Tuesday, September 18, 2012

Busverbindungen nun auch im Fernverkehr – Reisen mit weniger CO2 Emission

Busverbindungen nach über 80 Jahren freigegeben!

Eine Preisrevolution ist ausgebrochen! Die Busverbindungen, so berichtete die Tagesschau, sollen nun endlich auch im nationalen Fernverkehr ausgebaut werden. Grund dafür ist eine anvisierte Gesetzesänderung, die noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden soll. Damit geht eine Ära zu Ende, in der die Bahn und ihr Monopol gesetzlich geschützt wurden. Das Schutzgesetz stammt aus dem Jahr 1931 und hielt dem Zugverkehr bis in die Gegenwart jede unliebsame Konkurrenz durch Busverbindungen effektiv vom Halse, was natürlich den Wettbewerb minderte und letztlich Innovationen zugunsten des Verbrauchers beeinträchtigte. Aber solche Zeiten sind jetzt vorbei!
Oder doch noch nicht ganz? Überraschenderweise weigert sich die SPD gegen eine komplette Freigabe aller Strecken, da sie befürchtet, dass die Bahn Investitionen im Regionalverkehr abbauen könnte und letztlich das Streckennetz der DB Regio schnell auf die rentablen Strecken zusammenschrumpfen würde. Preisgünstigere Busverbindungen könnten die Rentabilität vorhandener Strecken durch „Dumping-Preise“ zusätzlich drücken.

CO2 Emission sei Dank gibt es den Bus

Dabei hat es gleich mehrere Vorteile, wenn der Busverkehr ausgebaut wird. Zunächst wird Reisen günstiger. Neue Arbeitsplätze werden durch die Gründung neuer Fernverkehrsunternehmen geschaffen. Die CO2 Emission sinkt, da Busse weniger Treibhausgase produzieren als Bahnen, wenn man die Bilanz pro Passagier berechnet. Und Reisen wird komfortabler, da neue Direktverbindungen angeboten werden können. Nur immer nur von Großstadt A nach Großstadt B sondern auch gerne mal von Ort X nach Kleinstadt Q über Großstadt A oder B.
Mit der Reduzierung der CO2 Emission hat man letztlich aber auch noch jeden überzeugen können und so muss auch hier eine beiläufige Tatsache als Begründung herhalten. Dabei kann wohl kaum einem Busunternehmen unterstellt werden, dass sie es betreiben, weil es umweltfreundlicher ist. Es entspricht einfach der Verbraucherfreundlichkeit, da die Züge nicht alle Orte anfahren, Busse dies aber eben doch tun können, zumindest solange eine Straße zu diesem Ort hinführt, die auch befahrbar ist. Außerdem spielen Preisüberlegungen eine wichtige Rolle, wie auch in der Debatte über kostenlosen Nahverkehr hervorsticht.

Der Fernbus in andere Länder als Vorbild

Wie einfach es ist, mit dem Fernbus ins Ausland zu fahren, habe ich zum Beispiel bei meiner Reise in die Ukraine berichtet. Und auch innerhalb der ehemaligen Ostblock-Länder ist es oft leichter mit dem Bus als mit der Bahn zu reisen. Die Busse fahren öfter, regelmäßiger, decken die Länder besser ab und haben bessere Anschlüsse. Mir kam das anfangs sehr suspekt vor und wurde oft verlacht, wenn ich vorschlug mit der Bahn zu fahren. „Das sei viel zu teuer“, hieß es da oft. Um so besser, zu wissen, dass Deutschland nun endlich seinen östlichen Vorbildern folgt und einen günstigen Fernverkehr anbietet. Endlich mal ein Gesetz, wovon wieder alle etwas haben.
Übrigens handelt es sich bei diesem Vorhaben um das Umsetzen einer EU-Richtlinie! Wer weiß also, wann es den ersten Fernbus gegeben hätte, wenn sich die EU nicht immer so rigoros um die Belange seiner Bürgerinnen und Bürger bemühen würde. Danke, liebe EU!

Wednesday, September 12, 2012

Demokratie und Transparenz – wo sind die Ideale von Mitbestimmung und Volksherrschaft?

