Wenn man über ethischeBilder
spricht, können die Begriffe Verantwortung und
Schuld nur übergangen
werden, wenn eine tiefe Auseinandersetzung nicht beabsichtigt ist.
Insbesondere wenn es um den „dunklen Kontinent“ geht, sehen
unsere Bilder ziemlich einseitig aus. Wild muss es sein, wenn wir die
Tier-, Pflanzen- aber auch Menschenwelt im Sinn haben. Eingeborene,
die nur geringe Stellen ihres Körpers notdürftig bedecken, dürfen
nicht auf den Fotos eines Afrikareisenden fehlen. Oder es herrschen
zerrüttete bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, die akribisch
dokumentiert sein wollen. Egal, was am Ende auf den Fotografien zu
sehen ist, es zeigt immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit.
Verantwortung dafür
zu übernehmen, dass wir eventuell mit einem bestimmten Bild gewisse
Vorurteile schüren, sollte daher im Bewusstsein eines jeden und
einer jeden verankert sein. Das trifft umso mehr zu, als Touristen in
fremden Kulturen in der Regel nur das fotografieren, was in ihr Bild
der anderen Kultur passt. Hochhäuser in Luanda sind weniger
interessant als die Eingeborenen, die vielleicht nur durch
Schauspieler in einem eigens für Touristen angefertigten Park
posieren. Zugespitzt gesagt: Ethisch ist, was ins Bild passt.
Verantwortung übernehmen?
Wofür genau? Dass das Individuum ihm von den Medien eingetrichterte
Stereotypen reproduziert und letztlich multipliziert? Das würde das
Empfinden von Schuld voraussetzen!
Aber wofür sollte diese Schuld empfunden werden? Dafür, dass ein
Bild übernommen wird, dass augenscheinlich falsch ist. Das kann nur
auf eine aktive und intensive Selbstreflexion und Dekonstruierung der
eigenen Identität aufbauen. Welcher Safaritourist möchte sich
unter der erschöpfenden Sonne Afrikas aber mit der eigenen Identität
auseinandersetzen, wenn das zu schießende (hoffentlich nur mit der
Kamera) Wild direkt vor einem faulenzt? Es wäre auch zu schön.
Stattdessen kursieren weiter Bilder, wie sie unter dem Eintrag für
Porträtfotografie
zu finden sind. Ganz egal ob nun in der angolischen Hauptstadt die
höchsten Grundstückpreise der Welt zu finden sind und ob Südsudan
2013 eine der höchsten Wachstumsraten weltweit aufweisen wird.
Interessant ist nur, was ins Bild passt.
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Sunday, January 13, 2013
Saturday, January 12, 2013
Ethik und Schönheit als Maßstab in der Fotografie. Was der Mensch für Verlangen hat
Ethik in der Fotografie?
Wie schon mehrfach deutlich wurde,
begibt sich ein Fotograf oft auf eine Gratwanderung, wenn er oder sie
Fotos von „heiklen Objekten“ aufnimmt. Insbesondere bei Bildern
aus Krisenregionen, die menschliches Leid darstellen, kommt schnell
die Frage auf, inwieweit die Bilder ethisch vertretbar sind. Auch
wenn Ethik nicht das
Kriterium ist, das bei der Aufnahme des Bildes im Vordergrund steht,
so schwingt es (oder sollte es zumindest) doch ständig beim
Fotografen mit. In aller Regel sind sie sich bewusst, dass etwa
Frontjournalismus
schwierige Fotos beinhaltet und auch weiterhin produzieren wird.
Ethik und Krieg
schließen sich zwar auf dem ersten Blick gegenseitig aus, aber
obszön oder ekelig muss es auch nicht gleich sein. Ethisch
vertretbar wird die Kombination aus beidem aber in erster Linie durch
den Zweck. Nicht dass der die Mittel heiligt, aber wenn er darin
besteht, aufzuklären, ist die Bereitstellung auch der grausamsten
Bilder zwar immer noch erschreckend und abstoßend, aber doch
wichtig. Solchen Fotografien kann dokumentarischer Wert beigemessen
werden und uns somit die Schrecken und Gräuel von Krieg, Vertreibung
und Naturkatastrophen vor Augen führen bzw. sie für die Nachwelt
festhalten. Eine Ethik der Aufklärung
verpflichtet also fast auch zu den abschreckendsten Bildern.
Schönheit als Maßstab?
Auf dem Markt muss nicht unbedingt der
Schock das sein, was Betrachter anzieht. Schönheit
kann genauso zum Publikumsmagneten werden. Menschen umgeben sich
gerne mit ihr. Ob dadurch nun tiefste Bedürfnisse befriedigt werden
und um was es sich im konkreten Fall handelt, wenn man meint, etwas
sei schön, kann kaum eindeutig geklärt werden. Aber neben dem
Effekt, einfach nur Aufmerksamkeit zu bekommen, was durchaus mit
Hässlichkeit zu erreichen ist (siehe das Beispiel der Ugly
Models),
geht es darum, den Menschen zu einer angenehmen Gefühlsassoziation
zu bewegen. Das Verlangen nach Schönheit
wird daher viel öfter in Werbespots bedient als andere Bedürfnisse.
Auch in zunächst profan erscheinenden Sequenzen wie etwa Autoreklame
oder Hygieneartikel treffen wir fast ausnahmsweise auf schöne
Menschen, die im Alltag eine Rarität sind, in schönen und sauberen
Umgebungen oder Landschaften.
Ästhetisch wünscht sich der
Mensch seine Umgebung
Egal, ob nun ethisch vertretbar oder
nicht, einwandfrei schön oder nicht. Ästhetisch muss
ein Bild, eine Skulptur, ein Film etc. sein, damit es, sie oder er
uns anspricht. Entscheidend sind hier Proportionen, die natürlich je
nach Geschmack abweichen, um als ansprechend empfunden zu werden. Wer
jedoch mehr als nur oberflächlicher
Betrachter
oder Konsument vorgefertigter Waren sein bzw. selbst produzieren
möchte, der sollte sich in diesen Aspekt hineinfühlen. Erst durch
die Ästhetisierung bekommen Werke doch ihren Reiz und können uns
Menschen ansprechen.
Thursday, December 20, 2012
Armut ist kein Hindernis für die Gleichberechtigung von Mann und Frau!
Die Frauenquote, in die sich die
Deutschen so verbohrt haben, kommt. Das
Beispiel Argentiniens, das zwar eher ironisch
gemeint war, bekommt nun ein weiteres aus der Region an die Seite
gestellt, dass dieses Mal ernster zu nehmen ist. Es geht um
Nicaragua. Trotz Armut (im
Vergleich zu den westeuropäischen und nordischen Ländern) hat es
das Land geschafft, im Global Gender Gap Report 2012 vor Deutschland
zu landen. Die Gleichberechtigung und
Gleichbehandlung von Mann und Frau hängt also nicht unbedingt von
den herrschenden ökonomischen Verhältnissen ab.
Armut – der große
Gleichmacher?
Das Video hat gezeigt: Wer auf Frauen
als Humankapital verzichtet, vergibt damit 50% seiner verfügbaren
Ressourcen. Das leuchtet ein. Paradox erscheint da, dass die ärmeren
Länder dennoch eher zur Ungleichbehandlung neigen als reiche. Dabei
sollte doch die Armut den
Anreiz schaffen, auch Frauen die Möglichkeit zu geben, Geld zu
verdienen, damit so den einzelnen Familien mehr Geld zur Verfügung
steht. Dieser Gedanke scheint aber nur in wenigen Ländern, die es
wirklich nötig haben, aufgekommen zu sein. Eines davon ist eben
Nicaragua, dass in dem Report hinter den Philippinen auf Platz neun
gelandet ist (Deutschland liegt auf Platz 13!). Damit ist es das
einzige amerikanische Land, das es unter die Top Ten geschafft hat.
Selbst die USA oder Kanada konnte diese Positionen nicht ergattern.
Die Frage wäre nun: Hat es das Land trotz der Armut
oder eben genau wegen ihr geschafft, eine Politik der
Gleichbehandlung durchzusetzen? Oder ist es einfach eine spezifische
Mentalität der Einwohner des Landes?
Gleichberechtigung ist nicht
gleich Gleichberechtigung
Freilich muss man bei vielen Ländern
schon einmal genauer hinschauen. Gleichberechtigung
heißt ja im Prinzip, dass Mann und Frau die gleichen Rechte
einfordern können. Dass dies zum Beispiel in Deutschland durchaus
der Fall ist und auch für andere westliche Länder wie Frankreich
oder Großbritannien nicht angezweifelt werden braucht, bestreitet
wohl kaum jemand. Aber wenn es um die Umsetzung dieses
Gleichheitspostulats geht, sehen die Realitäten durchaus
differenzierter aus. Daher bezieht der Global Gender Gap Report auch
noch weitere Indikatoren mit ein, die ein möglichst komplettes Bild
der Situation der Frauen im Vergleich zu den Männern in den
jeweiligen Ländern aufzuzeigen helfen sollen. So fängt
Gleichberechtigung
nicht bei gleichen Gehältern für gleiche Arbeit an und hört nicht
bei Frauenquoten auf. Es gibt viele Facetten, die bereits mit der
frühkindlichen Bildung beginnen.
Das World Economic Forum als
globale Aufsichtsbehörde?
Der
Report wurde auch in diesem Jahr vom World
Economic Forum
herausgebracht, das sich so bereits zum sechsten Mal mit einer
fundierten Datenbasis für die Förderung der Frauenrechte einsetzt.
Nachlesen kann man den gesamten Report auf Deutsch hier.
Die Homepage
des Forums
bietet darüber hinaus aber auch noch weitere wissenswerte Infos. Ein
Blick darauf lohnt sich!
Wednesday, December 19, 2012
Die Lüneburger Heide – für Erdöl und Salz wurde seit Jahrhunderten Raubbau betrieben
Die Lüneburger Heide – ein
Case Study
Eines der bekanntesten deutschen
Ausflugsziele findet man dort. Es besticht durch seine Natürlichkeit,
nicht zu sagen: Naturbelassenheit, und einzigartige Schönheit. Es
ist schon ein wunderschönes Schauspiel, das sich Mutter Natur da
einfallen lassen hat. Mutter Natur? Wenn man von der Lüneburger
Heide spricht, spielen bestimmt
viele Faktoren eine wichtige Rolle, die zur Entstehung dieser
einmaligen Landschaft geführt haben, aber das meiste davon ist
menschengemacht. Einst wichtige Salzlagerstätte fielen die meisten
der vorhandenen Bäume der brennstoffintensiven „Industrie“ zum
Opfer. Das Salz ging über Lübeck überwiegend in den Ostseehandel.
Die waldreiche Lüneburger Heide
wurde so erst zur Heide! Und als sie das dann war und der Salzhandel
eh nicht mehr ertragreich war, ging man zur Schafshaltung über.
