Wenn man über ethischeBilder
spricht, können die Begriffe Verantwortung und
Schuld nur übergangen
werden, wenn eine tiefe Auseinandersetzung nicht beabsichtigt ist.
Insbesondere wenn es um den „dunklen Kontinent“ geht, sehen
unsere Bilder ziemlich einseitig aus. Wild muss es sein, wenn wir die
Tier-, Pflanzen- aber auch Menschenwelt im Sinn haben. Eingeborene,
die nur geringe Stellen ihres Körpers notdürftig bedecken, dürfen
nicht auf den Fotos eines Afrikareisenden fehlen. Oder es herrschen
zerrüttete bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, die akribisch
dokumentiert sein wollen. Egal, was am Ende auf den Fotografien zu
sehen ist, es zeigt immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit.
Verantwortung dafür
zu übernehmen, dass wir eventuell mit einem bestimmten Bild gewisse
Vorurteile schüren, sollte daher im Bewusstsein eines jeden und
einer jeden verankert sein. Das trifft umso mehr zu, als Touristen in
fremden Kulturen in der Regel nur das fotografieren, was in ihr Bild
der anderen Kultur passt. Hochhäuser in Luanda sind weniger
interessant als die Eingeborenen, die vielleicht nur durch
Schauspieler in einem eigens für Touristen angefertigten Park
posieren. Zugespitzt gesagt: Ethisch ist, was ins Bild passt.
Verantwortung übernehmen?
Wofür genau? Dass das Individuum ihm von den Medien eingetrichterte
Stereotypen reproduziert und letztlich multipliziert? Das würde das
Empfinden von Schuld voraussetzen!
Aber wofür sollte diese Schuld empfunden werden? Dafür, dass ein
Bild übernommen wird, dass augenscheinlich falsch ist. Das kann nur
auf eine aktive und intensive Selbstreflexion und Dekonstruierung der
eigenen Identität aufbauen. Welcher Safaritourist möchte sich
unter der erschöpfenden Sonne Afrikas aber mit der eigenen Identität
auseinandersetzen, wenn das zu schießende (hoffentlich nur mit der
Kamera) Wild direkt vor einem faulenzt? Es wäre auch zu schön.
Stattdessen kursieren weiter Bilder, wie sie unter dem Eintrag für
Porträtfotografie
zu finden sind. Ganz egal ob nun in der angolischen Hauptstadt die
höchsten Grundstückpreise der Welt zu finden sind und ob Südsudan
2013 eine der höchsten Wachstumsraten weltweit aufweisen wird.
Interessant ist nur, was ins Bild passt.
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Sunday, January 13, 2013
Thursday, December 20, 2012
Armut ist kein Hindernis für die Gleichberechtigung von Mann und Frau!
Die Frauenquote, in die sich die
Deutschen so verbohrt haben, kommt. Das
Beispiel Argentiniens, das zwar eher ironisch
gemeint war, bekommt nun ein weiteres aus der Region an die Seite
gestellt, dass dieses Mal ernster zu nehmen ist. Es geht um
Nicaragua. Trotz Armut (im
Vergleich zu den westeuropäischen und nordischen Ländern) hat es
das Land geschafft, im Global Gender Gap Report 2012 vor Deutschland
zu landen. Die Gleichberechtigung und
Gleichbehandlung von Mann und Frau hängt also nicht unbedingt von
den herrschenden ökonomischen Verhältnissen ab.
Armut – der große
Gleichmacher?
Das Video hat gezeigt: Wer auf Frauen
als Humankapital verzichtet, vergibt damit 50% seiner verfügbaren
Ressourcen. Das leuchtet ein. Paradox erscheint da, dass die ärmeren
Länder dennoch eher zur Ungleichbehandlung neigen als reiche. Dabei
sollte doch die Armut den
Anreiz schaffen, auch Frauen die Möglichkeit zu geben, Geld zu
verdienen, damit so den einzelnen Familien mehr Geld zur Verfügung
steht. Dieser Gedanke scheint aber nur in wenigen Ländern, die es
wirklich nötig haben, aufgekommen zu sein. Eines davon ist eben
Nicaragua, dass in dem Report hinter den Philippinen auf Platz neun
gelandet ist (Deutschland liegt auf Platz 13!). Damit ist es das
einzige amerikanische Land, das es unter die Top Ten geschafft hat.