Ich habe es ja schon oft zum Thema gemacht, aber gerade in der heutigen Zeit sollte meiner Meinung nach viel mehr und viel öfter über Politik geredet werden (, ohne jedoch alles gleich zu politisieren!). Daher soll es einmal mehr an die Grundfeste des deutschen und des europäischen Selbstverständnisses gehen.
Demokratie heißt das Stichwort, das auf etlichen Fahnen von fast allen europäischen Parteien bei jeder möglichen Gelegenheit hochgehalten wird. Europa ist ja schließlich die Heimat der Urdemokratie, die nicht nur im antiken Griechenland sondern angeblich ja auch bei den Barbaren im Norden mit ihren Dorfversammlungen gelebt worden sein soll. Klar, dass in so einer Kleinstversammlung von maximal einigen hundert Leuten (in der Polis mögen es etwas mehr gewesen sein) die demokratischen Ideale leicht verwirklicht werden konnten, auch wenn Phänomene wie Bestechung, Einschüchterung, Manipulation etc. auch schon grassierten, als die Volksherrschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Transparenz hingegen ging deutlicher gar nicht darzustellen. Ein Mann, ein Wort und jeder konnte sehen, wie wer abstimmte.
Viel hat sich getan seitdem. Nicht nur, dass sich die Demokratie seither vielen neuen Herausforderungen stellen musste, die sie bisher ganz gut bewerkstelligt hat, jetzt befindet sie sich auch noch in einer Krise, die gleichzeitig globale Ausmaße annimmt. Im gleichen Moment geben viele Staaten Elemente ihrer Staatlichkeit an Organisationen oder private Firmen ab und geben somit zum Beispiel ihr hart erkämpftes Gewaltmonopol einfach auf. Dass die Transparenz dabei auf der Strecke bleibt, ist schon fast einleuchtend, wenn auch traurig.
Soziales Engagement kann helfen, auf diese Defizite aufmerksam zu machen. Der vorangegangene Blogeintrag hat dies auf, ich finde, eindrucksvolle Weise mit der Initiative zur Entschuldung Griechenlands aufgezeigt. Die ebenfalls erwähnten JEF dienen allen ebenfalls als Vorbild. Doch man muss sich nicht immer gleich zusammenfinden, Organisationen und Vereine gründen, um eine politische Stimme zu bekommen. Es fängt damit an, Fragen zu stellen. Fragen, die wichtig sind, wie etwa diese hier: Wer ist mein Europaabgeordneter? Wer weiß denn das eigentlich von seinem Wahlnezirk? Wohl leider die wenigsten, wenn man aktuellen Statistiken zur Politikverdrossenheit Glauben schenkt. Und selbst eine extra eingerichtete Internetseite, die das Auffinden des gesuchten Abgeordneten erleichtern soll, führt in irgendwelche Wohnungsanzeigen (www.mein-mdep.de). Da muss doch mal kritisiert werden!
Unsere Bundespräsidenten können wir schnell abservieren, wenn uns die Medien dazu verleiten. Aber mal konstruktiv einen Beitrag leisten erfordert schon etwas mehr als nur notorisches Nörgeln, worin die Deutschen ja besonders gut sein sollen. Doch wenn es schon Kritik sein muss, dann doch gerne in Satire-Form. Daher mein Tipp zur Rettung der Demokratie: Schwindelfrei in große Höhen hinaus, denn auch wenn's traurig wird und keiner weiß, wie's weitergehen soll, so geht die Welt doch wenigstens lustig zugrunde...

Tuesday, September 11, 2012

Armut und Reichtum. Wer bekommt mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft. Arme oder Reiche?

Es ist schon bezeichnend, dass zum Thema Armut monatlich bei Google ca. 368.000 Anfragen aber zum Thema Reichtum weniger als ein Zehntel davon (ca. 33.100) gestellt werden. Was sagt uns das über die Gesellschaft, in der wir leben?

Armut im Fokus der Öffentlichkeit

Die Sorge um Armut ist in aller Munde. Jeder und jede hat Angst vor dem sozialen Abstieg, Minister/innen und Regierungsmitglieder sorgen sich um Altersarmut der breiten Masse etc. Es gibt viel zu diesem Thema zu sagen und tatsächlich ist es ein Problem, das, je immanenter es wird, desto mehr auch die breite Masse beschäftigt. Es wird auch oft nach den Definitionen von Armut gefragt, die ja nicht eindeutig feststeht, sondern immer wieder in der Gesellschaft neu verhandelt wird. Laut UN sind die Menschen arm, die weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben haben. Wenn man den Regelsatz Hartz IV dagegen ansieht, können sich dessen Bezieher wohl kaum als arm betrachten. In Deutschland gilt aber auch eher der Grundsatz, das diejenigen, die weniger als 70% des Durchschnittseinkommens erzielen, zur Kategorie „Arme“ gehören. Kein Wunder, denn wir leben ja schließlich in einem Sozialstaat, wo es eher darum geht, sich zur Mitte hin zu orientieren und die extrem Armen wie Reichen auch dorthin zu lenken.