Falls also die Landschaft jetzt eine Pause von der Abholzung erwarten
hätte können, so wurde dem durch die intensive Weidewirtschaft nun
ein Strich durch die Rechnung gemacht. Die Vegetation büßte weiter
an Vielfältigkeit ein. Es entstand über Jahrzehnte und Jahrhunderte
dann was wir heute als die typische Lüneburger Heide
kennen.
Erdöl – das schwarze Gold der
Jahrhundertwende
Als wenn das aber nicht genug gewesen
wäre, trat um 1900 eine weitere wirtschaftliche Nutzung der Heide in
den Fokus der Unternehmer. Es wurde Erdöl
gefunden und schließlich auch gefördert. Das Bild der Heide änderte
sich. Das Deutsche
Erdölmuseum
erzählt die Geschichte des schwarzes Goldes, die wie die Geschichte
der Förderung so vieler anderer Rohstoffe stark mit politischen
Entwicklungen und der Technikgeschichte verquickt sind. Etwa 80% des
Erdöls, das das
Deutsche Reich vor dem Ersten Weltkrieg jährlich benötigte,
stammten so aus der Lüneburger Heide. Der Vorteil dort sei es
gewesen, dass der Rohstoff oberflächennahe aufzufinden sei und die
Förderung nicht wie an anderen Lagerstätten aufwendig und teuer
sei. Die 1920er waren dann der Höhepunkt der Förderung, die sich
danach langsam abschwächte und schließlich versickerte. Heute
werden die Altlagerstätten mit neuen Technologien wiederentdeckt. Es
wird geforscht und ausgelotet, ob sich die Wiederaufnahme der
Förderung lohnt. Das Erdölzeitalter
ist eben noch nicht vorbei!
Raubbau als wirtschaftlicher
Habitus
Immer wieder geht es hier um Ökologie.
Warum eigentlich? Ein Blick auf die Ergebnisse des kürzlichen
beendeten Klimagipfels in Doha illustriert gut, warum man eigentlich
nicht genug über Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit sprechen
kann. Energiewende
hin oder her. Wir Deutschen waren in der Vergangenheit nicht gerade
ein Musterbeispiel ökologischen Handelns, was das oben gezeigte
Beispiel beweist. Ohne Raubbau
schien es auch bei uns nicht zu gehen. Das dieser lange und massiv
schon vor dem 19. Jahrundert begann, ist da umso bezeichnender. Aber
anstatt großzügig über diese Episoden hinweg zu sehen und es mit
dem Verweis auf das damals noch nicht ausgebildete Umweltbewusstsein
zu entschuldigen, bringt wenig. Stattdessen wäre vielleicht eine
intensive Aufarbeitung und eine Beschäftigung in der Öffentlichkeit
sinnvoller, um auch den heute aufstrebenden Nationen der Welt zu
zeigen, dass Raubbau
keine Option ist.
| Außengelände des Deutschen Erdölmuseums in Wietze (Quelle: erdoelmuseum.de) |
Tuesday, December 11, 2012
Was ist Kunst? Was ist sie wert, wenn sie nur noch besucht aber nicht betrachtet wird?
| Kunst als Massenware - was ist sie dann noch wert? (Quelle: atelier-cornelia.de) |
Kunst – was ist das
eigentlich. Heutzutage ist das schwieriger zu beantworten als jemals
zuvor. Einige Mutige wollen es dennoch manchmal genauer wissen und
begeben sich daher in einschlägige Ausstellungen. Die dOCUMENTA
dieses Jahr war sein ein. Im Nachklang hat Jörg Heiser am 12.
September diesen Jahres für die Süddeutsche Zeitung einen durchaus
kritischen Artikel über die Ausstellungskultur unserer Zeit
geschrieben (zu finden auf Seite 13). Schon die Überschrift „Nur
Besucher, nicht Betrachter“ gibt einen Eindruck davon, in welche
Richtung das ganze geht. In erste Linie wären für erfolgreiche
Ausstellungen die Besucherzahlen und das Medienspektakel drumherum
entscheidend. Die Frage, die sich mir da stellt: Was ist dann heute
der Wert, den Kunst allgemein oder auch spezielle
Ausstellungen besitzen bzw. ihr von den Betrachtern entgegen gebracht
wird?
Die Frage ist knifflig und doch wieder
nicht. Der Unterhaltungswert ist das, was für die Betrachter
entscheidend ist. Sobald sie etwas langweilt, wenden sie sich vom
Kunstwerk ab und haschen nach der nächsten Sensation. Dabei handelt
es sich ganz logisch um die Auswirkungen eines unendlichen Angebots
an Unterhaltung in TV und im Internet. Fast vergeblich sucht man
daher nach Neugierigen, die innig und gedankenversunken ein Bild
betrachten können, sich in die Lage des Porträtieren zum Beispiel
hinein zu denken versuchen und Emotionen zum Ausdruck bringen sich
nicht schämen. Das würde jedoch voraussetzen, dass die Besucher von
Museen, Galerien etc. mit einer anderen Einstellung in die
Ausstellungsräume gehen. Es sollte dann nicht mehr darum gehen, alle
Ausstellungsstücke zu sehen. Vielmehr müsste der Ansporn des
Besuchers selber sein, lieber ein Bild von all seinen Facetten her
betrachtet und verstanden zu haben als von alles Bildern jeweils
nicht mehr als einen Flüchtigen Moment mit zu nehmen. Aber Kunst
ist heute Massenware. Eine
an Konsum gewöhnte Gesellschaft kann diese Einstellung aber
kaum flächendeckend aufbringen, so dass am Ende auch noch die Kunst
als Massenvergnügen gepriesen wird. Es zählen dann nicht mehr
Qualität sondern Quantität. Der Wert eines Kunstwerkes wird
dann in erster Linie durch die Anzahl der Besucher (nicht:
Betrachter) ermittelt.
Eine Alternative kann unter anderem mit
Hilfe des Internets geschaffen werden. Beim Blog
Award konnten sich so die Abstimmenden so viel
Zeit lassen, wie sie wollten, um den zu wählenden Blog zu ermitteln.
Sie konnten Pausen machen, wenn sie ein oder zwei Blogs gesehen
hatten und erschöpft waren, mussten sich nicht an Öffnungszeiten
halten und ihnen stand niemand im Wege, der/ die sogar in einem
Gespräch die Meinung der betrachtenden Person hätte „korrigieren“
können. Ein Vorbild also?
Labels:
Ausstellungen,
Fotografie,
Gesellschaft,
Video
Monday, December 10, 2012
Die Energiewende kommt? Nach Niko Paech nur, wenn wir unseren Konsum reduzieren
Energiewende – das geflügelte
Wort
Es klingt schon fast etwas wie
höhnisch, wenn man hier vom geflügelten Wort spricht. Schließlich
soll die Energiewende ja unter anderem genau damit, eben mit
Flügeln, gelingen. Und sowieso ist der Slogan so griffig, dass er
schnell von etlichen Politikern und Befürwortern aufgegriffen wurde,
um so die Massen mobilisieren zu können. Dabei fällt nur selten
auf, dass eigentlich jeder etwas anderes darunter versteht. Für
viele besteht die Energiewende daraus, bis zu einem bestimmten
Zeitpunkt den größten Anteil des in Deutschland benötigten Stroms
durch regenerative Resourcen zu gewinnen. Auf diese allgemeine Formel
können sich die meisten noch einigen. Aber jetzt kommt der kritische
Punkt, wo die Insider sagen, dass die Wende, wie sie von den
Politikern gedacht ist, nicht einmal im Ansatz eine wirkliche
Energiewende darstellt. Denn Energie ist erstes nicht nur
Elektrizität. Es gehören auch nicht nur Wärme und Kraftstoff dazu,
da Energie in allen Dingen des Alltages, egal ob Kleidung, Nahrung,
Haushaltsgeräte oder Transport, gebunden ist. Außerdem geht das
Verständnis von regenerativer Energiegewinnung stark auseinander.
Konsum reduzieren ist die einzige
Chance
Der Konsum sei das wirkliche Problem,
meinte Niko Paech in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung am
6. September diesen Jahres (Seite 21). Seiner Meinung nach sind die
Pläne für die bevorstehende Wende nur Verlangerungen des Problems.
Anstatt durch CO2-Emmissionen zerstört man dann eben direkt
natürliche Lebensräume, indem Offshore-Windparkt gebaut werden etc.
Durch diese Politik solle der Konsum auf dem jetzigen Level weiterhin
ermöglicht werden bzw. sogar weiterhin steigerungsfähig bleiben,
was eine Illusion sei, so Paech. Der einzige Weg in eine ökologisch
verträglichere Zukunft sei daher die Reduzierung des Konsums,
da nur so letztlich Energie eingespart werden kann. Ein
Schlüsselgedanke ist hierbei die Idee von der Transformation der
Wegwerfgesellschaft in eine Repariergesellschaft. Kleidung könnte
durch Nähen
oft ganz einfach wieder instand gesetzt werden. Plastikfreies
Leben ist dann schon etwas für
Fortgeschrittene. Wer dann noch auf öffentlichen Transport
verzichten möchte, der wandelt dann schon auf abenteuerlichen
Pfaden. Am Ende würde dann eine deglobalisierte Welt entstehen, in
der das Individuum Nutzungsgemeinschaften für fast alle
Gerätschaften eingeht und so zwar wie heute alles, was man braucht,
zur Nutzung parat hat, es aber mit anderen teilen muss, wodurch der
Konsum drastisch reduziert werden würde. Eine Utopie?
| Kommt die Energiewende? (Quelle: biomasse-nutzung.de) |
Wednesday, December 5, 2012
Der Strand bringt Spaß und setzt ein Zeichen – Patriotismus ist gut fürs Business!
Der Strand –
eine Welt für sich
Es gibt Orte, die sind
mehr als nur Punkte auf der Landkarte. Sie sind Ausdruck eines
bestimmten Lebensgefühls, einer gewissen Zeit im Leben oder einer
ganz spezifischen Einstellung. Der Strand ist einer dieser
Orte. Auch wenn es zur Zeit etwas zu kalt ist, um an deutsche Strände
zu gehen, so freuen wir uns doch auf den nächsten Urlaub, an dem es
dann mal wieder heißt: Ab an den Strand. Dass sich dort aber
nicht nur diese Einstellung des Alles-locker-sehens sondern auch ein
gewissen Marktpotenzial auffinden lässt, ist einigen Hamburgern
deutlich vor Augen getreten. Nicht um sonst haben sich einige Marken
und lokale Produzenten auf die Zielgruppe der Strandgänger
spezialisiert. Daher gibt es am Strand folgende Produkte made
in Hamburg:
- Strandstuhl
Das hat nicht jeder,
könnte aber jeder gebrauchen! Daher spätestens bis zum nächsten
Sommer anzuschaffen. Infos unter: gilges.eu
- Stranddecke
Bei
michas-stoffdecke.de können trendige Decken als Hingucker für den
nächsten Strandurlaub gefunden werden.
