst fotografiert, weiß auch, dass es zum Leben normalerweise nicht ausreicht, nur Fotos zu schießen. In der Regel ist es mehr ein Hobby, das von einem regulären Job begleitet wird. Bei meinem Gastgeber ist es irgendwie ein bisschen anders: Das Fotografieren hilft ihm, sich über Wasser zu halten. Er arbeitet hauptsächlich als Privatlehrer, was ihm einen Satz von unter zehn Wochenstunden einbringt und daher nur unzureichend seine Lebenskosten decken kann. Er verbindet quasi seine Leidenschaft mit der Linderung seiner Not. Aber natürlich kostet ihn sein Hobby auch viel, weswegen ich mit einer akribischen Kosten-Nutzen-Rechnung eher vorsichtig wäre. Für ihn ist die Sache aber klar: Ohne Fotografieren kein Überleben.

Überleben – mehr als am Leben bleiben?

Die Frage, was denn eigentlich Überleben meine und worin es sich vom Leben unterscheide, drängte sich beim Gespräch mit diesem Mann auf. Ist es ein Leben, wenn man sein Hobby dazu missbrauchen muss, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Oder lebt der Mann seinen Traum, weil er sich dem widmen kann, was ihm liegt und was ihm Spaß macht? Würde ich das wollen oder doch eher die Trennung zwischen Spaß und Arbeit beibehalten? Gute Fragen, die sich wahrscheinlich so manch einer in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren stellt. Dass Überleben für andere Menschen etwas anderes bedeutet, verliert man da schnell aus den Augen. Und wie schnell es von alltagsphilosophischen Fragen an die pure Existenz gehen kann, sieht man an vielen Familiengeschichten zum Beispiel aus Griechenland. Hoffen wir, dass es uns nicht bald ähnlich gehen wird!

Tuesday, September 18, 2012

Busverbindungen nun auch im Fernverkehr – Reisen mit weniger CO2 Emission

Busverbindungen nach über 80 Jahren freigegeben!

Eine Preisrevolution ist ausgebrochen! Die Busverbindungen, so berichtete die Tagesschau, sollen nun endlich auch im nationalen Fernverkehr ausgebaut werden. Grund dafür ist eine anvisierte Gesetzesänderung, die noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Damit geht eine Ära zu Ende, in der die Bahn und ihr Monopol gesetzlich geschützt wurden. Das Schutzgesetz stammt aus dem Jahr 1931 und hielt dem Zugverkehr bis in die Gegenwart jede unliebsame Konkurrenz durch Busverbindungen effektiv vom Halse, was natürlich den Wettbewerb minderte und letztlich Innovationen zugunsten des Verbrauchers beeinträchtigte. Aber solche Zeiten sind jetzt vorbei!
Oder doch noch nicht ganz? Überraschenderweise weigert sich die SPD gegen eine komplette Freigabe aller Strecken, da sie befürchtet, dass die Bahn Investitionen im Regionalverkehr abbauen könnte und letztlich das Streckennetz der DB Regio schnell auf die rentablen Strecken zusammenschrumpfen würde. Preisgünstigere Busverbindungen könnten die Rentabilität vorhandener Strecken durch „Dumping-Preise“ zusätzlich drücken.

CO2 Emission sei Dank gibt es den Bus

Dabei hat es gleich mehrere Vorteile, wenn der Busverkehr ausgebaut wird. Zunächst wird Reisen günstiger. Neue Arbeitsplätze werden durch die Gründung neuer Fernverkehrsunternehmen geschaffen. Die CO2 Emission sinkt, da Busse weniger Treibhausgase produzieren als Bahnen, wenn man die Bilanz pro Passagier berechnet. Und Reisen wird komfortabler, da neue Direktverbindungen angeboten werden können. Nur immer nur von Großstadt A nach Großstadt B sondern auch gerne mal von Ort X nach Kleinstadt Q über Großstadt A oder B.
Mit der Reduzierung der CO2 Emission hat man letztlich aber auch noch jeden überzeugen können und so muss auch hier eine beiläufige Tatsache als Begründung herhalten. Dabei kann wohl kaum einem Busunternehmen unterstellt werden, dass sie es betreiben, weil es umweltfreundlicher ist. Es entspricht einfach der Verbraucherfreundlichkeit, da die Züge nicht alle Orte anfahren, Busse dies aber eben doch tun können, zumindest solange eine Straße zu diesem Ort hinführt, die auch befahrbar ist. Außerdem spielen Preisüberlegungen eine wichtige Rolle, wie auch in der Debatte über kostenlosen Nahverkehr hervorsticht.