Reichtum – das Gegenteil von arm sein?

Interessant ist, dass Armut sich dabei nicht an seinem Gegenteil orientiert. Reichtum wird nicht als das obere Ende einer Skala verstanden sondern eher als Entartung ganz eigener Art. So fragt zum Beispiel kaum jemand nach der Definition von Reichtum. Man sieht es den Leuten automatisch an, wenn sie reich sind. Da braucht man keine objektiven Kriterien, die einem Helfen die Grenzen zum Nicht-Reichtum abzustecken.
Es hat natürlich auch ganz praktische Gründe, dass diese Grenze im Gegensatz zur Armut nicht existiert. Geht es, wenn man arm ist, doch um jeden Cent und um wichtige Einkommensgrenzen, die einen befähigen, staatliche Unterstützung zu bekommen oder eben nicht. Beim Reichtum geht es höchstens um die Höhe der zu entrichtenden Steuern, deren Prozentsatz sich je nach der Höhe des Einkommens ändern. Aber das sind dann im Verständnis der Armen sowie so nur Peanuts. Erbsenzählerei für die, die sich ohnehin nicht zu sorgen brauchen.

Reich werden wollen trotzdem viele

Reich werden wird im Vergleich zu den beiden anderen Begriffen häufig öfter gegooglet. Wenn man das mal übersetzt, heißt das in etwa, das zwar keiner so richtig weiß, was Reichtum ist, aber viele in trotzdem anstreben.

Was ich übrigens am interessantesten fand, ist die Tatsache, dass auch nach Monaten der Debatte über Umverteilungen, Schuldzuweisungen wegen der Bankenkrise, Schuldenkrise der EU etc. die Reichen, so sieht es zumindest aus, weniger Grund zu öffentlichen Debatten gegeben haben als die Angst vor der Armut.

Friday, August 31, 2012

Griechenlands Schulden und die Frage nach der Umverteilung – soziale Verantwortung?

Griechenlands Schulden – der Schuldenschnitt durch private Spenden?

Griechenlands Schulden kann entweder mit dem Drucken neuen Geldes oder einer Umverteilung beigekommen werden. Was wäre für die Deutschen wünschenswerter? Steht diese Frage überhaupt zur Debatte? Besser: Was wäre für die Griechen auf lange Sicht lngfristig erträglicher? Auch diese Frage trifft den Kern nicht besser, sind doch aktuelle Handlungen augenscheinlich eher kurzsichtig orientiert.
Daher gibt es jetzt eine Initiative, die Griechenland durch private Spenden entschulden soll. Greece Debt Free nennt sich die Seite eines Griechen, der in London lebt, arbeitet und jede Menge Geld gescheffelt hat. Die Situation seines Landes beschämt und verstört ihn, weshalb er diese Initiative gegründet hat und hofft, dass andere reiche Griechen, die ihre Geld sonst vor dem Fiskus zu schützen verstanden, nun einlenken und auch ihren Beitrag zur Entschuldung des Mittelmeerlandes leisten. Griechenlands Schulden werden dabei um das Siebenfach des Spendenbetrages reduziert. Wie genau das funktioniert, das müssen Finanzmarktexperten erklären. Was mir jedoch wichtig scheint, ist die Tatsache, das einmal mehr die Politik versagt und die Bürger daher lieber selber Hand anlegen, um alles wieder ins Lot zu bringen.

Umverteilung – der Schlüssel zur Glückseligkeit?