- Wäschesack
Irgendwie müssen ja
die Sachen, die man am Strand braucht, auch mit. Daher hier etwas für
Lokalpatrioten: maegdeundknechte.com
- Trinken
Das darf natürlich
nicht fehlen! Auch wenn es kein Tee
ist, so erfrischt Lemonaid im Sommer vielleicht sogar besser. Fair
gehandelt macht das Trinken gleich nochmal so viel Spaß. Infos
unter: lemon-aid.de
- Kissen
Selbst gehäkelt,
selbst ausgedacht. Lokaldesign.de verspricht pure Gemütlichkeit am
Strand.
Es gibt noch vieles
mehr, das man hier erwähnen könnte. Eines zeigen die vier Beispiele
aber schon deutlich: Der Trend geht hin zum regionalen. Patriotismus
könnte man es nennen, wenn es eigentlich nicht völlig
eigennützig wäre, was da vor sich geht. Obwohl doch eine kleine
Portion davon immer mitschwingt. Besonders im norddeutschen Fall hört
man oft, dass die Menschen dort viel stärker verwurzelt seien. Daher
auch auf dem Wäschesack der Schriftzug „Verankert in Hamburg“?
Der Slogan kommt jedenfalls an und bedient einen Markt, der bereits
existiert. Hambuger Patriotismus könnte man dieses Phänomen
nennen, wobei es auch das nicht richtig treffen würde. Um einen
Eindruck zu bekommen, was es heißt, Hamburger zu sein, muss man wohl
einmal einige Jahre dort wohnen. Die Lokalwirtschaft ihrerseits
profitiert in jedem Fall davon und bildet so eine Gegentendenz zur
Globalisierung.
Außerdem bietet es ein Modell für viele junge Leute, die schon
lange vom eigenen Geschäft träumen. Wer kreativ ist, kann mit der
richtigen Idee schnell Erfolg haben, auch ökologisch nachhaltig, wie
die Beispiele zeigen. Und Nähen
lernen und andere alten handwerklichen Arbeiten
scheinen dadurch auch wieder zukunftsfähig zu sein.
| Egal ob Sommer oder Winter. Hamburger lieben ihren Strand! (Quelle: static.zoonar.de) |
Tuesday, November 27, 2012
Tee ist mehr als ein Getränk! Es ist Inbegriff einer Kultur, die nicht nur europäisch ist
Die Kuriositäten des
Lebens begegnen einem überall. Das hat mein Erlebnis
mit der Bratwurst eindeutig gezeigt. Auch wenn
das folgende weniger kurios als faszinierend ist, bin ich ihm doch
unerwartet begegnet. Es geht um Tee, eine Flüssigkeit, die
für viele mehr ist als nur ein Genussmittel oder ein
Erfrischungsgetränk. Und begegnet bin ich ihm in einem Artikel über
eine Ausstellung in einer englischsprachigen Zeitschrift mit dem
Titel China Daily. „The
Art of drinking“ war er überschrieben.
Tee – der
verbindende Trunk
Es gibt sicherlich viel
über dieses Getränk zu wissen. Warum ist Tee das Nationalgetränk
der Briten? Oder wieso gobt es im wesentlichen nur zwei
Bezeichnungen für Tee (Variationen von Tee, thé, tea etc. und chai,
čaj etc.). Und viele mehr. Auf alle gibt es einfallsreiche und an
Anekdoten nicht entbehrende Antworten. So zum Beispiel auf die erste
Frage: Irgendwann um 1800 wurde das Bier in England für die
einfachen Arbeiter, die zunehmend in der Industrie beschäftigt waren
zu teuer, so dass sie auf den in Massen importierten schwarzen Tee
umstiegen, der ebenfalls eine aufputschende Wirkung besaß. Wahr oder
nicht, der Tee erfreute sich starker Beliebtheit, die bald den
ganzen Globus umspannte. Je nachdem, von wo er ursprünglich kam,
erhielt er die Bezeichnung, die sich an die ursprüngliche der
Herkunftsregion anlehnte (chai aus Indien und te aus China). Also ein
Paradebeispiel für die gelungene Globalisierung
und entgegen der gängigen Meinung des eurozentrischen Weltbildes
auch für den Import von Wissen und Kultur nach Europa!
Kultur ist das,
was daraus gemacht wird
Dabei finde ich an
dieser ganzen Betrachtung und auch an der Ausstellung am
spannendsten, dass es eigentlich um Identitäten geht. Die eigene
Kultur wird im Wesentlichen durch Riten ausgedrückt, von denen
das Tee trinken einer der augenscheinlichsten ist. Und doch
haben sich die Traditionen weit auseinander entwickelt. Von dem
chinesischen Ritual ist auf dem europäischen Festland wohl nicht
mehr viel zu erkennen. Dort wird Tee oft als Alternative zum Kaffee
aufgefasst. Dessen Genuss ist dann stark an den des Kaffees
gekoppelt. Oder er wird gar als Aufputschmittel verwendet, wenn es
sich um eine Teesorte handelt, die besonders viel Teein beinhaltet.
So oder so, der Tee hat sich an die Kultur angepasst, die in
der jeweiligen Region vorherrscht. Umso aufschlussreicher kann so
eine Ausstellung sein, insbesondere wenn sie in London, einem Ort mit
eigener Tradition und Begegnungspunkt verschiedener Kulturen
zwischen Europa, Asien und Amerika veranstaltet wird.
| Tee trinken, aber wie? Das heißt Kultur! (Quelle: europe.chinadaily.com.cn) |
Friday, November 23, 2012
Eine Berliner Bratwurst und die Lehre von Okinawa: Eine Anleitung für ein besseres Leben
Vor einiger Zeit war
ich in Berlin unterwegs. Wie es dann so ist, überkommt einen
irgendwann der Hunger und da habe ich mich zu einem dieser
Bratwurstverkäufer begeben, die überall in der Berliner Innenstadt
anzutreffen sind. Eine richtige Berliner Bratwurst findet man
nicht oft, aber die schmeckte, die ich da grillfrisch bekam.
Aufgegessen nutzte ich eine der beiden Servietten, die ich bekommen
hatte, um meinen Mund abzuwischen. Die andere steckte ich erst einmal
in die Tasche. Später in der S-Bahn holte ich, verwundert, was das
in meiner Tasche sein könnte, wieder hervor und erblickte eine
Werbung des Economists. Ich hatte eh nichts zu tun und las deshalb
die Anzeige durch. Es geht um die Menschen von Okinawa, die im
Durchschnitt länger leben als irgendwo anders auf der Welt. Dies
wird auf die Ernährung der Einwohner zurückgeführt, die sich im
Wesentlichen aus Fisch und Sojabohnen zusammensetzt.
Weiter wird in dem Text
darauf eingegangen, wie schwer es trotz der offensichtlichen Vorteile
dieser Art der Ernährung sei, sie populär zu machen. Im Gegenteil
vertreten viele sogar die Meinung, dass eine Konzentration auf Fisch
und Soja zu einer einseitigen Ernährung und damit zu
Mangelerscheinungen führen würde. Okinawa also Vorbild oder
doch nur ein Kuriosum unserer Zeit? Die Frage ist schwer zu
beantworten. Letztlich muss jeder und jede für sich entscheiden, was
gut für ihn oder sie ist. Aber die Fakten einer soja- und
fischreichen Ernährung bestechen: Der Blutdruck sinkt, die Gefahr
für viele Krankheiten, die das Herz betreffen sinken etc.
Was mich jedoch am
meisten irritierte, ist der Punkt, dass ich diese Werbung, die mich
explizit vom Fleischverzehr abhalten wollte, ausgerechnet als
Packungsmaterial für mein Fast Food bekam. Meine Berliner
Bratwurst, deren Geschmack ich auch nach der Lektüre dieses
kurzen Aufrufs noch im Mund hatte, kam mir natürlich augenblicklich
geschmählert vor. Vielen Dank, lieber Bratwurstverkäufer!
Ich für meine Teil
habe aus dieser Erfahrung zwei Schlüsse gezogen: 1. Auch beim Essen
ist man nicht vor den Folgen der Globalisierung
sicher und 2. wäre mir das ganze sicher nicht passiert, wenn ich
mich der hausgemachten Gerichte wie Mansaf
oder der ukrainischen
Küche zugewandt hätte, anstatt mich schnell
auf die erstbeste Bratwurst zu stürzen.
| Von genau so einen kam die Berliner Bratwurst (Quelle: uinnberlinhostel.com) |
Tuesday, November 20, 2012
Eine gute Präsentation. Die Geschichte Südamerikas in 20 Minuten – ein neuer Weltrekord?
Eine gute
Präsentation muss gekonnt sein!
Das akademische Leben
in Deutschland gefällt mir doch sehr. Universitäten haben ein
völlig anderes Selbstverständnis als zum Beispiel in der Ukraine,
wo es Eingangskontrollen gibt und niemand, der dort nicht arbeitet
oder studiert, eintreten darf. Hier ist das glücklicherweise anders.
Und so kann jeder, der Lust und Laune hat, sich in Vorlesungen
reinsetzen und einfach mal ein bisschen lernen. Und man kommt
manchmal aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Eine gute
Präsentation folgt da auf die andere. Und je mehr man hört,
desto erfürchtiger wird man auch vor dem, was die Studenten da
leisten müssen. Eine Präsentation wird nämlich nicht dadurch gut,
dass sie informativ ist. Nein, sie muss darüber hinaus spannend,
prägnant und, was ganz wichtig ist, kurz sein. Wer über die
festgesetzte Zeit hinaus will, braucht schon triftige Gründe, wie
etwa die Technik, die nicht laufen will. Beim Zuhören hat mich das
irgendwie an meinen letzten Artikel erinnert. Fast wie beim
Frontjournalismus
muss es schlag auf schlag gehen. Keine Metapher oder Umschreibungen.
Einfach nur Fakten, Meinungen und schnell zum Schluss kommen.
Ein neuer
Weltrekord – zumindest meiner Meinung nach
Ad
absurdum wurde das ganze beim dem letzten Vortrag geführt, den ich
angehört habe. Dort wurde die Eroberung Südamerikas durch die
Spanier in 20 Minuten runtergerasselt. Was ist ein Weltrekord,
wenn nicht, dass Unmögliche möglich zu machen, denn der Student hat
sich wacker geschlagen. Natürlich ist es tatsächlich unmöglich,
sich auch nur ein bisschen intensiver mit der Thematik
auseinanderzusetzen, wenn einem nur 20 Minuten bleiben, während der
auch noch Visualisierungen stattfinden und die Zuhörerschaft sich
mitgenommen fühlen soll. Ein Weltrekord? Ja. Aber Vorbild?