Der Fernbus in andere Länder als Vorbild

Wie einfach es ist, mit dem Fernbus ins Ausland zu fahren, habe ich zum Beispiel bei meiner Reise in die Ukraine berichtet. Und auch innerhalb der ehemaligen Ostblock-Länder ist es oft leichter mit dem Bus als mit der Bahn zu reisen. Die Busse fahren öfter, regelmäßiger, decken die Länder besser ab und haben bessere Anschlüsse. Mir kam das anfangs sehr suspekt vor und wurde oft verlacht, wenn ich vorschlug mit der Bahn zu fahren. „Das sei viel zu teuer“, hieß es da oft. Um so besser, zu wissen, dass Deutschland nun endlich seinen östlichen Vorbildern folgt und einen günstigen Fernverkehr anbietet. Endlich mal ein Gesetz, wovon wieder alle etwas haben.
Übrigens handelt es sich bei diesem Vorhaben um das Umsetzen einer EU-Richtlinie! Wer weiß also, wann es den ersten Fernbus gegeben hätte, wenn sich die EU nicht immer so rigoros um die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger bemühen würde. Danke, liebe EU!

Wednesday, September 12, 2012

Demokratie und Transparenz – wo sind die Ideale von Mitbestimmung und Volksherrschaft?

Ich habe es ja schon oft zum Thema gemacht, aber gerade in der heutigen Zeit sollte meiner Meinung nach viel mehr und viel öfter über Politik geredet werden (, ohne jedoch alles gleich zu politisieren!). Daher soll es einmal mehr an die Grundfeste des deutschen und des europäischen Selbstverständnisses gehen.
Demokratie heißt das Stichwort, das auf etlichen Fahnen von fast allen europäischen Parteien bei jeder möglichen Gelegenheit hochgehalten wird. Europa ist ja schließlich die Heimat der Urdemokratie, die nicht nur im antiken Griechenland sondern angeblich ja auch bei den Barbaren im Norden mit ihren Dorfversammlungen gelebt worden sein soll. Klar, dass in so einer Kleinstversammlung von maximal einigen hundert Leuten (in der Polis mögen es etwas mehr gewesen sein) die demokratischen Ideale leicht verwirklicht werden konnten, auch wenn Phänomene wie Bestechung, Einschüchterung, Manipulation etc. auch schon grassierten, als die Volksherrschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Transparenz hingegen ging deutlicher gar nicht darzustellen. Ein Mann, ein Wort und jeder konnte sehen, wie wer abstimmte.
Viel hat sich getan seitdem. Nicht nur, dass sich die Demokratie seither vielen neuen Herausforderungen stellen musste, die sie bisher ganz gut bewerkstelligt hat, jetzt befindet sie sich auch noch in einer Krise, die gleichzeitig globale Ausmaße annimmt. Im gleichen Moment geben viele Staaten Elemente ihrer Staatlichkeit an Organisationen oder private Firmen ab und geben somit zum Beispiel ihr hart erkämpftes Gewaltmonopol einfach auf. Dass die Transparenz dabei auf der Strecke bleibt, ist schon fast einleuchtend, wenn auch traurig.
Soziales Engagement kann helfen, auf diese Defizite aufmerksam zu machen. Der vorangegangene Blogeintrag hat dies auf, ich finde, eindrucksvolle Weise mit der Initiative zur Entschuldung Griechenlands aufgezeigt. Die ebenfalls erwähnten JEF dienen allen ebenfalls als Vorbild. Doch man muss sich nicht immer gleich zusammenfinden, Organisationen und Vereine gründen, um eine politische Stimme zu bekommen. Es fängt damit an, Fragen zu stellen. Fragen, die wichtig sind, wie etwa diese hier: Wer ist mein Europaabgeordneter? Wer weiß denn das eigentlich von seinem Wahlnezirk? Wohl leider die wenigsten, wenn man aktuellen Statistiken zur Politikverdrossenheit Glauben schenkt. Und selbst eine extra eingerichtete Internetseite, die das Auffinden des gesuchten Abgeordneten erleichtern soll, führt in irgendwelche Wohnungsanzeigen (www.mein-mdep.de). Da muss doch mal kritisiert werden!
Unsere Bundespräsidenten können wir schnell abservieren, wenn uns die Medien dazu verleiten. Aber mal konstruktiv einen Beitrag leisten erfordert schon etwas mehr als nur notorisches Nörgeln, worin die Deutschen ja besonders gut sein sollen. Doch wenn es schon Kritik sein muss, dann doch gerne in Satire-Form. Daher mein Tipp zur Rettung der Demokratie: Schwindelfrei in große Höhen hinaus, denn auch wenn's traurig wird und keiner weiß, wie's weitergehen soll, so geht die Welt doch wenigstens lustig zugrunde...