Es klingt immer so einfach, wenn man Linkspartei und anderen mal zuhört. Einfach den Reichen ein bisschen von ihrem Geld wegnehmen und alle Probleme sind dann gelöst. So einfach! Und wahrscheinlich zu schön, um wahr zu sein... Denn Umverteilung kann zwar viel leisten, aber eben nicht alles.
Es sei einmal ganz dahingestellt, um wie viel Prozent sich das Steueraufkommen erhöhen würde, wenn die oberen Zehntausend stärker zur Kasse gebeten würden. Und nehmen wir einmal naiv an, dass sie diese neuen Steuern auch brav entrichten und nicht ins Ausland retten würden. Was könnte eine Umverteilung dann wirklich leisten und was läge trotzdem fern jeder Lösung?
Sicher könnte sie soziale Schere effektiv am weiteren Auseinanderdriften gehindert werden, wenn auch der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten auf absehbare Zukunft wohl nicht mehr zu verringern ist. Und weiter? Würde nicht den Armen etwas gegeben werden, worauf sie gar keinen Anspruch haben? Auf welcher Grundlage ließe sich eine steuerliche Ungleichbehandlung eigentlich rechtfertigen? Wird nicht das normalerweise unantastbare Privateigentum der Reichen zugegriffen?
Wenn die einzigen Rechtfertigungsgrundlagen in der angenommene Solidarität unter den Bürgern eines Landes oder der Annahme, dass die Reichen nur auf Kosten der Armen reich geworden sind, zu finden sind, wird es schwer so etwas politisch und gesellschaftlich durchzusetzen. Politikverdrossenheit ist die Konsequenz, die ihren Ausdruck dann darin findet, dass NGOs und andere nicht an die Politik gebundene Initiativen entstehen, die dem Bürger und der Bürgerin helfen, ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Occupy Wallstreet, die JEF aber auch Freiwilligendienste lassen sich genau in dieser Reihe einordnen und es werden wohl noch viele andere folgen.

Soziale Schere (Quelle: f1online.de)

Thursday, August 30, 2012

Apostille und Legalisation – Was kostet das, wo bekommt man sie und wie lange dauert es?

Der Weg zur Apostille: Das Innenministerium in Potsdam (Quelle: maerkischeallgemeine.de)

Immer wieder kam während der Hochzeitsvorbereitungen meines Freundes das Problem der Legalisation auf. Bei dem internationalen Dokumentenverkehr gibt es zwar mittlerweile institutionalisierte Wege, aber wie genau was funktioniert war nicht immer ganz klar. Und welche Dokumente beglaubigt werden müssen und welche nicht, war auch nicht immer klar benannt.

Apostille – der Weg zu ihr

Eine Apostille muss man meistens zweimal besorgen. So musste die Verlobte meines Freundes zuerst in der Ukraine alle notwendigen Dokumente durch das Heimatministerium in Kiew beglaubigen lassen. Leider gibt es jedoch in der Ukraine eine strikte Trennung der verschiedenen Institutionen, so dass dort nicht alle mit einer Beglaubigung versehen werden konnten. Daher musste sie dann noch zu anderen Ministerien. Dass dies so sein würde erfuhr sie aber erst im Heimatministerium, wo sie von den Behörden, die ihre Meldebescheinigung ausstellten, hingeschickt wurde. Es einziges Hin und Her, die nicht wenig Nerven und Geduld erfordert!
Die andere Apostille brauchten die beiden dann, nachdem die Eheschließung vollzogen war. Es ging dann darum, die in Deutschland ausgestellten Papiere legalisieren zu lassen, um ihren Familienstand auch nach ukrainischem Recht ändern zu lassen, was dann über die Botschaft gemacht werden konnte. Um für die Heiratsurkunde eine Apostille zu bekommen, wandten sie sich zunächst an den örtlichen Bürgerservice, um dort allgemeine Informationen zu erhalten. Leider wusste man dort jedoch nicht einmal, was eine Apostille ist. Schließlich wurden sie telefonisch an eine höhere Instanz innerhalb der Stadtverwaltung verwiesen, die ihnen mitteilte, dass sie diese im Standesamt bekommen könnten. Also sind sie schließlich dorthin gegangen, um aber nur zu hören, dass sie sich an das Innenministerium des Landes wenden müssten. Aber immerhin gab es nun einen Informationszettel, auf dem alles wichtige vermerkt war: Adresse, Sprechzeiten, Kosten und auch, dass eine Ausstellung ohne Probleme postalisch möglich sei.
Um die richtige Apostille zu bekommen, denn je nach Bestimmungsland gibt es unterschiedliche Varianten, sind sie dann selbst zum Ministerium gefahren. Es dauerte denn auch nur wenigen Minuten, bis sie wieder raus waren. Pro Dokument wurde eine Gebühr von 12€ fällig, die vor Ort in bar bezahlt wurde. Leider fehlte ihnen derzeit noch ein Dokument, das sie einige Tage später dann mit der Post ans Ministerium schickten. Es dauerte weniger als fünf Werktage, bis es ebenfalls per Post und mit einer Rechnung, die ohne zusätzliche Kosten daher nur 12€ betrug, wieder bei ihnen angekommen war. Auf Landesebene scheint Bürokratie also zu funktionieren!