Eher nicht. Denn in einer Gesellschaft, die so zielorientiert und
zeiteffizient sein möchte, gibt es immer Werte, die auf der Strecke
bleiben. Wenn man sich nicht die Zeit für eine gute Präsentation
nehmen kann und Zusammenhänge zu erklären, so dass sie jeder
verstehen kann, befindet man sich schnell auf dem Weg, auf dem
Demokratie
und Transparenz auf der Strecke bleiben;
zumindest besteht die Gefahr.
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Tuesday, November 6, 2012
Journalismus von der Front. Ein Wettbewerb für die Kriegsberichterstatter?
Ich muss zugeben, dass ich meinen Augen nicht ganz traute, als ich diesen Artikel auf Zeit.de gelesen habe: „Schreiben von der Front. Warum tötet der Mensch? Und wie berichten wir darüber? Notizen von einem Kriegsreportertreffen in einer französischen Kleinstadt.“ Das Thema hörte sich zunächst interessant an, was mich dazu brachte, den Artikel dann zu lesen. Der Inhalt war dann aber doch sehr überraschend: In einer Kleinstadt in der Normandie findet ein Wettbewerb für Bilder aus Krisengebieten statt. Nicht der alltägliche Journalismus wird hier ausgestellt und nominiert bzw. gekürt, sondern Bilder aus Krisenherden, Kriegsgebieten und den notleidenden Gegenden unserer Erde. Dabei werden die Bilder in Plakatgröße überall in der Stadt aufgehangen, so dass die Einwohner sich nur schwer dagegen zu schützen vermögen. Aber ist das ethisch, was da passiert? Sind Bilder von der Front (besonders, wenn sie öffentlich ausgestellt werden) etwas, was prämiert werden sollte?
Das Problem für uns Deutsche, dass auch in dem Artikel angesprochen wird, besteht in der Tatsache, dass wir Bilder aus Krisenregionen oft gar nicht von unseren eigenen Agenturen beziehen. Stattdessen ist es Gang und Gäbe im deutschen Journalismus, die Fotos günstig von den großen internationalen Sendeanstalten wie CNN, Agenturen vor Ort oder von Privatleuten einzukaufen. Nicht nur, dass dadurch die hohen Aufwendungen für Reisen wegfallen, man erspart den deutschen Reportern außerdem die Gefahren, die mit einem Besuch eines der krisengeschüttelten Ländern der Welt verbunden sind. Das klingt zunächst gemein und erinnert irgendwie an die Devise „Sollen die doch den Job machen!“. Vielleicht ist besonders deswegen der Fotowettbewerb in Bayeux, so heißt die französische Kleinstadt, wichtiger als man zunächst annehmen mag. Es geht darum, den Besuchern vor Augen zu führen, was Kriegsberichterstattung heißt. Dazu passt auch das Ehrenmal, das im Einsatz getöteten Journalisten gewidmet ist. Jeder einzelne wird dort namentlich erwähnt.
Die Bilder geben einen merkwürdigen Eindruck. Es ist ein Balanceakt zwischen Ästhetik, Information, Schockieren und Unterhaltung, was die Bilder zu erreichen hoffen. Jene von der Front, von denen es ja viele gibt, wie das Conflict Barometer eindrucksvoll zeigt, erfreuen sich nicht nur während des Wettbewerbs erhöhter Beliebtheit. Dabei gibt es „saisonale Schwankungen“. Je nach dem, welcher Krieg gerade „in“ ist, fallen Bilder aus anderen Regionen einfach aus dem Rahmen des Interesses der Öffentlichkeit. Und genau hier kommt wieder einmal die Verantwortung ins Spiel, die Fotografen zu tragen haben. Sie haben die Aufgabe, ins Bewusstsein zu rücken, was ihm zu entfliehen versucht. Guter Journalismus ist daher nicht nur die Wiedergabe dessen, was passiert ist, sondern muss sich bewusst sein, dass nur ihm möglich ist, den Leuten die Probleme der Welt vor Augen zu führen und sie zu motivieren, etwas dagegen zu unternehmen. Die Kampanie Kony 2012, über die ich hier auch schon geschrieben habe, bietet dazu vielleicht ein ganz gutes Beispiel.
Das Problem für uns Deutsche, dass auch in dem Artikel angesprochen wird, besteht in der Tatsache, dass wir Bilder aus Krisenregionen oft gar nicht von unseren eigenen Agenturen beziehen. Stattdessen ist es Gang und Gäbe im deutschen Journalismus, die Fotos günstig von den großen internationalen Sendeanstalten wie CNN, Agenturen vor Ort oder von Privatleuten einzukaufen. Nicht nur, dass dadurch die hohen Aufwendungen für Reisen wegfallen, man erspart den deutschen Reportern außerdem die Gefahren, die mit einem Besuch eines der krisengeschüttelten Ländern der Welt verbunden sind. Das klingt zunächst gemein und erinnert irgendwie an die Devise „Sollen die doch den Job machen!“. Vielleicht ist besonders deswegen der Fotowettbewerb in Bayeux, so heißt die französische Kleinstadt, wichtiger als man zunächst annehmen mag. Es geht darum, den Besuchern vor Augen zu führen, was Kriegsberichterstattung heißt. Dazu passt auch das Ehrenmal, das im Einsatz getöteten Journalisten gewidmet ist. Jeder einzelne wird dort namentlich erwähnt.
Die Bilder geben einen merkwürdigen Eindruck. Es ist ein Balanceakt zwischen Ästhetik, Information, Schockieren und Unterhaltung, was die Bilder zu erreichen hoffen. Jene von der Front, von denen es ja viele gibt, wie das Conflict Barometer eindrucksvoll zeigt, erfreuen sich nicht nur während des Wettbewerbs erhöhter Beliebtheit. Dabei gibt es „saisonale Schwankungen“. Je nach dem, welcher Krieg gerade „in“ ist, fallen Bilder aus anderen Regionen einfach aus dem Rahmen des Interesses der Öffentlichkeit. Und genau hier kommt wieder einmal die Verantwortung ins Spiel, die Fotografen zu tragen haben. Sie haben die Aufgabe, ins Bewusstsein zu rücken, was ihm zu entfliehen versucht. Guter Journalismus ist daher nicht nur die Wiedergabe dessen, was passiert ist, sondern muss sich bewusst sein, dass nur ihm möglich ist, den Leuten die Probleme der Welt vor Augen zu führen und sie zu motivieren, etwas dagegen zu unternehmen. Die Kampanie Kony 2012, über die ich hier auch schon geschrieben habe, bietet dazu vielleicht ein ganz gutes Beispiel.
| Journalismus aus Krisengebieten in Bayeux (Quelle: Zeit.de) |
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Tuesday, October 30, 2012
Zurück in die Zukunft – der Blick ins Heute. Wie 3D Drucker die Welt verändern!
Zurück in die Zukunft: Das Jahr
2015
Science-Fiction-Fans werden sich an
diese Trilogie aus den 80er Jahren erinnern. Der junge Martin McFly
und sein Freund Doc Brown verschlägt es mal in die Vergangenheit,
mal in die Zukunft. Aber Zurück in die Zukunft bietet mehr
als nur spannende Unterhaltung. Bei näherem Blick offenbart sich dem
aufmerksamen Beobachter eine ganz eigene Welt von Vorstellungen, wie
sich die Zeitgenossen der 80er die Zukunft vorgestellt haben. Konkret
handelt es sich um das Jahr 2015, das nun langsam näher rückt. Was
würde uns dem Film entsprechend dann erwarten?
- Fliegende Autos und Air-Highway
Im Film ist man der Belastung der
Straßen durch ein höheres Verkehrsaufkommen dadurch entgangen, dass
man den Verkehr einfach über die Städte gelegt hat. Kein Problem,
wenn man fliegende Autos hat.
- Genaue Wettervorhersage
Gemäß dem Film werden uns im Jahre
2015 kurze heftige Schauer heimsuchen, die jedoch exakt vorhersagbar
sein werden. Ein Wetterbericht, der endlich einmal stimmt? Oder Doc
Brown hatte einfach schon alles vorher ausspioniert. Dann wird es
auch für den Wetterbericht der Zukunft keine Hoffnung geben.
- Vollautomatische Häuser
Der Traum eines jeden Technikfreaks:
Ein Haus, das mitdenkt, einen willkommen heißt und eigentlich alles
selbst erledigt, was so im Haushalt anfällt.
- Astronautenessen
Laut Film werden wir dehydrierte
Nahrung kaufen, die dann in einer Art Mikrowelle wieder hydriert
wird. Kling sehr nach Astronautenfutter. Aber was für die gut ist,
kann für uns Erdlinge doch wohl nicht schlecht sein, oder?
- Hologramme
Und natürlich das wichtigste: die
Hologramme, die die Werbung beherrschen werden.
Zurück in die Zukunft ist also
voll von Visionen, wie sie in den Köpfen unserer Eltern
herumspukten. Sie werden bestimmt enttäuscht sein, sehen zu müssen,
dass all das wirklich nur Vision war und kaum etwas von diesen Dingen
den Einzug in den Alltag bisher geschafft hat. Aber immerhin haben
wir Smartphones und andere technische Errungenschaften, die man sich
kaum vorstellen konnte.
3D Drucker revolutionieren die
Welt
Dazu gehören auch 3D Drucker,
die unsere schon fast immer globalisierte
Welt vielleicht etwas entglobalisieren könnte.
Die Idee dahinter ist gut in einem Zeitartikel
beschrieben. Die Auswirkungen? Wohl noch ungewiss. Ich möchte jedoch
optimistisch sein und stelle daher einige erhoffte positive Effekte
vor:
- Deglobalisierung
Durch 3D Drucker wird wieder
zurückgekehrt zu regionalen Wirtschaftsproduktion. Die
internationalen Warenverkehrsströme werden dadurch auf das nötigste
beschränkt und sparen somit enorm viel Zeit, Geld und schaden der
Umwelt weniger.
- Stärkung lokaler Wirtschaftsräume
Lokale Wirtschaftsräume werden wieder
stärker mit einander interagieren, da der Mensch als Ressource
wiederentdeckt wird.
Nicht nur durch die Einsprung unnützer
Warentransporte wird Energie gespart werden. Es kann gezielter und
effizienter unter Einsparung von Überschüssen und
ressourceneffizienter produziert werden. Außerdem sollte doch dann
auch wieder eine hundertprozentige Recycelbarkeit möglich werden,
indem man die Produkte einfach wieder in ihre Bestandteile zerlegt
und neu zusammenbaut.
- Drucken statt Beamen?
3D Drucker sind eigentlich genau
wie Beamer: Alles ist überall zu haben, so lange wir ein Gerät und
den Bauplan besitzen. Die Frage ist nun, was besser ist: An einem Ort
produzieren und dorthin beamen, wo es benötigt wird, oder überall
Drucker haben, zu denen die nötigen Rohstoffe gebracht werden
müssen, und vor Ort das Produkt drucken. Zukunftsfragen, die für
uns nicht wichtig sind? Weit gefehlt. Die Zukunft hat bereits
begonnen. Der Artikel der Zeit und etwas Internetrecherche machen das
deutlich!