Tuesday, September 11, 2012

Armut und Reichtum. Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Arme oder Reiche?

Es ist schon bezeichnend, dass zum Thema Armut monatlich bei Google ca. 368.000 Anfragen aber zum Thema Reichtum weniger als ein Zehntel davon (ca. 33.100) gestellt werden. Was sagt uns das über die Gesellschaft, in der wir leben?

Armut im Fokus der Öffentlichkeit

Die Sorge um Armut ist in aller Munde. Jeder und jede hat Angst vor dem sozialen Abstieg, Minister/innen und Regierungsmitglieder sorgen sich um Altersarmut der breiten Masse etc. Es gibt viel zu diesem Thema zu sagen und tatsächlich ist es ein Problem, das, je immanenter es wird, desto mehr auch die breite Masse beschäftigt. Es wird auch oft nach den Definitionen von Armut gefragt, die ja nicht eindeutig feststeht, sondern immer wieder in der Gesellschaft neu verhandelt wird. Laut UN sind die Menschen arm, die weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben haben. Wenn man den Regelsatz Hartz IV dagegen ansieht, können sich dessen Bezieher wohl kaum als arm betrachten. In Deutschland gilt aber auch eher der Grundsatz, das diejenigen, die weniger als 70% des Durchschnittseinkommens erzielen, zur Kategorie „Arme“ gehören. Kein Wunder, denn wir leben ja schließlich in einem Sozialstaat, wo es eher darum geht, sich zur Mitte hin zu orientieren und die extrem Armen wie Reichen auch dorthin zu lenken.

Reichtum – das Gegenteil von arm sein?

Interessant ist, dass Armut sich dabei nicht an seinem Gegenteil orientiert. Reichtum wird nicht als das obere Ende einer Skala verstanden sondern eher als Entartung ganz eigener Art. So fragt zum Beispiel kaum jemand nach der Definition von Reichtum. Man sieht es den Leuten automatisch an, wenn sie reich sind. Da braucht man keine objektiven Kriterien, die einem Helfen die Grenzen zum Nicht-Reichtum abzustecken.
Es hat natürlich auch ganz praktische Gründe, dass diese Grenze im Gegensatz zur Armut nicht existiert. Geht es, wenn man arm ist, doch um jeden Cent und um wichtige Einkommensgrenzen, die einen befähigen, staatliche Unterstützung zu bekommen oder eben nicht. Beim Reichtum geht es höchstens um die Höhe der zu entrichtenden Steuern, deren Prozentsatz sich je nach der Höhe des Einkommens ändern. Aber das sind dann im Verständnis der Armen sowie so nur Peanuts. Erbsenzählerei für die, die sich ohnehin nicht zu sorgen brauchen.