Selbst die USA oder Kanada konnte diese Positionen nicht ergattern.
Die Frage wäre nun: Hat es das Land trotz der Armut
oder eben genau wegen ihr geschafft, eine Politik der
Gleichbehandlung durchzusetzen? Oder ist es einfach eine spezifische
Mentalität der Einwohner des Landes?
Gleichberechtigung ist nicht
gleich Gleichberechtigung
Freilich muss man bei vielen Ländern
schon einmal genauer hinschauen. Gleichberechtigung
heißt ja im Prinzip, dass Mann und Frau die gleichen Rechte
einfordern können. Dass dies zum Beispiel in Deutschland durchaus
der Fall ist und auch für andere westliche Länder wie Frankreich
oder Großbritannien nicht angezweifelt werden braucht, bestreitet
wohl kaum jemand. Aber wenn es um die Umsetzung dieses
Gleichheitspostulats geht, sehen die Realitäten durchaus
differenzierter aus. Daher bezieht der Global Gender Gap Report auch
noch weitere Indikatoren mit ein, die ein möglichst komplettes Bild
der Situation der Frauen im Vergleich zu den Männern in den
jeweiligen Ländern aufzuzeigen helfen sollen. So fängt
Gleichberechtigung
nicht bei gleichen Gehältern für gleiche Arbeit an und hört nicht
bei Frauenquoten auf. Es gibt viele Facetten, die bereits mit der
frühkindlichen Bildung beginnen.
Das World Economic Forum als
globale Aufsichtsbehörde?
Der
Report wurde auch in diesem Jahr vom World
Economic Forum
herausgebracht, das sich so bereits zum sechsten Mal mit einer
fundierten Datenbasis für die Förderung der Frauenrechte einsetzt.
Nachlesen kann man den gesamten Report auf Deutsch hier.
Die Homepage
des Forums
bietet darüber hinaus aber auch noch weitere wissenswerte Infos. Ein
Blick darauf lohnt sich!
Saturday, October 20, 2012
Die evangelische Kirche organisierte eine Diskussion zum Thema Sudan. Dabei: Hilde Johnson
Die evangelische Kirche als
Organisatorin
Vergangenen Montag lud die evangelische
Kirche zu einer Diskussion zu folgenden Thema ein: „Fragiler
Frieden: Ein Jahr nach der Unabhängigkeit des Südsudan“. Zunächst
sollte man sich fragen, warum ausgerechnet sie die Veranstaltung
organisierte, worauf die Antwort anfangs nicht ganz leicht zu finden
ist, da schließlich alle Gastrednerinnen (es handelte sich neben dem
Gastgeber und Diskussionsleiter ausschließlich um Frauen, womit
einmal mehr die Frage nach der Gleichstellung
von Mann und Frau aufzuwerfen wäre) staatliche
Strukturen repräsentierten. Die evangelische Kirche hingegen kann
sich schwerlich als solcher verstehen noch im Namen eines oder
mehrerer Länder sprechen. Das will sie auch nicht und versteht
gerade darin ihre Stärke, da sie sich in politischen Gefechten und
offenen Konflikten als apolitisch darstellen kann. Und so kam es auch
bei diesem Treffen, dass die Gastgeberin als ehrliche Vermittlerin
auftreten konnte, die beherzt vor nichts zurückschreckte und trotz
verschiedener Auffassungen den Ton stets beruhigen konnte. Dass sich
die evangelische Kirche außerdem sehr stark in Afrika
engagiert, mag zeigen, dass sie sich zwar politisch nicht so leicht
vor den Wagen spannen lässt, aber doch ein Interesse an einer
Befriedung herrschender Konflikte besitzt.
Der Sudan als Hoffnungsträger
Der alte Sudan als bestehend aus
dem heutigen Sudan und dem Südsudan, der sich vor etwas über einem
Jahr vom Sudan abgespalten hat, verstanden, bezeichnet mehr eine
Region als ein oder zwei Länder. Historisch gesehen gehört das Land
zu den ältesten Afrikas und kann doch kaum mehr Erfolg im Erzielen
moderner Staatlichkeit aufweisen als andere Länder Mittelafrikas.