Saturday, October 20, 2012
Die evangelische Kirche organisierte eine Diskussion zum Thema Sudan. Dabei: Hilde Johnson
Die evangelische Kirche als
Organisatorin
Vergangenen Montag lud die evangelische
Kirche zu einer Diskussion zu folgenden Thema ein: „Fragiler
Frieden: Ein Jahr nach der Unabhängigkeit des Südsudan“. Zunächst
sollte man sich fragen, warum ausgerechnet sie die Veranstaltung
organisierte, worauf die Antwort anfangs nicht ganz leicht zu finden
ist, da schließlich alle Gastrednerinnen (es handelte sich neben dem
Gastgeber und Diskussionsleiter ausschließlich um Frauen, womit
einmal mehr die Frage nach der Gleichstellung
von Mann und Frau aufzuwerfen wäre) staatliche
Strukturen repräsentierten. Die evangelische Kirche hingegen kann
sich schwerlich als solcher verstehen noch im Namen eines oder
mehrerer Länder sprechen. Das will sie auch nicht und versteht
gerade darin ihre Stärke, da sie sich in politischen Gefechten und
offenen Konflikten als apolitisch darstellen kann. Und so kam es auch
bei diesem Treffen, dass die Gastgeberin als ehrliche Vermittlerin
auftreten konnte, die beherzt vor nichts zurückschreckte und trotz
verschiedener Auffassungen den Ton stets beruhigen konnte. Dass sich
die evangelische Kirche außerdem sehr stark in Afrika
engagiert, mag zeigen, dass sie sich zwar politisch nicht so leicht
vor den Wagen spannen lässt, aber doch ein Interesse an einer
Befriedung herrschender Konflikte besitzt.
Der Sudan als Hoffnungsträger
Der alte Sudan als bestehend aus
dem heutigen Sudan und dem Südsudan, der sich vor etwas über einem
Jahr vom Sudan abgespalten hat, verstanden, bezeichnet mehr eine
Region als ein oder zwei Länder. Historisch gesehen gehört das Land
zu den ältesten Afrikas und kann doch kaum mehr Erfolg im Erzielen
moderner Staatlichkeit aufweisen als andere Länder Mittelafrikas.
Dennoch, die Gastrednerin Hilde
Johnson vermochte es aufzuzeigen, dass sich
beide Länder auf einem guten Weg befinden. Der nördliche Sudan,
der seit der Unabhängigkeit des Südens von den wichtigen
Erdöllieferungen abgeschnitten ist, wird seit einigen Monaten durch
Geldleistungen für den Verlust entschädigt, die nach Einschätzung
der Rednerin sehr großzügig ausfallen. Am Beispiel der
Streitigkeiten um das Öl erklärte Frau Johnson, wie sich beide
Länder immer wieder in Situationen bringen, in denen die Nerven
blank zu liegen und jeden Augenblick zu reißen scheinen, aber
letztlich doch wieder den Weg der Deeskalation einschlagen und somit
zwar das Konfliktpotential nicht abbauen, es aber auch nicht zu einem
offenen Krieg kommen lassen. Stattdessen werden die bewährten Mittel
der Unterstützung von Rebellengruppen im jeweils anderen Land
angewandt. Das mag unschön sein, aber die staatlichen Autoritäten
nicht komplett untergraben. Außerdem hätten so beiden Länder
des ehemaligen Sudans verstanden, dass sie nur miteinander zu
einem stabilen Frieden und Wohlstand gelangen könnten. Das ist doch
schon mal ein Anfang!
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Thursday, October 18, 2012
Portraitfotografie und Verantwortung. Wie sieht unser Bild von Afrika aus?
Eigentlich widerstrebt es mir gerade,
nach meinem Blog über die Medienpräsenz
von Arm und Reich über dieses Thema zu
schreiben, aber ich bin gerade auf zwei interessante Bilder gestoßen,
die das arme Afrika in den Mittelpunkt stellen. Als Vertreter der
Portraitfotografie hat Albert Watson in Benin Bilder aufgenommen,
die die Menschen für uns in einer wohl einzigartigen Weise
darstellen. In ihren Blicken denken wir, das Wilde, das Ungebändigte
zu erkennen. Oft vor dunklen Hintergründen werden die Aufnahmen für
uns nur noch mystischer. Ein anderes Bild dokumentiert ebenfalls das
Leben einer Person, aber einer ganz anderen. Das Bild zeigte ein
kleines Mädchen, das entkräftet in sich zusammengesunken ist.
Hinter ihr lauert ein Geier, der an sich größer ist als das
bisschen menschliches Leben. (Die Schilderung dieser Story gibt es
hier
zu lesen.)
Nachdem ich mir beide Bilder zu Gemüt
geführt hatte, stellte sich in mir unweigerlich die Frage nach der
Verantwortung. Soziale Verantwortung hat immer wieder in
meinen Artikeln eine Rolle gespielt, z.B. als es um Griechenland
ging. Aber bei so vermeidlich unpolitischen Bereichen wie der
Portraitfotografie vermutet man zunächst nicht, wie viel
Verantwortung hinter einem Bild stehen muss. Jedes Bild kann
instrumentalisiert werden und so schweren Schaden hervorrufen. Wie
schwer es dabei auch die Fotografen haben können zeigt das Beispiel
von Kevin Carter, der das Bild mit dem Geier und dem Mädchen
aufgenommen hat. Er nahm sich schließlich das Leben.
Was die heutige Portraitfotografie
so gefährlich macht, liegt in der Bedeutung der Medien begründet.
Ein Bild kann heute schneller um die Welt gehen als der Fotograf, der
es geschossen hat fliegen. Dabei bietet es besondere Brisanz, dass
bei einer Portraitaufnahme das Umfeld nicht im Mittelpunkt steht.
Manchmal kann es wie bei Watson eine Rolle spielen, aber meistens
wird es ausgeblendet und lässt so die abgebildete Person ohne Bezug
zu seiner Umwelt auf uns wirken. Das mag die Kunst an diesem Genre
der Fotografie sein, aber auch das Problem. Mit Verantwortung
fotografieren hieße, darüber aufklären, was die Umstände des
Bildes sind, den Betrachter nicht im Ungewissen zu lassen. Die
Trennung von Erklärung und Bild sollte unterbunden werden, so dass
auch Instrumentalisierungen in Zukunft weniger Schaden anrichten
können.
| Portraitfotografie von Albert Watson (Quelle: Zeit.de) |
| Das Bild, das um die Welt ging: Vulture stalking a Child (Quelle: iconicphotos.wordpress.com) |
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Friday, October 12, 2012
Fotografieren um zu überleben – die kurze Geschichte eines Hobbyfotografen
Kürzlich ging es wieder einmal mit
Couchsurfing
auf Tour. Und es trat wieder ein, was bisher immer geschah, wenn ich
mich bei einem wildfremden Menschen zu Hause einquartierte: Wir kamen
nicht nur ins Gespräch sondern lernten viel von einander und unseren
kulturellen Hintergründen. In diesem Falle fand ich mich bei einem
Künstler wieder. Fotografieren ist seine große Leidenschaft,
die beim ersten Blick durch seine Wohnung schon deutlich wird.
Überall verdeckten Portraits, Landschaftsbilder und Kollagen die
Wand. Eine der Kollagen zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich:
„Der Schrei“ von Edvard Munch zusammengesetzt aus vielen kleinen
Aufnahmen von schreienden Personen. Nicht nur ein besonders schönes
Bild. In erster Linie eines, das zum Denken anregt, insbesondere da
man einigen Personen ansieht, dass sie nicht wirklich geschrien
haben.
Fotografieren, um zu leben
Wer selbst fotografiert, weiß auch,
dass es zum Leben normalerweise nicht ausreicht, nur Fotos zu
schießen. In der Regel ist es mehr ein Hobby, das von einem
regulären Job begleitet wird. Bei meinem Gastgeber ist es irgendwie
ein bisschen anders: Das Fotografieren hilft ihm, sich über
Wasser zu halten. Er arbeitet hauptsächlich als Privatlehrer, was
ihm einen Satz von unter zehn Wochenstunden einbringt und daher nur
unzureichend seine Lebenskosten decken kann. Er verbindet quasi seine
Leidenschaft mit der Linderung seiner Not. Aber natürlich kostet ihn
sein Hobby auch viel, weswegen ich mit einer akribischen
Kosten-Nutzen-Rechnung eher vorsichtig wäre. Für ihn ist die Sache
aber klar: Ohne Fotografieren kein Überleben.
Überleben – mehr als am Leben
bleiben?
Die Frage, was denn eigentlich
Überleben meine und worin es sich vom Leben unterscheide,
drängte sich beim Gespräch mit diesem Mann auf. Ist es ein Leben,
wenn man sein Hobby dazu missbrauchen muss, seinen Lebensunterhalt zu
bestreiten? Oder lebt der Mann seinen Traum, weil er sich dem widmen
kann, was ihm liegt und was ihm Spaß macht? Würde ich das wollen
oder doch eher die Trennung zwischen Spaß und Arbeit beibehalten?
Gute Fragen, die sich wahrscheinlich so manch einer in einer
Wohlstandsgesellschaft wie der unseren stellt. Dass Überleben
für andere Menschen etwas anderes bedeutet, verliert man da schnell
aus den Augen. Und wie schnell es von alltagsphilosophischen Fragen
an die pure Existenz gehen kann, sieht man an vielen
Familiengeschichten zum Beispiel aus Griechenland.
Hoffen wir, dass es uns nicht bald ähnlich gehen wird!
Tuesday, September 18, 2012
Busverbindungen nun auch im Fernverkehr – Reisen mit weniger CO2 Emission
Busverbindungen nach über 80 Jahren freigegeben!
Eine Preisrevolution ist ausgebrochen! Die Busverbindungen, so berichtete die Tagesschau, sollen nun endlich auch im nationalen Fernverkehr ausgebaut werden. Grund dafür ist eine anvisierte Gesetzesänderung, die noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Damit geht eine Ära zu Ende, in der die Bahn und ihr Monopol gesetzlich geschützt wurden. Das Schutzgesetz stammt aus dem Jahr 1931 und hielt dem Zugverkehr bis in die Gegenwart jede unliebsame Konkurrenz durch Busverbindungen effektiv vom Halse, was natürlich den Wettbewerb minderte und letztlich Innovationen zugunsten des Verbrauchers beeinträchtigte. Aber solche Zeiten sind jetzt vorbei!
Oder doch noch nicht ganz? Überraschenderweise weigert sich die SPD gegen eine komplette Freigabe aller Strecken, da sie befürchtet, dass die Bahn Investitionen im Regionalverkehr abbauen könnte und letztlich das Streckennetz der DB Regio schnell auf die rentablen Strecken zusammenschrumpfen würde. Preisgünstigere Busverbindungen könnten die Rentabilität vorhandener Strecken durch „Dumping-Preise“ zusätzlich drücken.