Reich werden wollen trotzdem viele

Reich werden wird im Vergleich zu den beiden anderen Begriffen häufig öfter gegooglet. Wenn man das mal übersetzt, heißt das in etwa, das zwar keiner so richtig weiß, was Reichtum ist, aber viele in trotzdem anstreben.

Was ich übrigens am interessantesten fand, ist die Tatsache, dass auch nach Monaten der Debatte über Umverteilungen, Schuldzuweisungen wegen der Bankenkrise, Schuldenkrise der EU etc. die Reichen, so sieht es zumindest aus, weniger Grund zu öffentlichen Debatten gegeben haben als die Angst vor der Armut.

Friday, August 31, 2012

Griechenlands Schulden und die Frage nach der Umverteilung – soziale Verantwortung?

Griechenlands Schulden – der Schuldenschnitt durch private Spenden?

Griechenlands Schulden kann entweder mit dem Drucken neuen Geldes oder einer Umverteilung beigekommen werden. Was wäre für die Deutschen wünschenswerter? Steht diese Frage überhaupt zur Debatte? Besser: Was wäre für die Griechen auf lange Sicht lngfristig erträglicher? Auch diese Frage trifft den Kern nicht besser, sind doch aktuelle Handlungen augenscheinlich eher kurzsichtig orientiert.
Daher gibt es jetzt eine Initiative, die Griechenland durch private Spenden entschulden soll. Greece Debt Free nennt sich die Seite eines Griechen, der in London lebt, arbeitet und jede Menge Geld gescheffelt hat. Die Situation seines Landes beschämt und verstört ihn, weshalb er diese Initiative gegründet hat und hofft, dass andere reiche Griechen, die ihre Geld sonst vor dem Fiskus zu schützen verstanden, nun einlenken und auch ihren Beitrag zur Entschuldung des Mittelmeerlandes leisten. Griechenlands Schulden werden dabei um das Siebenfach des Spendenbetrages reduziert. Wie genau das funktioniert, das müssen Finanzmarktexperten erklären. Was mir jedoch wichtig scheint, ist die Tatsache, das einmal mehr die Politik versagt und die Bürger daher lieber selber Hand anlegen, um alles wieder ins Lot zu bringen.

Umverteilung – der Schlüssel zur Glückseligkeit?

Es klingt immer so einfach, wenn man Linkspartei und anderen mal zuhört. Einfach den Reichen ein bisschen von ihrem Geld wegnehmen und alle Probleme sind dann gelöst. So einfach! Und wahrscheinlich zu schön, um wahr zu sein... Denn Umverteilung kann zwar viel leisten, aber eben nicht alles.
Es sei einmal ganz dahingestellt, um wie viel Prozent sich das Steueraufkommen erhöhen würde, wenn die oberen Zehntausend stärker zur Kasse gebeten würden. Und nehmen wir einmal naiv an, dass sie diese neuen Steuern auch brav entrichten und nicht ins Ausland retten würden. Was könnte eine Umverteilung dann wirklich leisten und was läge trotzdem fern jeder Lösung?
Sicher könnte sie soziale Schere effektiv am weiteren Auseinanderdriften gehindert werden, wenn auch der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten auf absehbare Zukunft wohl nicht mehr zu verringern ist. Und weiter? Würde nicht den Armen etwas gegeben werden, worauf sie gar keinen Anspruch haben? Auf welcher Grundlage ließe sich eine steuerliche Ungleichbehandlung eigentlich rechtfertigen? Wird nicht das normalerweise unantastbare Privateigentum der Reichen zugegriffen?
Wenn die einzigen Rechtfertigungsgrundlagen in der angenommene Solidarität unter den Bürgern eines Landes oder der Annahme, dass die Reichen nur auf Kosten der Armen reich geworden sind, zu finden sind, wird es schwer so etwas politisch und gesellschaftlich durchzusetzen. Politikverdrossenheit ist die Konsequenz, die ihren Ausdruck dann darin findet, dass NGOs und andere nicht an die Politik gebundene Initiativen entstehen, die dem Bürger und der Bürgerin helfen, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Occupy Wallstreet, die JEF aber auch Freiwilligendienste lassen sich genau in dieser Reihe einordnen und es werden wohl noch viele andere folgen.