Legalisation – was passiert bei einer amtlichen Beglaubigung?

Eine Legalisation gibt es nicht für jedes Dokument. So können Anmeldungen bei der Meldebehörde zum Beispiel nicht mit einer Apostille beglaubigt werden. Wieso offenbart ein Blick hinter die Kulissen: Bei einer amtlichen Beglaubigung wird nicht nur die Form des Dokumentes auf Richtigkeit überprüft, sondern auch die Unterschrift des Verwaltungsbeamten mit einem von ihm oder ihr abgegebenen Probe verglichen. Stimmen die Unterschriften nicht überein, wird keine Beglaubigung ausgestellt. Klar, dass nicht alle Beamten aller Behörden dazu autorisiert sind, wichtige Dokumente für den internationalen Schriftverkehr auszustellen und daher auch keine Schriftprobe hinterlegt haben. Aber Standesbeamte müssen zum Beispiel alle im Innenministerium registriert sein und im System mit einer Unterschriftenprobe hinterlegt sein.
Die Legalisation ermöglicht letztlich die Vereinfachung des gesamten Dokumentenverkehrs. Auch wenn es manchmal etwas chaotisch zu geht und keiner zu wissen scheint, wer für was zuständig ist, so ist es immer noch um einiges einfacher und vor allem günstiger als zu irgendwelchen Botschaften zu rennen und dort hin und her geschickt zu werden. Außerdem ist der Weg per Post unkompliziert und bequem. Besser geht’s doch eigentlich nicht mehr.

Sunday, August 26, 2012

Pornografie – wann wird Aktfotografie vulgär? Warum gibt es mehr nackte Frauen als Männer?

Pornografie, ein heikles Thema auch in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft. Ich finde es manchmal wirklich merkwürdig. Als Jugendlicher habe ich mich noch aufgeklärt gefühlt, aber seitdem ich aus der Schule raus bin, ist das Thema Sex und Geschlecht irgendwie verschwunden, gerade so, als wäre der Wissensdurst und das Verlangen nach Beschäftigung mit dem Thema abrupt hätten verdrängt werden müssen. Deshalb wird es jetzt mal zum Thema gemacht! Zwar mit künstlerischem Anspruch, aber trotzdem kann es dabei auch mal vulgär zugehen.

Pornografie oder Kunst?

Das ist leider viel zu oft die Frage. Nur weil sich an einem Bild, das nackte Menschen auch meinetwegen in verfänglichen Positionen zeigt, irgendwelche Kunstbanausen aufgeilen, heißt es noch lange nicht, dass es keinen künstlerischen Wert besitzt. Im Gegenteil. Insbesondere wenn dem Künstler nur der Körper zur Verfügung steht, muss gekonnt mit den Instrumenten umgegangen werden, damit die Aussage des Schaffenden eingefangen werden kann. Oder die Kunstwerke werden einfach nur geschaffen, um von Betrachtern begafft zu werden. Aber selbst dann ist es ja noch Kunst, solange es Leute gibt, die sich daran ergötzen und ihre Freude in dem Werk finden können. Pornografie kann vielfältige formen annehmen und genauso wie ein Hollywoodfilm manchmal als künstlerisch wertvoll eingestuft wird, kann es auch Pornos geben, die ästhetisch gestaltet sind.

Aktfotografie zeigt mehr Frau als Mann

Interessant wird es aber, wenn man explizit auf die als Kunst wertgeschätzten Werke schaut oder sich einfach nur mal in Werbungen und dem alltäglichen Leben umschaut. Es überrascht da schon, dass die Frau wesentlich öfter zu sehen ist als der Mann. In der Aktfotografie war das ebenfalls der Fall. Eine Ausstellung von Larry Clark hat Besarin, auf den hier bereits mehrmals hingewiesen wurde, auf seinem Blog (bersarin.wordpress.com) angeregt darüber zu debattieren. Es gibt viel, was darüber gesagt wurde, und noch gesagt werden kann. Die Zeit hat sich online ebenfalls darüber ausgelassen.
Dass Aktfotografie auch politisch benutzt werden kann, abermals von Frauen, hat während des Arabischen Frühlings die junge Ägypterin Alia Magda al-Mahdi eindrucksvoll bewiesen. Nacktheit als Waffe? Die Männer benutzten da eher ihre Fäuste, um ihrer Frustration und ihrem Ärger Luft zu machen. Was ist nun besser?