CO2 Emission sei Dank gibt es den Bus
Dabei hat es gleich mehrere Vorteile, wenn der Busverkehr ausgebaut wird. Zunächst wird Reisen günstiger. Neue Arbeitsplätze werden durch die Gründung neuer Fernverkehrsunternehmen geschaffen. Die CO2 Emission sinkt, da Busse weniger Treibhausgase produzieren als Bahnen, wenn man die Bilanz pro Passagier berechnet. Und Reisen wird komfortabler, da neue Direktverbindungen angeboten werden können. Nur immer nur von Großstadt A nach Großstadt B sondern auch gerne mal von Ort X nach Kleinstadt Q über Großstadt A oder B.
Mit der Reduzierung der CO2 Emission hat man letztlich aber auch noch jeden überzeugen können und so muss auch hier eine beiläufige Tatsache als Begründung herhalten. Dabei kann wohl kaum einem Busunternehmen unterstellt werden, dass sie es betreiben, weil es umweltfreundlicher ist. Es entspricht einfach der Verbraucherfreundlichkeit, da die Züge nicht alle Orte anfahren, Busse dies aber eben doch tun können, zumindest solange eine Straße zu diesem Ort hinführt, die auch befahrbar ist. Außerdem spielen Preisüberlegungen eine wichtige Rolle, wie auch in der Debatte über kostenlosen Nahverkehr hervorsticht.
Der Fernbus in andere Länder als Vorbild
Wie einfach es ist, mit dem Fernbus ins Ausland zu fahren, habe ich zum Beispiel bei meiner Reise in die Ukraine berichtet. Und auch innerhalb der ehemaligen Ostblock-Länder ist es oft leichter mit dem Bus als mit der Bahn zu reisen. Die Busse fahren öfter, regelmäßiger, decken die Länder besser ab und haben bessere Anschlüsse. Mir kam das anfangs sehr suspekt vor und wurde oft verlacht, wenn ich vorschlug mit der Bahn zu fahren. „Das sei viel zu teuer“, hieß es da oft. Um so besser, zu wissen, dass Deutschland nun endlich seinen östlichen Vorbildern folgt und einen günstigen Fernverkehr anbietet. Endlich mal ein Gesetz, wovon wieder alle etwas haben.
Übrigens handelt es sich bei diesem Vorhaben um das Umsetzen einer EU-Richtlinie! Wer weiß also, wann es den ersten Fernbus gegeben hätte, wenn sich die EU nicht immer so rigoros um die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger bemühen würde. Danke, liebe EU!
Eine Preisrevolution ist ausgebrochen! Die Busverbindungen, so berichtete die Tagesschau, sollen nun endlich auch im nationalen Fernverkehr ausgebaut werden. Grund dafür ist eine anvisierte Gesetzesänderung, die noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Damit geht eine Ära zu Ende, in der die Bahn und ihr Monopol gesetzlich geschützt wurden. Das Schutzgesetz stammt aus dem Jahr 1931 und hielt dem Zugverkehr bis in die Gegenwart jede unliebsame Konkurrenz durch Busverbindungen effektiv vom Halse, was natürlich den Wettbewerb minderte und letztlich Innovationen zugunsten des Verbrauchers beeinträchtigte. Aber solche Zeiten sind jetzt vorbei!
Oder doch noch nicht ganz? Überraschenderweise weigert sich die SPD gegen eine komplette Freigabe aller Strecken, da sie befürchtet, dass die Bahn Investitionen im Regionalverkehr abbauen könnte und letztlich das Streckennetz der DB Regio schnell auf die rentablen Strecken zusammenschrumpfen würde. Preisgünstigere Busverbindungen könnten die Rentabilität vorhandener Strecken durch „Dumping-Preise“ zusätzlich drücken.
CO2 Emission sei Dank gibt es den Bus
Dabei hat es gleich mehrere Vorteile, wenn der Busverkehr ausgebaut wird. Zunächst wird Reisen günstiger. Neue Arbeitsplätze werden durch die Gründung neuer Fernverkehrsunternehmen geschaffen. Die CO2 Emission sinkt, da Busse weniger Treibhausgase produzieren als Bahnen, wenn man die Bilanz pro Passagier berechnet. Und Reisen wird komfortabler, da neue Direktverbindungen angeboten werden können. Nur immer nur von Großstadt A nach Großstadt B sondern auch gerne mal von Ort X nach Kleinstadt Q über Großstadt A oder B.
Mit der Reduzierung der CO2 Emission hat man letztlich aber auch noch jeden überzeugen können und so muss auch hier eine beiläufige Tatsache als Begründung herhalten. Dabei kann wohl kaum einem Busunternehmen unterstellt werden, dass sie es betreiben, weil es umweltfreundlicher ist. Es entspricht einfach der Verbraucherfreundlichkeit, da die Züge nicht alle Orte anfahren, Busse dies aber eben doch tun können, zumindest solange eine Straße zu diesem Ort hinführt, die auch befahrbar ist. Außerdem spielen Preisüberlegungen eine wichtige Rolle, wie auch in der Debatte über kostenlosen Nahverkehr hervorsticht.
Der Fernbus in andere Länder als Vorbild
Wie einfach es ist, mit dem Fernbus ins Ausland zu fahren, habe ich zum Beispiel bei meiner Reise in die Ukraine berichtet. Und auch innerhalb der ehemaligen Ostblock-Länder ist es oft leichter mit dem Bus als mit der Bahn zu reisen. Die Busse fahren öfter, regelmäßiger, decken die Länder besser ab und haben bessere Anschlüsse. Mir kam das anfangs sehr suspekt vor und wurde oft verlacht, wenn ich vorschlug mit der Bahn zu fahren. „Das sei viel zu teuer“, hieß es da oft. Um so besser, zu wissen, dass Deutschland nun endlich seinen östlichen Vorbildern folgt und einen günstigen Fernverkehr anbietet. Endlich mal ein Gesetz, wovon wieder alle etwas haben.
Übrigens handelt es sich bei diesem Vorhaben um das Umsetzen einer EU-Richtlinie! Wer weiß also, wann es den ersten Fernbus gegeben hätte, wenn sich die EU nicht immer so rigoros um die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger bemühen würde. Danke, liebe EU!
Wednesday, September 12, 2012
Demokratie und Transparenz – wo sind die Ideale von Mitbestimmung und Volksherrschaft?
Ich habe es ja schon oft zum Thema gemacht, aber gerade in der heutigen Zeit sollte meiner Meinung nach viel mehr und viel öfter über Politik geredet werden (, ohne jedoch alles gleich zu politisieren!). Daher soll es einmal mehr an die Grundfeste des deutschen und des europäischen Selbstverständnisses gehen.
Demokratie heißt das Stichwort, das auf etlichen Fahnen von fast allen europäischen Parteien bei jeder möglichen Gelegenheit hochgehalten wird. Europa ist ja schließlich die Heimat der Urdemokratie, die nicht nur im antiken Griechenland sondern angeblich ja auch bei den Barbaren im Norden mit ihren Dorfversammlungen gelebt worden sein soll. Klar, dass in so einer Kleinstversammlung von maximal einigen hundert Leuten (in der Polis mögen es etwas mehr gewesen sein) die demokratischen Ideale leicht verwirklicht werden konnten, auch wenn Phänomene wie Bestechung, Einschüchterung, Manipulation etc. auch schon grassierten, als die Volksherrschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Transparenz hingegen ging deutlicher gar nicht darzustellen. Ein Mann, ein Wort und jeder konnte sehen, wie wer abstimmte.
Viel hat sich getan seitdem. Nicht nur, dass sich die Demokratie seither vielen neuen Herausforderungen stellen musste, die sie bisher ganz gut bewerkstelligt hat, jetzt befindet sie sich auch noch in einer Krise, die gleichzeitig globale Ausmaße annimmt. Im gleichen Moment geben viele Staaten Elemente ihrer Staatlichkeit an Organisationen oder private Firmen ab und geben somit zum Beispiel ihr hart erkämpftes Gewaltmonopol einfach auf. Dass die Transparenz dabei auf der Strecke bleibt, ist schon fast einleuchtend, wenn auch traurig.
Soziales Engagement kann helfen, auf diese Defizite aufmerksam zu machen. Der vorangegangene Blogeintrag hat dies auf, ich finde, eindrucksvolle Weise mit der Initiative zur Entschuldung Griechenlands aufgezeigt. Die ebenfalls erwähnten JEF dienen allen ebenfalls als Vorbild. Doch man muss sich nicht immer gleich zusammenfinden, Organisationen und Vereine gründen, um eine politische Stimme zu bekommen. Es fängt damit an, Fragen zu stellen. Fragen, die wichtig sind, wie etwa diese hier: Wer ist mein Europaabgeordneter? Wer weiß denn das eigentlich von seinem Wahlnezirk? Wohl leider die wenigsten, wenn man aktuellen Statistiken zur Politikverdrossenheit Glauben schenkt. Und selbst eine extra eingerichtete Internetseite, die das Auffinden des gesuchten Abgeordneten erleichtern soll, führt in irgendwelche Wohnungsanzeigen (www.mein-mdep.de). Da muss doch mal kritisiert werden!
Unsere Bundespräsidenten können wir schnell abservieren, wenn uns die Medien dazu verleiten. Aber mal konstruktiv einen Beitrag leisten erfordert schon etwas mehr als nur notorisches Nörgeln, worin die Deutschen ja besonders gut sein sollen. Doch wenn es schon Kritik sein muss, dann doch gerne in Satire-Form. Daher mein Tipp zur Rettung der Demokratie: Schwindelfrei in große Höhen hinaus, denn auch wenn's traurig wird und keiner weiß, wie's weitergehen soll, so geht die Welt doch wenigstens lustig zugrunde...
Demokratie heißt das Stichwort, das auf etlichen Fahnen von fast allen europäischen Parteien bei jeder möglichen Gelegenheit hochgehalten wird. Europa ist ja schließlich die Heimat der Urdemokratie, die nicht nur im antiken Griechenland sondern angeblich ja auch bei den Barbaren im Norden mit ihren Dorfversammlungen gelebt worden sein soll. Klar, dass in so einer Kleinstversammlung von maximal einigen hundert Leuten (in der Polis mögen es etwas mehr gewesen sein) die demokratischen Ideale leicht verwirklicht werden konnten, auch wenn Phänomene wie Bestechung, Einschüchterung, Manipulation etc. auch schon grassierten, als die Volksherrschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Transparenz hingegen ging deutlicher gar nicht darzustellen. Ein Mann, ein Wort und jeder konnte sehen, wie wer abstimmte.