Soziale Schere (Quelle: f1online.de)

Sunday, August 26, 2012

Pornografie – wann wird Aktfotografie vulgär? Warum gibt es mehr nackte Frauen als Männer?

Pornografie, ein heikles Thema auch in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft. Ich finde es manchmal wirklich merkwürdig. Als Jugendlicher habe ich mich noch aufgeklärt gefühlt, aber seitdem ich aus der Schule raus bin, ist das Thema Sex und Geschlecht irgendwie verschwunden, gerade so, als wäre der Wissensdurst und das Verlangen nach Beschäftigung mit dem Thema abrupt hätten verdrängt werden müssen. Deshalb wird es jetzt mal zum Thema gemacht! Zwar mit künstlerischem Anspruch, aber trotzdem kann es dabei auch mal vulgär zugehen.

Pornografie oder Kunst?

Das ist leider viel zu oft die Frage. Nur weil sich an einem Bild, das nackte Menschen auch meinetwegen in verfänglichen Positionen zeigt, irgendwelche Kunstbanausen aufgeilen, heißt es noch lange nicht, dass es keinen künstlerischen Wert besitzt. Im Gegenteil. Insbesondere wenn dem Künstler nur der Körper zur Verfügung steht, muss gekonnt mit den Instrumenten umgegangen werden, damit die Aussage des Schaffenden eingefangen werden kann. Oder die Kunstwerke werden einfach nur geschaffen, um von Betrachtern begafft zu werden. Aber selbst dann ist es ja noch Kunst, solange es Leute gibt, die sich daran ergötzen und ihre Freude in dem Werk finden können. Pornografie kann vielfältige formen annehmen und genauso wie ein Hollywoodfilm manchmal als künstlerisch wertvoll eingestuft wird, kann es auch Pornos geben, die ästhetisch gestaltet sind.

Aktfotografie zeigt mehr Frau als Mann

Interessant wird es aber, wenn man explizit auf die als Kunst wertgeschätzten Werke schaut oder sich einfach nur mal in Werbungen und dem alltäglichen Leben umschaut. Es überrascht da schon, dass die Frau wesentlich öfter zu sehen ist als der Mann. In der Aktfotografie war das ebenfalls der Fall. Eine Ausstellung von Larry Clark hat Besarin, auf den hier bereits mehrmals hingewiesen wurde, auf seinem Blog (bersarin.wordpress.com) angeregt darüber zu debattieren. Es gibt viel, was darüber gesagt wurde, und noch gesagt werden kann. Die Zeit hat sich online ebenfalls darüber ausgelassen.
Dass Aktfotografie auch politisch benutzt werden kann, abermals von Frauen, hat während des Arabischen Frühlings die junge Ägypterin Alia Magda al-Mahdi eindrucksvoll bewiesen. Nacktheit als Waffe? Die Männer benutzten da eher ihre Fäuste, um ihrer Frustration und ihrem Ärger Luft zu machen. Was ist nun besser?

Sexuelle Konkurrenz in der Ellenbogengesellschaft

Sexuelle Konkurrenz bleibt auf jeden Fall so lange, wie Männer und Frauen unterschiedliche Positionen in der Gesellschaft einnehmen, genauso ein Thema wie Feminismus. So ist unser Gemeinwesen eben aufgebaut und daran hat bisher auch kaum jemand gerüttelt, in dem Sinne, dass sich jemand zur Abschaffung von Konkurrenz eingesetzt hätte. Der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus hat dies als globaler Showdown ein für alle Male vor Augen geführt. Und so kann auch die Pornografie nur als Spiegel unserer Gesellschaft gesehen werden, indem uns das vor Augen geführt wird, was wir alltäglich ohnehin um uns herum finden können, aber oft nicht bewusst wahrnehmen.

"Jonathan Velasquez & Tiffany Limos" von Larry Clark, 2003 (Quelle: spiegel.de)

Foto-Collage "Knoxville" aus dem Jahr 2011 von Larry Clark (Quelle: spiegel.de)