Dennoch, die Gastrednerin Hilde
Johnson vermochte es aufzuzeigen, dass sich
beide Länder auf einem guten Weg befinden. Der nördliche Sudan,
der seit der Unabhängigkeit des Südens von den wichtigen
Erdöllieferungen abgeschnitten ist, wird seit einigen Monaten durch
Geldleistungen für den Verlust entschädigt, die nach Einschätzung
der Rednerin sehr großzügig ausfallen. Am Beispiel der
Streitigkeiten um das Öl erklärte Frau Johnson, wie sich beide
Länder immer wieder in Situationen bringen, in denen die Nerven
blank zu liegen und jeden Augenblick zu reißen scheinen, aber
letztlich doch wieder den Weg der Deeskalation einschlagen und somit
zwar das Konfliktpotential nicht abbauen, es aber auch nicht zu einem
offenen Krieg kommen lassen. Stattdessen werden die bewährten Mittel
der Unterstützung von Rebellengruppen im jeweils anderen Land
angewandt. Das mag unschön sein, aber die staatlichen Autoritäten
nicht komplett untergraben. Außerdem hätten so beiden Länder
des ehemaligen Sudans verstanden, dass sie nur miteinander zu
einem stabilen Frieden und Wohlstand gelangen könnten. Das ist doch
schon mal ein Anfang!
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Afrika,
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Persönlichkeiten,
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Thursday, October 18, 2012
Portraitfotografie und Verantwortung. Wie sieht unser Bild von Afrika aus?
Eigentlich widerstrebt es mir gerade,
nach meinem Blog über die Medienpräsenz
von Arm und Reich über dieses Thema zu
schreiben, aber ich bin gerade auf zwei interessante Bilder gestoßen,
die das arme Afrika in den Mittelpunkt stellen. Als Vertreter der
Portraitfotografie hat Albert Watson in Benin Bilder aufgenommen,
die die Menschen für uns in einer wohl einzigartigen Weise
darstellen. In ihren Blicken denken wir, das Wilde, das Ungebändigte
zu erkennen. Oft vor dunklen Hintergründen werden die Aufnahmen für
uns nur noch mystischer. Ein anderes Bild dokumentiert ebenfalls das
Leben einer Person, aber einer ganz anderen. Das Bild zeigte ein
kleines Mädchen, das entkräftet in sich zusammengesunken ist.
Hinter ihr lauert ein Geier, der an sich größer ist als das
bisschen menschliches Leben. (Die Schilderung dieser Story gibt es
hier
zu lesen.)
Nachdem ich mir beide Bilder zu Gemüt
geführt hatte, stellte sich in mir unweigerlich die Frage nach der
Verantwortung. Soziale Verantwortung hat immer wieder in
meinen Artikeln eine Rolle gespielt, z.B. als es um Griechenland
ging. Aber bei so vermeidlich unpolitischen Bereichen wie der
Portraitfotografie vermutet man zunächst nicht, wie viel
Verantwortung hinter einem Bild stehen muss. Jedes Bild kann
instrumentalisiert werden und so schweren Schaden hervorrufen. Wie
schwer es dabei auch die Fotografen haben können zeigt das Beispiel
von Kevin Carter, der das Bild mit dem Geier und dem Mädchen
aufgenommen hat. Er nahm sich schließlich das Leben.
Was die heutige Portraitfotografie
so gefährlich macht, liegt in der Bedeutung der Medien begründet.
Ein Bild kann heute schneller um die Welt gehen als der Fotograf, der
es geschossen hat fliegen. Dabei bietet es besondere Brisanz, dass
bei einer Portraitaufnahme das Umfeld nicht im Mittelpunkt steht.
Manchmal kann es wie bei Watson eine Rolle spielen, aber meistens
wird es ausgeblendet und lässt so die abgebildete Person ohne Bezug
zu seiner Umwelt auf uns wirken. Das mag die Kunst an diesem Genre
der Fotografie sein, aber auch das Problem. Mit Verantwortung
fotografieren hieße, darüber aufklären, was die Umstände des
Bildes sind, den Betrachter nicht im Ungewissen zu lassen. Die
Trennung von Erklärung und Bild sollte unterbunden werden, so dass
auch Instrumentalisierungen in Zukunft weniger Schaden anrichten
können.
| Portraitfotografie von Albert Watson (Quelle: Zeit.de) |
| Das Bild, das um die Welt ging: Vulture stalking a Child (Quelle: iconicphotos.wordpress.com) |
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