Viel hat sich getan seitdem. Nicht nur, dass sich die Demokratie seither vielen neuen Herausforderungen stellen musste, die sie bisher ganz gut bewerkstelligt hat, jetzt befindet sie sich auch noch in einer Krise, die gleichzeitig globale Ausmaße annimmt. Im gleichen Moment geben viele Staaten Elemente ihrer Staatlichkeit an Organisationen oder private Firmen ab und geben somit zum Beispiel ihr hart erkämpftes Gewaltmonopol einfach auf. Dass die Transparenz dabei auf der Strecke bleibt, ist schon fast einleuchtend, wenn auch traurig.
Soziales Engagement kann helfen, auf diese Defizite aufmerksam zu machen. Der vorangegangene Blogeintrag hat dies auf, ich finde, eindrucksvolle Weise mit der Initiative zur Entschuldung Griechenlands aufgezeigt. Die ebenfalls erwähnten JEF dienen allen ebenfalls als Vorbild. Doch man muss sich nicht immer gleich zusammenfinden, Organisationen und Vereine gründen, um eine politische Stimme zu bekommen. Es fängt damit an, Fragen zu stellen. Fragen, die wichtig sind, wie etwa diese hier: Wer ist mein Europaabgeordneter? Wer weiß denn das eigentlich von seinem Wahlnezirk? Wohl leider die wenigsten, wenn man aktuellen Statistiken zur Politikverdrossenheit Glauben schenkt. Und selbst eine extra eingerichtete Internetseite, die das Auffinden des gesuchten Abgeordneten erleichtern soll, führt in irgendwelche Wohnungsanzeigen (www.mein-mdep.de). Da muss doch mal kritisiert werden!
Unsere Bundespräsidenten können wir schnell abservieren, wenn uns die Medien dazu verleiten. Aber mal konstruktiv einen Beitrag leisten erfordert schon etwas mehr als nur notorisches Nörgeln, worin die Deutschen ja besonders gut sein sollen. Doch wenn es schon Kritik sein muss, dann doch gerne in Satire-Form. Daher mein Tipp zur Rettung der Demokratie: Schwindelfrei in große Höhen hinaus, denn auch wenn's traurig wird und keiner weiß, wie's weitergehen soll, so geht die Welt doch wenigstens lustig zugrunde...
Tuesday, September 11, 2012
Armut und Reichtum. Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Arme oder Reiche?
Es ist schon bezeichnend, dass zum Thema Armut monatlich bei Google ca. 368.000 Anfragen aber zum Thema Reichtum weniger als ein Zehntel davon (ca. 33.100) gestellt werden. Was sagt uns das über die Gesellschaft, in der wir leben?
Armut im Fokus der Öffentlichkeit
Die Sorge um Armut ist in aller Munde. Jeder und jede hat Angst vor dem sozialen Abstieg, Minister/innen und Regierungsmitglieder sorgen sich um Altersarmut der breiten Masse etc. Es gibt viel zu diesem Thema zu sagen und tatsächlich ist es ein Problem, das, je immanenter es wird, desto mehr auch die breite Masse beschäftigt. Es wird auch oft nach den Definitionen von Armut gefragt, die ja nicht eindeutig feststeht, sondern immer wieder in der Gesellschaft neu verhandelt wird. Laut UN sind die Menschen arm, die weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben haben. Wenn man den Regelsatz Hartz IV dagegen ansieht, können sich dessen Bezieher wohl kaum als arm betrachten. In Deutschland gilt aber auch eher der Grundsatz, das diejenigen, die weniger als 70% des Durchschnittseinkommens erzielen, zur Kategorie „Arme“ gehören. Kein Wunder, denn wir leben ja schließlich in einem Sozialstaat, wo es eher darum geht, sich zur Mitte hin zu orientieren und die extrem Armen wie Reichen auch dorthin zu lenken.
Reichtum – das Gegenteil von arm sein?
Interessant ist, dass Armut sich dabei nicht an seinem Gegenteil orientiert. Reichtum wird nicht als das obere Ende einer Skala verstanden sondern eher als Entartung ganz eigener Art. So fragt zum Beispiel kaum jemand nach der Definition von Reichtum. Man sieht es den Leuten automatisch an, wenn sie reich sind. Da braucht man keine objektiven Kriterien, die einem Helfen die Grenzen zum Nicht-Reichtum abzustecken.
Es hat natürlich auch ganz praktische Gründe, dass diese Grenze im Gegensatz zur Armut nicht existiert. Geht es, wenn man arm ist, doch um jeden Cent und um wichtige Einkommensgrenzen, die einen befähigen, staatliche Unterstützung zu bekommen oder eben nicht. Beim Reichtum geht es höchstens um die Höhe der zu entrichtenden Steuern, deren Prozentsatz sich je nach der Höhe des Einkommens ändern. Aber das sind dann im Verständnis der Armen sowie so nur Peanuts. Erbsenzählerei für die, die sich ohnehin nicht zu sorgen brauchen.
Reich werden wollen trotzdem viele
Reich werden wird im Vergleich zu den beiden anderen Begriffen häufig öfter gegooglet. Wenn man das mal übersetzt, heißt das in etwa, das zwar keiner so richtig weiß, was Reichtum ist, aber viele in trotzdem anstreben.
Was ich übrigens am interessantesten fand, ist die Tatsache, dass auch nach Monaten der Debatte über Umverteilungen, Schuldzuweisungen wegen der Bankenkrise, Schuldenkrise der EU etc. die Reichen, so sieht es zumindest aus, weniger Grund zu öffentlichen Debatten gegeben haben als die Angst vor der Armut.
Armut im Fokus der Öffentlichkeit
Die Sorge um Armut ist in aller Munde. Jeder und jede hat Angst vor dem sozialen Abstieg, Minister/innen und Regierungsmitglieder sorgen sich um Altersarmut der breiten Masse etc. Es gibt viel zu diesem Thema zu sagen und tatsächlich ist es ein Problem, das, je immanenter es wird, desto mehr auch die breite Masse beschäftigt. Es wird auch oft nach den Definitionen von Armut gefragt, die ja nicht eindeutig feststeht, sondern immer wieder in der Gesellschaft neu verhandelt wird. Laut UN sind die Menschen arm, die weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben haben. Wenn man den Regelsatz Hartz IV dagegen ansieht, können sich dessen Bezieher wohl kaum als arm betrachten. In Deutschland gilt aber auch eher der Grundsatz, das diejenigen, die weniger als 70% des Durchschnittseinkommens erzielen, zur Kategorie „Arme“ gehören. Kein Wunder, denn wir leben ja schließlich in einem Sozialstaat, wo es eher darum geht, sich zur Mitte hin zu orientieren und die extrem Armen wie Reichen auch dorthin zu lenken.
Reichtum – das Gegenteil von arm sein?
Interessant ist, dass Armut sich dabei nicht an seinem Gegenteil orientiert. Reichtum wird nicht als das obere Ende einer Skala verstanden sondern eher als Entartung ganz eigener Art. So fragt zum Beispiel kaum jemand nach der Definition von Reichtum. Man sieht es den Leuten automatisch an, wenn sie reich sind. Da braucht man keine objektiven Kriterien, die einem Helfen die Grenzen zum Nicht-Reichtum abzustecken.
Es hat natürlich auch ganz praktische Gründe, dass diese Grenze im Gegensatz zur Armut nicht existiert. Geht es, wenn man arm ist, doch um jeden Cent und um wichtige Einkommensgrenzen, die einen befähigen, staatliche Unterstützung zu bekommen oder eben nicht. Beim Reichtum geht es höchstens um die Höhe der zu entrichtenden Steuern, deren Prozentsatz sich je nach der Höhe des Einkommens ändern. Aber das sind dann im Verständnis der Armen sowie so nur Peanuts. Erbsenzählerei für die, die sich ohnehin nicht zu sorgen brauchen.
Reich werden wollen trotzdem viele
Reich werden wird im Vergleich zu den beiden anderen Begriffen häufig öfter gegooglet. Wenn man das mal übersetzt, heißt das in etwa, das zwar keiner so richtig weiß, was Reichtum ist, aber viele in trotzdem anstreben.
Was ich übrigens am interessantesten fand, ist die Tatsache, dass auch nach Monaten der Debatte über Umverteilungen, Schuldzuweisungen wegen der Bankenkrise, Schuldenkrise der EU etc. die Reichen, so sieht es zumindest aus, weniger Grund zu öffentlichen Debatten gegeben haben als die Angst vor der Armut.
Friday, August 31, 2012
Griechenlands Schulden und die Frage nach der Umverteilung – soziale Verantwortung?
Griechenlands Schulden – der Schuldenschnitt durch private Spenden?
Griechenlands Schulden kann entweder mit dem Drucken neuen Geldes oder einer Umverteilung beigekommen werden. Was wäre für die Deutschen wünschenswerter? Steht diese Frage überhaupt zur Debatte? Besser: Was wäre für die Griechen auf lange Sicht lngfristig erträglicher? Auch diese Frage trifft den Kern nicht besser, sind doch aktuelle Handlungen augenscheinlich eher kurzsichtig orientiert.
Daher gibt es jetzt eine Initiative, die Griechenland durch private Spenden entschulden soll. Greece Debt Free nennt sich die Seite eines Griechen, der in London lebt, arbeitet und jede Menge Geld gescheffelt hat. Die Situation seines Landes beschämt und verstört ihn, weshalb er diese Initiative gegründet hat und hofft, dass andere reiche Griechen, die ihre Geld sonst vor dem Fiskus zu schützen verstanden, nun einlenken und auch ihren Beitrag zur Entschuldung des Mittelmeerlandes leisten. Griechenlands Schulden werden dabei um das Siebenfach des Spendenbetrages reduziert. Wie genau das funktioniert, das müssen Finanzmarktexperten erklären. Was mir jedoch wichtig scheint, ist die Tatsache, das einmal mehr die Politik versagt und die Bürger daher lieber selber Hand anlegen, um alles wieder ins Lot zu bringen.
Umverteilung – der Schlüssel zur Glückseligkeit?
Es klingt immer so einfach, wenn man Linkspartei und anderen mal zuhört. Einfach den Reichen ein bisschen von ihrem Geld wegnehmen und alle Probleme sind dann gelöst. So einfach! Und wahrscheinlich zu schön, um wahr zu sein... Denn Umverteilung kann zwar viel leisten, aber eben nicht alles.
Es sei einmal ganz dahingestellt, um wie viel Prozent sich das Steueraufkommen erhöhen würde, wenn die oberen Zehntausend stärker zur Kasse gebeten würden. Und nehmen wir einmal naiv an, dass sie diese neuen Steuern auch brav entrichten und nicht ins Ausland retten würden. Was könnte eine Umverteilung dann wirklich leisten und was läge trotzdem fern jeder Lösung?
Sicher könnte sie soziale Schere effektiv am weiteren Auseinanderdriften gehindert werden, wenn auch der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten auf absehbare Zukunft wohl nicht mehr zu verringern ist. Und weiter? Würde nicht den Armen etwas gegeben werden, worauf sie gar keinen Anspruch haben? Auf welcher Grundlage ließe sich eine steuerliche Ungleichbehandlung eigentlich rechtfertigen? Wird nicht das normalerweise unantastbare Privateigentum der Reichen zugegriffen?