Sexuelle Konkurrenz in der Ellenbogengesellschaft

Sexuelle Konkurrenz bleibt auf jeden Fall so lange, wie Männer und Frauen unterschiedliche Positionen in der Gesellschaft einnehmen, genauso ein Thema wie Feminismus. So ist unser Gemeinwesen eben aufgebaut und daran hat bisher auch kaum jemand gerüttelt, in dem Sinne, dass sich jemand zur Abschaffung von Konkurrenz eingesetzt hätte. Der Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus hat dies als globaler Showdown ein für alle Male vor Augen geführt. Und so kann auch die Pornografie nur als Spiegel unserer Gesellschaft gesehen werden, indem uns das vor Augen geführt wird, was wir alltäglich ohnehin um uns herum finden können, aber oft nicht bewusst wahrnehmen.

"Jonathan Velasquez & Tiffany Limos" von Larry Clark, 2003 (Quelle: spiegel.de)

Foto-Collage "Knoxville" aus dem Jahr 2011 von Larry Clark (Quelle: spiegel.de)

Tuesday, August 14, 2012

Zuhause sein – glücklich sein, aber wo ist zuhause und was ist Heimat?

Wer viel auf Reisen ist, freut sich, wenn er wieder in die Nähe heimatlicher Gefilde kommt. Es wird ihm wohl ums Herz, und die Gedanken schweifen zurück, um jene Tage der Kindheit, der ersten Liebe, des ersten Kusses wieder wachzurütteln. Nostalgie kommt auf und es fällt uns schwer zu sehen, wie sehr sich alles verändert hat, wie sich alles im Fluss befindet und irgendwann einmal nicht mehr als das zu erkennen sein wird, was wir einst dort gesehen haben.
Zuhause sein ist immer etwas Emotionales, ein Gefühl der Verbindung zu einem Ort. Man kann nicht überall sein Zuhause sehen, denn die Verbindung, die man mit dem Ort zunächst eingehen muss, braucht Zeit, aufgebaut zu werden. Man ist zum Beispiel nicht gleich zuhause, nur weil man sich irgendwohin ein Haus hat bauen lassen. Schnell drängt sich daher die Frage auf, wo dieser Ort eigentlich ist. Wo ist zuhause? Was ist Heimat?
Foldedcranes hat das in seinem/ ihrem Blog einfach so formuliert: „Is home where you were born?“ Einfach Frage, einfach Antwort, oder? Eben nicht. Wenn es so einfach wäre, würden sich nicht seit Äonen Philosophen und Gelehrte darüber den Kopf zermartern. Für Kant spielte dieses Thema mit seiner Idee eines Weltbürgertums natürlich eine zentrale Rolle, oder eben auch nicht. Zuhause sein kann man Kant zufolge also überall. Das sind jetzt zwei konträre Meinungen, die keiner Versöhnung bedürfen, denn es gibt sie nicht, die Lösung.
Nur einen Punkt gibt es, der mit Misstrauen zu beobachten ist: Die Entwurzelung der Jugend führt derzeit zu einem massiven Verlust des Heimatgefühls. Sie verlieren das Gefühlt der Verbindung zu einem bestimmten Ort, halten sich stattdessen für Weltbürger (leider nicht in Kants Sinne), da sie hier und da leben können, sich sofort an neue Gegebenheiten anpassen können und mehr als nur ihre Muttersprache sprechen können. Was ist Heimat, ist eine Frage, die in diesen Lebensstil nicht hineinpasst und konsequent ausgeblendet wird. Stattdessen stehen Karriere, Suche nach sexueller Erfüllung oder „Glück“ die Hauptrolle in ihrem Leben.
Was auf der Strecke bleibt, ist klar: Der Einsatz und Kampf für die Verbesserung der Lebensbedingungen an einem bestimmten Ort. Nur wer sich für längere Zeit ein einem Punkt aufhält, kann Netzwerke aufbauen, negative Entwicklungen erkennen und dagegen ansteuern. Die Globalisierung nimmt den Individuen die lokale Verantwortung und lügt uns vor, dass wir global alle Probleme lösen können. Bleibt daher nur zu hoffen, dass sich dieser Trend nicht so weit fortsetzt!