Wenn die einzigen Rechtfertigungsgrundlagen in der angenommene Solidarität unter den Bürgern eines Landes oder der Annahme, dass die Reichen nur auf Kosten der Armen reich geworden sind, zu finden sind, wird es schwer so etwas politisch und gesellschaftlich durchzusetzen. Politikverdrossenheit ist die Konsequenz, die ihren Ausdruck dann darin findet, dass NGOs und andere nicht an die Politik gebundene Initiativen entstehen, die dem Bürger und der Bürgerin helfen, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Occupy Wallstreet, die JEF aber auch Freiwilligendienste lassen sich genau in dieser Reihe einordnen und es werden wohl noch viele andere folgen.
Griechenlands Schulden kann entweder mit dem Drucken neuen Geldes oder einer Umverteilung beigekommen werden. Was wäre für die Deutschen wünschenswerter? Steht diese Frage überhaupt zur Debatte? Besser: Was wäre für die Griechen auf lange Sicht lngfristig erträglicher? Auch diese Frage trifft den Kern nicht besser, sind doch aktuelle Handlungen augenscheinlich eher kurzsichtig orientiert.
Daher gibt es jetzt eine Initiative, die Griechenland durch private Spenden entschulden soll. Greece Debt Free nennt sich die Seite eines Griechen, der in London lebt, arbeitet und jede Menge Geld gescheffelt hat. Die Situation seines Landes beschämt und verstört ihn, weshalb er diese Initiative gegründet hat und hofft, dass andere reiche Griechen, die ihre Geld sonst vor dem Fiskus zu schützen verstanden, nun einlenken und auch ihren Beitrag zur Entschuldung des Mittelmeerlandes leisten. Griechenlands Schulden werden dabei um das Siebenfach des Spendenbetrages reduziert. Wie genau das funktioniert, das müssen Finanzmarktexperten erklären. Was mir jedoch wichtig scheint, ist die Tatsache, das einmal mehr die Politik versagt und die Bürger daher lieber selber Hand anlegen, um alles wieder ins Lot zu bringen.
Umverteilung – der Schlüssel zur Glückseligkeit?
Es klingt immer so einfach, wenn man Linkspartei und anderen mal zuhört. Einfach den Reichen ein bisschen von ihrem Geld wegnehmen und alle Probleme sind dann gelöst. So einfach! Und wahrscheinlich zu schön, um wahr zu sein... Denn Umverteilung kann zwar viel leisten, aber eben nicht alles.
Es sei einmal ganz dahingestellt, um wie viel Prozent sich das Steueraufkommen erhöhen würde, wenn die oberen Zehntausend stärker zur Kasse gebeten würden. Und nehmen wir einmal naiv an, dass sie diese neuen Steuern auch brav entrichten und nicht ins Ausland retten würden. Was könnte eine Umverteilung dann wirklich leisten und was läge trotzdem fern jeder Lösung?
Sicher könnte sie soziale Schere effektiv am weiteren Auseinanderdriften gehindert werden, wenn auch der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten auf absehbare Zukunft wohl nicht mehr zu verringern ist. Und weiter? Würde nicht den Armen etwas gegeben werden, worauf sie gar keinen Anspruch haben? Auf welcher Grundlage ließe sich eine steuerliche Ungleichbehandlung eigentlich rechtfertigen? Wird nicht das normalerweise unantastbare Privateigentum der Reichen zugegriffen?
Wenn die einzigen Rechtfertigungsgrundlagen in der angenommene Solidarität unter den Bürgern eines Landes oder der Annahme, dass die Reichen nur auf Kosten der Armen reich geworden sind, zu finden sind, wird es schwer so etwas politisch und gesellschaftlich durchzusetzen. Politikverdrossenheit ist die Konsequenz, die ihren Ausdruck dann darin findet, dass NGOs und andere nicht an die Politik gebundene Initiativen entstehen, die dem Bürger und der Bürgerin helfen, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Occupy Wallstreet, die JEF aber auch Freiwilligendienste lassen sich genau in dieser Reihe einordnen und es werden wohl noch viele andere folgen.
| Soziale Schere (Quelle: f1online.de) |
Sunday, August 26, 2012
Pornografie – wann wird Aktfotografie vulgär? Warum gibt es mehr nackte Frauen als Männer?
Pornografie, ein heikles Thema auch in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft. Ich finde es manchmal wirklich merkwürdig. Als Jugendlicher habe ich mich noch aufgeklärt gefühlt, aber seitdem ich aus der Schule raus bin, ist das Thema Sex und Geschlecht irgendwie verschwunden, gerade so, als wäre der Wissensdurst und das Verlangen nach Beschäftigung mit dem Thema abrupt hätten verdrängt werden müssen. Deshalb wird es jetzt mal zum Thema gemacht! Zwar mit künstlerischem Anspruch, aber trotzdem kann es dabei auch mal vulgär zugehen.
Pornografie oder Kunst?
Das ist leider viel zu oft die Frage. Nur weil sich an einem Bild, das nackte Menschen auch meinetwegen in verfänglichen Positionen zeigt, irgendwelche Kunstbanausen aufgeilen, heißt es noch lange nicht, dass es keinen künstlerischen Wert besitzt. Im Gegenteil. Insbesondere wenn dem Künstler nur der Körper zur Verfügung steht, muss gekonnt mit den Instrumenten umgegangen werden, damit die Aussage des Schaffenden eingefangen werden kann. Oder die Kunstwerke werden einfach nur geschaffen, um von Betrachtern begafft zu werden. Aber selbst dann ist es ja noch Kunst, solange es Leute gibt, die sich daran ergötzen und ihre Freude in dem Werk finden können. Pornografie kann vielfältige formen annehmen und genauso wie ein Hollywoodfilm manchmal als künstlerisch wertvoll eingestuft wird, kann es auch Pornos geben, die ästhetisch gestaltet sind.
Aktfotografie zeigt mehr Frau als Mann
Interessant wird es aber, wenn man explizit auf die als Kunst wertgeschätzten Werke schaut oder sich einfach nur mal in Werbungen und dem alltäglichen Leben umschaut. Es überrascht da schon, dass die Frau wesentlich öfter zu sehen ist als der Mann. In der Aktfotografie war das ebenfalls der Fall. Eine Ausstellung von Larry Clark hat Besarin, auf den hier bereits mehrmals hingewiesen wurde, auf seinem Blog (bersarin.wordpress.com) angeregt darüber zu debattieren. Es gibt viel, was darüber gesagt wurde, und noch gesagt werden kann. Die Zeit hat sich online ebenfalls darüber ausgelassen.
Dass Aktfotografie auch politisch benutzt werden kann, abermals von Frauen, hat während des Arabischen Frühlings die junge Ägypterin Alia Magda al-Mahdi eindrucksvoll bewiesen. Nacktheit als Waffe? Die Männer benutzten da eher ihre Fäuste, um ihrer Frustration und ihrem Ärger Luft zu machen. Was ist nun besser?
Sexuelle Konkurrenz in der Ellenbogengesellschaft
Sexuelle Konkurrenz bleibt auf jeden Fall so lange, wie Männer und Frauen unterschiedliche Positionen in der Gesellschaft einnehmen, genauso ein Thema wie Feminismus. So ist unser Gemeinwesen eben aufgebaut und daran hat bisher auch kaum jemand gerüttelt, in dem Sinne, dass sich jemand zur Abschaffung von Konkurrenz eingesetzt hätte. Der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus hat dies als globaler Showdown ein für alle Male vor Augen geführt. Und so kann auch die Pornografie nur als Spiegel unserer Gesellschaft gesehen werden, indem uns das vor Augen geführt wird, was wir alltäglich ohnehin um uns herum finden können, aber oft nicht bewusst wahrnehmen.
Pornografie oder Kunst?
Das ist leider viel zu oft die Frage. Nur weil sich an einem Bild, das nackte Menschen auch meinetwegen in verfänglichen Positionen zeigt, irgendwelche Kunstbanausen aufgeilen, heißt es noch lange nicht, dass es keinen künstlerischen Wert besitzt. Im Gegenteil. Insbesondere wenn dem Künstler nur der Körper zur Verfügung steht, muss gekonnt mit den Instrumenten umgegangen werden, damit die Aussage des Schaffenden eingefangen werden kann. Oder die Kunstwerke werden einfach nur geschaffen, um von Betrachtern begafft zu werden. Aber selbst dann ist es ja noch Kunst, solange es Leute gibt, die sich daran ergötzen und ihre Freude in dem Werk finden können. Pornografie kann vielfältige formen annehmen und genauso wie ein Hollywoodfilm manchmal als künstlerisch wertvoll eingestuft wird, kann es auch Pornos geben, die ästhetisch gestaltet sind.
Aktfotografie zeigt mehr Frau als Mann
Interessant wird es aber, wenn man explizit auf die als Kunst wertgeschätzten Werke schaut oder sich einfach nur mal in Werbungen und dem alltäglichen Leben umschaut. Es überrascht da schon, dass die Frau wesentlich öfter zu sehen ist als der Mann. In der Aktfotografie war das ebenfalls der Fall. Eine Ausstellung von Larry Clark hat Besarin, auf den hier bereits mehrmals hingewiesen wurde, auf seinem Blog (bersarin.wordpress.com) angeregt darüber zu debattieren. Es gibt viel, was darüber gesagt wurde, und noch gesagt werden kann. Die Zeit hat sich online ebenfalls darüber ausgelassen.
Dass Aktfotografie auch politisch benutzt werden kann, abermals von Frauen, hat während des Arabischen Frühlings die junge Ägypterin Alia Magda al-Mahdi eindrucksvoll bewiesen. Nacktheit als Waffe? Die Männer benutzten da eher ihre Fäuste, um ihrer Frustration und ihrem Ärger Luft zu machen. Was ist nun besser?
Sexuelle Konkurrenz in der Ellenbogengesellschaft
Sexuelle Konkurrenz bleibt auf jeden Fall so lange, wie Männer und Frauen unterschiedliche Positionen in der Gesellschaft einnehmen, genauso ein Thema wie Feminismus. So ist unser Gemeinwesen eben aufgebaut und daran hat bisher auch kaum jemand gerüttelt, in dem Sinne, dass sich jemand zur Abschaffung von Konkurrenz eingesetzt hätte. Der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus hat dies als globaler Showdown ein für alle Male vor Augen geführt. Und so kann auch die Pornografie nur als Spiegel unserer Gesellschaft gesehen werden, indem uns das vor Augen geführt wird, was wir alltäglich ohnehin um uns herum finden können, aber oft nicht bewusst wahrnehmen.
| "Jonathan Velasquez & Tiffany Limos" von Larry Clark, 2003 (Quelle: spiegel.de) |
| Foto-Collage "Knoxville" aus dem Jahr 2011 von Larry Clark (Quelle: spiegel.de) |
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